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Jun 01

5 Dinge die ich über Japan gelernt habe

20180517_125946Die letzten Wochen war es zugegeben Still auf meiner Seite. Dies hatte aber auch einen guten Grund: Zusammen mit ein paar Kumpeln habe ich nen Flieger bestiegen und das Land der aufgehenden Sonne besucht. In zwei Wochen waren wir in Osaka, im Vorland des Mt. Fuji und in der Metropole Tokyo. Und ich muss sagen, dass mir dieser Trip sehr gut gefiel. Es gibt allerdings ein paar Dinge in Japan, auf die man nicht, oder nur sehr wenig vorbereitet wird. Und genau darum geht es heute bei mir! Hier kommen 5 Dinge über Japan, die ich während meines Urlaubs dort gelernt habe:

 

 

 

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Getränkeautomaten, Retrospiele und Gatcha-Automaten… Ja, ich habe meiner Katze so eine bescheuerte Mütze aus dem Automaten gezogen.

Das Land der Automaten
Eine der größten Gefahren bei tagelangen Stadtwanderungen und Ausflügen bei hoher Sonneneinstrahlung ist die Dehydration! Du hast vergessen dir was zu trinken einzupacken? Oh mann, dass wird ein langer Tag für dich. Nicht so in Japan. Dieses Land ist verrückt nach Getränkeautomaten. Es stehen oft 2 bis 5 direkt nebeneinander und keinen Steinwurf entfernt steht schon die nächste Automatengruppe bereit. Generell ist dieses Land begeistert von Automaten aller Art. Videospielautomaten sind für die japanische Jugend eine normale Nachmittagsbeschäftigung, Kranautomaten aus denen man Plüschtiere, Animestatuen oder sogar Speiseeis angeln kann findet man immer wieder. Keine Straße ist komplett ohne ein paar der Gatcha-Automaten, die ähnlich wie die heimischen Kaugummiautomaten funktionieren, jedoch deutlich hochwertigere, sowie verücktere Inhalte bieten. Abgesehen davon muss man bei der immensen Masse an Patchinko- und Glücksspielhallen dort Las Vegas schon fast wie ein kleines Licht am Glücksspielhimmel aussieht. Es scheint so, als sei der Japaner froh, wenn er irgendwo Kleingeld reinstecken kann, wodurch die 100 Yen-Münze (ca. 80 Cent) zum wichtigsten Währungsstück des Landes wird. Während man in anderen Urlauben versucht so gut wie möglich zu vermeiden Münzen anzusammeln, da man sie nicht losbekommt, ist es in Japan umgekehrt. Hier schaut man, dass die mitgeführten Finanzen hauptsächlich als Hartgeld in der Tasche klimpern. Japan ist komplett Münz-affin… abgesehen von den 1 Yen Münzen, die will und braucht kein Schwein.

 

 

 

Die verborgene Kriminalität
Oft hört man, dass Japan ein sehr friedliches und sicheres Land ist. Tokyo ist wohl die sicherste Metropole der Welt. All die fiesen Taschendiebe und Seitenstraßenräuber vor denen man in anderen Urlaubsländern bangt, scheinen hier nicht zu existieren. Allerdings ist der Schein trügerisch, denn die Japaner betreiben eine besonders hinterhältige Art des Diebstahls als Volkssport: REGENSCHIRMDIEBSTAHL! Japan, als Inselnation, die direkt den Launen des Pazifik ausgesetzt ist wird nicht selten von Regenschauern heimgesucht. Das führt dazu, dass man überall Regenschirme kaufen kann, überall Regenschirme vor Läden und Lokalen rumstehen und es sogar sehr parktische Regenschirmhalter für Fahrräder gibt. Der Japaner sieht einen Regenschirm wohl eher als „Allgemeineigentum“ und da wird, sofern es gerade schüttet gerne mal der nächstbeste Schirm ergriffen – egal ob es der eigene ist oder nicht. Meine Freunde und ich haben nach einer spannenden, gemeinsamen Runde an einem Arcadeautomaten eben dies feststellen müssen. Doch wir haben daraus gelernt. Während der Rucksack mit den Reiseunterlagen, dem Geld und der teuren Kamera auf dem Boden unbeobachtet lag, wurde von nun an der neu erworbene Schirm mit Argusaugen gehütet – bis ich ihn beim Heimfliegen im Flugzeug vergessen habe.

 

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Weil Sexismus nicht schön ist und ich hier keine Bilder von Ü18-Ecken posten will, gibt es hier lieber nochmal ein schönes Bild vom Fuji

Die Sache mit den Frauen
Generell finde ich, ist Japan uns in vielen Belangen voraus. Ein Aspekt, in dem Japan noch aufholen muss ist das Frauenbild in dem Land. Dies ist wirklich mein größter Kritikpunkt dort. Nicht dass Frauen in Nippon unterdrückt werden würden. Es ist eher so, dass Frauen als Sexobjekte an der Tagesordnung sind. So warnt mal ein Schild an einer Treppe die Damen vor „upskirting“ – also, dass geifernde Männer ihnen hier gerne unter den Rock blicken. Man findet immer wieder mal die erwähnten Gatcha-Automaten, die getragene Damenwäsche ausspucken. Es gibt in den Elektronik- und Videospielvierteln zig Läden, die kleine Statuen von anzüglich gestalteten Animedamen verkaufen und in den gleichen Gegenden findet man oft sogenannte Maid-Cafes, in denen man ausschließlich von jungen Damen in knappen, französischen Haushälteruniformen bedient wird. Kein Geschäft in Japan ist komplett ohne den Stapel an telefonbuchdicken Erotikmagazinen, die oft direkt neben den Eingang ein großes Regal einnehmen und wo es DVDs gibt, gibt es immer auch eine großzügige Pornoecke. Der Bedarf an Pornografie in dem Land scheint immens zu sein. Die Ursachen dafür kenne icht nicht. Vielleicht werden die japanischen Männer aus kulturellen Gründen von einer sexuellen Frustration heimgesucht, aber für mich als Außenstehender war es manchmal etwas verstörend. Ich weiß nicht, ob ich mich als japanisches Mädchen damit immer wohl fühlen würde.

 

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In den meisten Geschäften durfte man nicht fotografieren. Hier aber habe ich meine Freude über die unzähligen alten Videospiele festhalten müssen.

Der Anime der alles dominiert
Als großer Fan japanischer Filme, Serien und Videospiele musste ich die Elektronikviertel von Tokyo und Osaka besuchen. Dort gibt es (abgesehen von der erwähnten Pornoflut) einen Haufen Läden die Merchandise aller möglichen Serien vertreiben, sowie Retrogames und Cosplayzubehör. Ich kaufte mir eine kleine Piccolo- und Godzillafigur, Schlüsselanhänger und lauter Super Nintendo Spiele. Doch beim stöbern durch die Läden kommt man nicht daran vorbei festzustellen, dass ein Franchise überall in großer Masse vertreten ist. Was wird wohl die gefragteste Marke unter den japanischen Nerds sein? Ultraman? Godzilla? Dragon Quest? Naruto? Pokemon? Dragonball?… Nö! One Piece! Der Manga um Piraten und einen Gummimenschen in der Hauptrolle grüßt einem in jedem Geschäft und ihm wird oft die drei- oder vierfache Auslagefläche von z.B. Dragonball eingeräumt. Ich habe erwartet auf einiges an One Piece-Merchandise zu treffen, aber die schiere Dominanz fand ich erstaunlich. Auf der Suche nach einer passenden Godzillafigur musste ich in die Ecken der Läden kriechen, während Monkey D. Ruffy mit seinem Strohhut hundertfach in den zentralen Glasvitrinen glänzte. Manche Läden sahen aus wie reine One-Piece-Geschäfte, die nebenher noch ein paar andere Marken führten.

 

 

 

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Der Bullet-Train Shinkansen läuft pünktlich in den Bahnhof ein – für Kunden der DB ein ungewohntes Gefühl

Japanische Arbeitsmoral und das große Ganze
Japan ist ein Land, in dem althergebrachte Tradition mit der Moderne kollidiert. Während man hierzulande versucht mit beiden Beinen in der Gegenwart zu stehen, scheint es, als haben die japanischen Inselbewohner ein Bein in der Zukunft und eins in der Vergangenheit. Dies hat viele Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. Einerseits sind die Straßen immer sauber, andererseits kommt dies unter anderem davon, dass eine Vielzahl der älteren Bevölkerungsschicht sich mit Reinigungsjobs über Wasser hält. Doch die Japaner wollen anscheinend auch aktiv bleiben und sehen den Ruhestand nicht als erstrebenswertes Ziel. Als Urlauber profitiert man aber natürlich von der fast schon erzwungenen Arbeitsfreude und Hilfsbereitschaft der Japaner. Die nette Dame von der Bahn erkennt sofort wenn man die Orientierung verloren hat und führt einen vom Bahnsteig bis kurz vor das Hotel, immer mit einem Lächeln und einem „arigatou gozaimasu“ auf den Lippen. In Amerika sind zwar auch alle besonders nett zu einem, dies machen sie aber meistens, da sie auf großzügige Trinkgelder angewiesen sind. Der Japaner nimmt kein Trinkgeld an – NIEMALS! Damit bringt man ihn nur in Verlegenheit, also lieber gar nicht erst versuchen. In Japan scheint das Wohlbefinden der Gesellschaft im Vordergund zu stehen: Das bedeutet man lässt seinen Müll nicht irgendwo rumliegen, mann geht auf der vorgeschriebenen Seite der Treppe und lässt den Leuten genügend Platz um aus der U-Bahn auszusteigen, bevor man selbst einsteigt. Es sind ganz einfache Regeln, die nur durch Kleinigkeiten, wie Markierungen auf den Boden und kleine Hinweisschilder unterstützt werden, aber dies alles resultiert darin, dass man in Japan sehr entspannt von A nach B kommt, die Züge auf die Sekunde genau losfahren, die Parks und Straßen sauber sind und man sich kaum wegen irgendwelcher unfair scheinenden Regeln aufregen muss. Zum Kontrast: Als wir wieder in Deutschland landeten, sind wir mit dem Zug von München nach Hause gefahren. Wir haben erstmal drei Stunden lang gewartet, bis die Uhr 9 schlug, da zuvor das Bayernticket nicht gilt und ein normales Ticket für die Strecke ein vielfaches kostet. Ich muss nicht erwähnen, dass dieser Zug bereits einige Minuten Verspätung hatte und wir mehrmals überlegen mussten ob wir im richtigen Abteil sitzten, da der Zug an einer Stelle getrennt wurde und nur unzureichend erkennbar war welcher Wagon letztendlich wo hinfährt. Generell ist der Vergleich zwischen dem deutschen und japanischen Bahnnetzes, sowie der Preise und der Zuverlässigkeit sehr frustrierend. Machen wir mal ein kleines Beispiel: Wir fahren mit der DB von München nach Berlin. Es soll schnell gehen, also nehmen wir den ICE. Die Fahrtzeit beläuft sich je nach Strecke und umstiegen auf 4 bis 5 Stunden und das Ticket kostet für die 2. Klasse 150 Euro. Die vergleichbare Strecke von Osaka auf Tokyo fährt man mit dem japanischen Schnellzug Shinkansen in Zweieinhalbstunden – und das obwohl der ICE rein theoretisch der schnellere Zug ist! In Japan ist jedoch der Streckenausbau und die Organisation der deutschen Bahn um Meilen vorraus. Für das Ticket von Osaka auf Tokyo zahlt man umgerechnet 110 Euro inklusive Sitzplatzreservierung und so viel Beinfreiheit wie hierzulande in der 1. Klasse. Dabei ist der Shikansen aber eben auch verdammt zuverlässig. Während in Deutschland gerungen wird, dass ein dreiviertel aller Züge pünktlich einlaufen, wobei die Bahn eine Verspätung von 5 Minuten und 59 Sekunden immer noch als pünktlich wertet, kann man nach dem Japanischen Zugverkehr die Uhr stellen. Selbst 2011, als Japan von einem riesigen Erbeben erschüttert, und von durch Tsunamis überflutet wurde, lag die durchschnittliche Verspätung der Züge bei lächerlichen 36 Sekunden.

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Ich könnte hier Bilder vom Tokyo Tower oder dem Osaka Castle posten, aber wenn wir ehrlich sind passen lebensgroße Nachbildungen von Gundam und Godzilla viel besser auf meine Seite, oder? Darunter ist die Statue des Godzilla Squares und ein Bild eines Craftbeerfestes mit Blick auf ein gigantisches Godzillaposter.

Über Japan lässt sich natürlich noch viel mehr erzählen. Die wunderschöne Landschaft um den Mt. Fuji, die wir zu Fuß erkundeten, die interessanten Museen und Schreine die wir besuchten und die pulsierenden Metropolen mit ihren Wolkenkratzern, mehrstöckigen Einkaufsszentren mit Riesenräder und transformierenden Mechastatuen. Doch diesen ganzen Kram heb ich mir für ein anderes mal auf. Was ihr wissen müsst ist, dass Japan ganz anders ist, aber auf eine intressante und für Urlauber ansprechende Weise. Nicht alles ist dort perfekt, aber das ist es nirgendwo. Ich für meinen Teil würde jeder Zeit wieder zu dieser verrückten Inselnation fliegen und wer weiß, vielleicht habe ich euch auch etwas Lust darauf gemacht.