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Apr 30

“ASSASSIN’S CREED” Review

Verfilmungen von Videospielen sind Stigmatisiert und das zu recht. Es gab bereits so viele Versuche Games aller Art auf die Leinwand zu bringen und selbst die allerbesten Ergebnisse waren allerhöchstens „okay“. Die große Masse dieser Filme sind aber schlecht… richtig schlecht. 2016 kamen zwei Filme ins Kino, die diese Stigmata hätten brechen können: Warcraft und Assassin’s Creed. Bei beiden waren die Entwicklerstudios der Spiele mit involviert und bei beiden Filmen waren die Erwartungen hoch. Warcraft habe ich noch nicht gesehen, aber ich habe vor kurzen mal Assassin’s Creed gesichtet und kann euch sagen was ich von dem Streifen halte. Zuerst jedoch mal einen Blick auf die Story:

assassins-creed-filmMichael Fassbender spielt Callum Lynch, einenVerbrecher, der als Kind mitansehen musste wie sein Vater mit einer seltsamen ausklappbaren Armklinge seine Mutter umbrachte. Callums traf in seinem Leben einige schlechte Entscheidungen und findet sich in der Todeszelle wieder, in der er hingerichtet wird. Seltsamerweise wacht er jedoch wieder auf. Und zwar in einem Hightechkomplex der Abstergo Fondation. Der Chef der Firma Alan Rikkin, sowie sein Tochter Dr. Sofia Rikkin haben ein besonderes Ziel. Sie wollen die Gewalttätigkeit des Menschen ausmerzen und so für immer Frieden schaffen. Dazu benötigen sie jedoch ein antikes Relikt, das angeblich die Lösung für dieses Problem birgt. Dieses Relikt ist irgendwann im 15. Jahrhundert verschwunden und dafür benötigen sie Callum Lynch. Abstergo besitzt nämlich eine fantastische Maschine namens Animus, die einem ermöglicht in die Erinnerungen seiner Vorfahren einzutauchen und Callum Lynch ist der direkte Nachfahre des Assassinen Aguilar de Nerha, der Mann, der angeblich dieses Relikt versteckte.

In meiner Videospiellaufbahn habe ich bisher “Assassin’s Creed 3” und “Assassin’s Creed: Black Flag” gespielt und beide Spiele haben etwas gemeinsam. Alles Coole und Interessante, alles was am Spiel Spaß macht, findet im Animus, ergo in der Vergangenheit statt. Beide Spiele zwingen den Spieler jedoch regelmäßig dazu den Animus zu verlassen um Missionen in der Gegenwart durchzuführen, was den Spielfluss stört und meistens recht lahm und nervig ist. Die Verfilmung hat eine für mich nur schwer nachvollziehbare Entscheidung getroffen und den Fokus des Films auf die Handlung in der Gegenwart gelegt – den schwächsten Aspekt der Videospiele. Bereits zu Beginn erfährt Callum, kurz Cal, durch Abstergo wer Aguilar war, wie sein Leben ablief und dass er als letzter die Relique besaß und versteckte. Dies beraubt sämtlicher Animusszenen die Spannung. Wir wissen, dass Cal keinen Einfluss auf die Taten seines ebenfalls von Fassbender gespielten Vorfahren Aguilar hat. Also ist es für uns als Zuschauer so, als würden wir Fassbender dabei zusehen, wie er Fassbender dabei zusieht etwas zu machen, von dem wir bereits wissen wie es ausgeht: Aguilar versteckt das Artefakt irgendwo – und selbst dies wird in keinster weise spannend erzählt. Die Szenen zur Zeit der spanischen Inquisition scheinen schlicht Vehikel für die aufwendigeren Actionszenen im Film zu sein. Doch die können den Film auch nicht tragen, da die Action unübersichtlich und viel zu hektisch geschnitten ist. Zudem werden die Actionszenen alle paar Sekunden dadurch unterbrochen, dass man den Gegenwartsfassbender im total lächerlichen 360°-Animus rumhampeln sieht. Dieser Film wurde vollkommen verkehrt herum aufgezogen. Hauptaugenmerk der Handlung sollte die Geschichte von Aguilar im 15. Jahrhundert sein. Mit ihm sollte man mitfiebern. Cals Figur, der Animus und die Geschehnisse in der Gegenwart sollten die Nebenhandlung sein. Zu Beginn des Films hätte ich nur ein zwei Hinweise gestreut, dass es sich bei der Handlung im 15. Jahrhundert nur um eine rekonstruktion der genetischen Erinnerungen handelt. Gegen mitte des Films hätte ich dann erst Cal und den Animus vollkommen vorgestellt – als kleinen Twist für die, die nie die Spiele gespielt haben. Und zum Schluss – nach dem Finale, dass sich ebenfalls um Aguilar in der Vergangenheit gedreht hätte, hätte Cal festgestellt, dass er für Abstergo, also die Templer, spirch die „Bösen“ arbeitet. Das sollte zum Schluss der Twist sein, den niemand erwartet hätte. Stattdessen wird dies alles bereits am Anfang enthüllt und wir müssen zusehen, wie die Handlung für einen großteil des Films auf der Stelle tritt. Ich konnte mich auch nur schwer mit Cal oder den anderen Figuren identifizieren. Seine Figur ist, obwohl wir fast den ganzen Film mit ihm verbringen kaum entwickelt. Ständig mürrisch und allen abgeneigt, macht aber trotzdem alles mit, bis dass er seine Gesinnung unmittelbar vor dem Finale um 180° dreht. Der Film scheint extrem darauf fixiert zu sein uns die Geschichte von Cals moralischer Wandlung und Charakterentwicklung zu zeigen, das funktioniert aber nicht, wenn sämtliche Charakterentwicklung 10 Minuten vor Schluss in einer Szene passiert.

 

Mein Fazit: 3,5 von 10 biblischen Äpfeln

Also fassen wir „Assassin’s Creed“ zusammen: Der Film beschließt sich auf den langweiligsten und nervigsten Aspekt der Spiele zu fokussieren, sämtliche Elemente, die die Handlung spannend machen könnten werden bereits zu Beginn verraten, die Motivation des Protagonisten ist schwach und seine Charakterentwicklung stümperhaft inszeniert, das durchaus interessante historische Setting wird schlichtweg für schlecht geschnittene Action verwendet. Sorry, wir haben es wieder mit einer schlechten Videospielverfilmung zu tun.