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Mrz 07

“BIRDMAN” Review

Der Oscarabräumer 2015 war ja eindeutig Birdman mit Michael Keaton. Bester Film, beste Regie, beste Kamera und bestes Drehbuch! Der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu, der bereits mit Filmen wie 21 Gramm und Babel große Erfolge einfuhr hat sich nun selbst ein Denkmal gesetzt. Aber hält die schwarze Komödie das was die vielen Goldmännchen versprechen? Wie immer gibt’s zuerst eine kleine spoilerfreie Plotzusammenfassung:

birdmanKeaton spielt Riggan Thomson, einen abgehalfterten Schauspieler, der in den frühen Neunziger große Erfolge als Superheld Birdman in den gleichnamigen Filmen feierte. Inzwischen intressiert sich aber wohl kaum noch einer für ihn. Das hört sich natürlich etwas nach Michael Keatons eigener Karriere an, die nach seinen Auftritten als Batman in den Tim Burton-Streifen stark abflaute. Zurück zu Birdman: Um wieder Anerkennung und Ruhm zu ernten möchte Riggan ein Theaterstück am Broadway aufziehen in dem er selbst die Hauptrolle spielt und Regie führt. Er möchte große Theaterkunst schaffen um endlich wieder Anerkennung zu ernten! Es kommt ihn also nicht unbedingt ungelegen, das der von Edward Norton gespielte Kritikerliebling und Vollblutschauspieler Mike Shiner in seinem Stück mitspielen wird. Doch es läuft nicht alles wirklich glatt für Riggan und seine Broadwayvorführung. Es hapert mit seiner Beziehung zu seiner drogenabhängigen Tochter Sam (Emma Stone), er hat die berechtigte Angst, dass ihn Mike die Show stiehlt, die Finanzierung des Stücks steht auf der Kippe und bei den Proben und Vorpremieren kommt es zu vielen Problemen. Ach ja, und da wäre auch noch die Sache, dass Riggan wohl langsam verrückt wird, da er ständig die Stimme seines Alter-Egos Birdman hört, der sein Leben bestimmen will.

Die Kammerspiel-Komödie, die im Laufe des Films immer mehr zum Drama um Riggan und dessen vielerlei Problemen wird hat einige wirklich starke Pluspunkte. Die Schauspielerische Leistung von Keaton, Norton und Stone ist echt der Hammer und bildet eigentlich auch das Zentrum des Films. Es geht viel weniger um den Plot, der an sich stark an Black Swan erinnert (der wiederum stark an die Handlung eines Animes angelegt ist), sondern um die Gelegenheit die volle schauspielerische Bandbreite der Hauptdarsteller zu sehen. Es geht um die Technik des Filmens, was auch durch die flüssige, völlig ohne Schnitt auskommende Kameraarbeit gezeigt wird. Natürlich hat man da mit einigen Computertricks nachgeholfen, doch es sind trotzdem immer extrem lange Takes mit dynamischen Kamerafahrten, die einem die Hektik hinter der Bühne eines Broadwaystücks nahe bringen. Das sind natürlich auch alles klare Oscarköder, die da ausgeworfen wurden. Die Academy steht auf so professionelle Spielereien, wodurch es Goldmännchen nur so hagelte. Wenn es ein wirkliches Problem an dem Film gibt, dann ist es der Soundtrack. Einem Jazz-Schlagzeug-Fan, mag das unmelodische, andaurende getrommel gefallen, doch für mich war es eine wahre Tortur. In gewisser Weise ist das Jazzgetrommel natürlich passend, da es hektisch und nervenaufreibend sind, aber mir war das eindeutig zu viel.

Mein Fazit: 6 von 10 mit Wasser gefüllte Ginflaschen

Birdman ist technisch und schauspielerisch hochklassiges Oscarkino. Die Handlung zieht sich an ein paar stellen, der Soundtrack ist eine Nervenprobe aber für Filmfreunde ist die Kritik am Hollywoodunterhaltungszirkus und der Liebeserklärung an das Theater durchaus sehenswert. Es ist auf jedenfall schön Michael Keaton wieder in einer Hauptrolle zu sehen!

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  1. Top- und Flopfilme 2015 » Degl-Toons

    […] aber es verdient haben auch kurz erwähnt zu werden: Krampus, Ant-Man, Avengers: Age of Ultron, Birdman, Mission Impossible: Rogue […]

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