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Jan 02

„BIRD BOX“ (2018) Review

Ähnlich wie letztes Jahr, werde ich heuer wieder als erstes eine hochkarätig besetzte Netflixproduktion als erstes bewerten. Während ich 2018 also mit „Bright“ mit Will Smith startete wird 2019 mit „Bird Box“ mit Sandra Bullock begonnen. Damals war der Film allerhöchstens Mittelmaß – mal sehen ob Netflix seine Winterreleases verbessern konnte. Legen wir mit der Handlung los:

bird-box-2018Der Film wird in zwei Zeitebenen erzählt: Erstmal haben wir das, was im bereits postapokalyptischen Szenario geschieht und zweitens haben wir den Ausbruch des Fiaskos 5 Jahre zuvor. Zu beiden Zeitpunkten ist unsere Hauptfigur die von Bullock gespielte Künstlerin Malorie. Diese ist zu Beginn der Handlung schwanger, jedoch nicht sonderlich begeistert davon. Nichtmal als sie mit ihrer Schwester zusammen bei eine Vorsorgeuntersuchung ist, stellen sich mütterliche Gefühle bei ihr ein. Doch just in diesem Moment bricht das Chaos aus. Überall fangen die Leute an sich selbst umzubringen, nachdem sie einen gesichtslosen Schrecken gesehen haben. Malorie und eine Hand voll anderer Überlebenden müssen sich nun in einer Welt zurechtfinden in der Wesen umherwandeln, die einem bei Blickkontakt zu komplett irren, Selbstmördern verwandeln.

Der Film „Bird Box“ ist zwar oberflächlich ein postapokalyptischer Thriller, aber eigentlich geht es um das Thema der Mutterschaft. Malorie muss im Laufe der Handlung lernen, selbst wenn keine Hoffnung auf eine glückliche Zukunft scheint eine liebende Mutter zu werden und nicht nur eine aufs überleben getrimmte Beschützerin. Ich habe zwar an anderen Stellen gelesen, dass die unsichtbaren Monster ein Sinnbild für unterschwelligen Rassissmus, psychische Erkrankungen oder religiösen Fanatismus sein sollen. Jeder versucht irgend etwas in „Bird Box“ hineininterpretieren. Die einleuchtenste Erklärung die ich gehört habe ist, dass die Monster eine Metapher für Soziale Medien sind, da diese einem auch sobald man hinsieht stark beeinflussen können. Doch um ehrlich zu sein, kann man diese Interpretationen nur auf das erste Viertel des Films anwenden, da er danach in ein einigermaßen gewohntes Schema für Postapokalyptische Filme fällt. Die Gruppe der überlebenden in der einer austickt bzw. jemand infiziert ist und dies verheimlicht haben wir in dutzenden Zombiefilmen gesehen und das komplette Setup wird nicht zu unrecht oft mit Filmen wie „The Quiet Place“ oder „The Happening“ verglichen. Gerade der ebenfalls 2018 erschienene „The Quiet Place“ ist oft der erste der als Vergleich herangezogen wird, da die Parallelen (Kleine Familie in postapokalyptischen Szenario in naher Zukunft wird von Monstern heimgesucht und die Familie muss auf einen Sinn verzichten bzw. ist stark darin eingeschränkt) nicht von der Hand zu weisen sind. Ein direktes Rip-Off kann „Bird Box“ jedoch nicht sein, da er erstens eine Verfilmung eines schon älteren Buches ist und er zweitens schon tief in der Produktion war als „The Quiet Place“ in die Kinos kam. Aber sagen wir uns kurz los von Text und Subtext des Films und dessen eventuelle Inspirationen und betrachten wir „Bird Box“ einfach allein. Der Streifen hat ein paar sehr cool umgesetzte Szenen wie eine blinde Autofahrt und auch als das Chaos ausbricht ist dies sehr nervenaufreibend gefilmt. Doch er tappt in ein paar große Fallen. Da der Film einen schon zu Beginn zeigt worauf er hin arbeitet – also Sandra Bullocks Figur, die mit zwei Kindern einen Fluss zu einer angeblich sicheren Stelle befährt – weiß man immer was weiterhin geschieht. Auch wenn die Handlung langsam die ständigen Episoden der gezeigten Flussfahrt einholt wird dieser eingebaute Spoiler nicht schwächer. Diese Struktur mag die langwierige Odyssee auf den Fluss vielleicht auflockern, aber man weiß ständig worauf der Film hinausläuft. An einigen Stellen verliert der Streifen auch komplett seine Glaubwürdigkeit – z.B. bei einer Stelle an der Bullock und eine andere Frau zufällig zeitgleich entbinden. Was mich zu Sandra Bullock als Hauptrolle führt. Es ist etwas fieses, wenn Schauspielerinnen auf Alter und Aussehen reduziert werden und für Schauspielerinnen in Sandra Bullocks Alter ist es darum auch schwierig große Rollen abzustauben, da Hollywood üblicherweise Filme mit jungen Frauen deutlich bevorzugt. Doch ich finde eine Frau Mitte 50, deren Gesicht von einigen plastischen Eingriffen zeugt, ist nicht die richtige Besetzung für eine Frau, die zuvor planlos durchs Leben schreitet und nun mit ihrer ersten Schwangerschaft und dem Elterndasein konfrontiert wird – zumindest wenn ihr vergleichsweise hohes Alter nirgends adressiert wird. Das ist einfach ähnlich lächerlich wie ein Tom Cruise, der in „The Mummy“ als „junger Mann“ bezeichnet wird oder wenn irgendwelche 30-jährigen Highschool Schüler spielen. Abgesehen davon spielt Bullock ihre Rolle wie gewohnt ausgezeichnet. Auch John Malkovich, BD Wong (Dr. Wu aus Jurassic Park) und der sehr sympathische Trevante Rhodes machen ihren Job toll und geben damit diesen 20 Millionen Dollarfilm ein größeres Blockbusterfeeling. Die dänische Regisseurin und Oscarpreisträgerin Susanne Bier zeigt in kompetenten Bildern und einigen sehr gut gespielten und nervenaufreibenden Szenen eine Endzeitgeschichte, die jedoch nicht ganz überzeugt, da es einfach schon zu viel in diese Richtung gab und der Streifen sich strukturell selbst im Weg steht.

 

 

Mein Fazit: 5,5 von 10 Vögel in der Schachtel, die im Nachhinein betrachtet gar nicht so wichtig waren.

Wie gesagt: „Bird Box“ hat seine guten Seiten und Momente aber er ist an vielen Stellen zu Klischeebeladen, und dämlich um sein eigentliches Potential zu erfüllen. „Bird Box“ ist eben so inszeniert als wolle er ein mords bedeutungstragender Film mit Tiefgang sein, der das Weltuntergangszenario und die ominösen Monster nur als Setup für seine Geschichte über Mutterschaft nutzt. Doch dabei wurde wohl vergessen, dass selbst die kleinsten Zombie- und Monsterfilme mit ähnlichen Metaphern arbeiten und „Bird Box“ so in einer Mittelmäßigkeit versumpft, die dem Streifen seine Relevanz klaut. Der Streifen ist ganz okay aber vom Hocker hat er mich dann auch nicht gerissen – da hätte er doch an einigen Stellen einen Schritt weiter gehen müssen.