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Sep 14

„BATTLE ROYALE“ (2000) Review

Heute will ich mal über „BATTLE ROYALE“ reden! Und nein, damit meine ich nicht das von PUBG und Fortnite populär gemachte Videospielgenre, sondern den japanischen Kultfilm, der dafür seinen Namen hergeben musste. Oh mann, schon wieder ein japanischer Film? Eigentlich hatte ich doch von denen schon genug dieses Jahr… Egal! „BATTLE ROYALE“ ist ein einflussreicher, kontroverser Film, der, wie ich finde, in der Sammlung keines Filmliebhabers fehlen sollte. Sehen wir uns also an, um was es in dem Film geht:

battle-royale-reviewIm Universum des Films, gehen in Japan um die Jahrtausendwende die Arbeitslosenzahlen durch die Decke und auch die Jugendkriminalität nimmt ohne Unterlass zu. Um diese verlorene Generation wieder unter Kontrolle zu bringen wird ein Gesetz erlassen, eine Bildungsreform, dessen Konzept fast so grausam ist, wie die Bundesjugendspiele. Eine zufällig ausgeloste Schulklasse wird auf einer Insel ausgesetzt und die Klassenkameraden werden gezwungen sich gegenseitig zu töten. Der Name des ganzen ist „Battle Royale“. Das Ensamble-Cast des Film setzt sich dementsprechend aus den Schülern einer Klasse zusammen, die unter dem Vorwand eines Schulausflugs entführt werden. Ihr grausamer, ehemaliger Lehrer Kitano leitet dabei das blutige Spiel, bei dem es nur einen Überlebenden geben darf.

Moment, eine Regierung, die Teenager dazu zwingt in einem Spiel auf Leben und Tod gegeneinander zu kämpfen – das kenne ich doch irgendwo her. Natürlich hört sich die Prämisse des Films stark nach „The Hunger Games“ bzw „Die Tribute von Panem“ an. Allerdings waren hier die Japaner deutlich früher dran. Der Roman von Koushun Takami, auf dem der Film basiert wurde 1999 veröffentlicht und im Jahr darauf folgte auch schon die Verfilmung. Trotz der zahlreichen Parallelen bestreitet die Autorin der Hunger Games, Suzanne Collins je von Battle Royale gehört zu haben als sie ihren Roman schrieb. Auch wenn beide Handlungen ähnlich sind, gibt es jedoch auch starke Kontraste. Im Gegensatz zu den relativ moderaten Gewaltdarstellung der Hunger Games ist Battle Royale grausam, makaber und sehr zynisch – vielleicht die passendere Darstellung einer Realität in der Jugendliche von einem Regime zu einen Kampf bis zum Tod gezwungen werden. Doch diese sehr brutale Darstellung brachte auch einige Probleme bei der internationalen Veröffentlichung des Films. 2002 erschien der Film stark geschnitten auf dem deutschen Videomarkt, landete aber später auf dem Index. Auch in den USA, wo die Toleranzgrenze für Gewaltdarstellung deutlich höher ist als hier zu Lande, stand der Film jahrelang nicht in den Regalen. Inzwischen kann man den Film jedoch ganz normal auch in Deutschland kaufen. Gott sei dank, denn hier wurde uns ein echtes Goldstück vorenthalten! Da sich Battle Royale, im Gegensatz zu den Hunger Games nicht auf eine Figur konzentriert, sondern eher als Ensamble-Film konzipiert, sind fast alle Auseinandersetzungen zwischen den Schülern spannend, da eben nicht alle nur als Kanonenfutter dienen. Und da die Figuren alle Schulkameraden sind, ist die Dynamik zwischen den Schülern um einiges interessanter und angespannter. Wenn sich ein paar Sandkastenfreundinnen verschanzen und sich schwören zusammen zu halten, man aber schon den Zweifel langsam in ihnen Keimen sieht oder sich Kleinigkeiten in dieser angespannten Lage zu einem lebensentscheidenden Konflikt entwickeln. Regie führte bei Battle Royale der zu diesen Zeitpunkt bereits betagte Kinji Fukasaku, der für westliche Filmfreunde wohl am bekanntesten durch seine Mitwirkung am Kriegsfilm „Tora! Tora! Tora!“ sein sollte. Fukasaku verstarb leider bereits 2003, hinterließ aber einen ausgezeichneten Streifen. Dies meinte auch Quentin Tarantino, der Battle Royale als einen seiner absoluten Lieblingsfilme zählt. Nicht umsonst castete er die sehr überzeugende Schauspielerin Ciaki Kuriyama aus Battle Royale als psychotische Leibwächterin Takako in Kill Bill. Den Film widmete Tarantino auch den verstorbenen Regisseur Fukasaku. Ebenfalls ein bekannteres Gesicht im Film könnte Tatsuya Fujiwara sein, der in der japanischen Realverfilmung von Death Note von Shusuke Kaneko die Hauptrolle spielte. Klarer Star des Streifens ist jedoch das Universaltalent Takeshi Kitano! Der japanische Superstar hinter Streifen wie „Sonatine“ von 1993, der auch zu einen von Tarantinos Lieblingsfilmen zählt, oder auch eine kleine Rolle in der Realverfilmung von „Ghost in the Shell“ spielte, ist jedoch international untrennbar mit seiner Spielshow „TAKESHI´S CASTLE“ verbunden. Kitano ist als Lehrer und Leiter des Battle Royales simpel gesagt der Hammer. Der Mann ist nicht ohne Grund eine Kultfigur, sowie Battle Royale nicht ohne Grund ein Kultfilm ist.

 

Mein Fazit: 8 von 10 Rucksäcken mit zufälligen Inhalt

Wie eingangs erwähnt ist Battle Royale ein „Must Have“ für jeden Fan des japanischen Kinos. Aber auch Leute, die sich sonst nichts aus Fernost ansehen, können hier getrost zu greifen – und wenn es nur darum geht, dass man sehen will wie die Hunger Games aussehen könnten, wenn kein Milliarden Dollar Konzern im Hintergrund die Fäden zieht und dafür sorgt, dass der Film ab 12 freigegeben wird. Die Handlung ist Spannend und Gesellschaftskritisch, die Action ist dreckig und blutig und mit Takeshi Kitano an Bord kann eigentlich nicht viel schief gehen. Es ist einer der Filme, der schon alleine wegen des Gore und des Unterhaltungsfaktors sehenswert ist, aber auch Tiefgang hat und durch seine Charaktermomente glänzt.