«

»

Mrz 09

„BLACK PANTHER“ (2018) Review

Disney fährt mit jedem Marvelfilm immense Gewinne ein. Der neueste Streich „Black Panther“ scheint eine ihrer lukrativsten Produktionen zu werden. Aber wieso? Black Panther ist ein relativ unbekannter Superheld und die Trailer für den Film scheinen auch nichts mords originelles zu zeigen. Was macht „Black Panther“ zu einem so finanziellen und auch kulturellen Phänomen? Wie ihr sicher wisst werfen wir zuerst einen kleinen, aber nicht zu viel verratenden Blick auf die Handlung, und nehmen dann den Film genauer unter die Lupe.

black-panther-2018Nach den Ereignissen von „Captain America: Civil War“ findet sich die fiktive afrikanische Nation Wakanda ohne König wieder. Doch die rituelle Krönung von T’Challa, dem rechtmäßige Thronfolger und Teilzeitsuperhelden im kugelsicheren Katzenkostüm steht unmittelbar bevor. Zeitgleich macht sich der aus „Avengers: Age of Ultron“ bekannte Ulysses Klaue zusammen mit dem knallharten Erik Killmonger auf um Vibranium zu stehlen. Allerdings hat Killmonger weitaus größere Pläne als Diebstähle. Doch Vibranium spielt darin eine Rolle, denn dies ist nicht nur das Material aus dem Captain Americas Schild besteht – nein, dieses wertvollste aller Metalle ist auch die Lebensgrundlage für das Land Wakanda. Diese geheimnisvolle Nation hat ihre immensen Ressourcen an Vibranium und die damit verbunden technischen Fortschritte und Wohlstand seit Jahrtausenden vor der restlichen Welt verborgen. T’Challa steht vor der Entscheidung ob er diese Tradition so weiterführen will, oder ob er, herausgefordert von Erik Killmongers Aktivitäten, Wakandas wahre Identität enthüllt.

Dies wird eine schwierig zu schreibende Review. Das habe ich schon befürchtet bevor ich überhaupt ins Kino ging. Denn wie bestimmt zu den meisten von euch vorgedrungen ist, geht es hier um mehr als den Film selbst, sondern auch um die Black-Lives-Matter-Bewegung, die Representation der schwarzen Gesellschaft und um die Identität von Afrikanern und aus Afrika Abstammenden. Black Panther zeigt mit Wakanda ein afrikanisches Utopia, dass nie von Kolonialmächten ausgebeutet wurde und für eine große Masse an schwarzen Zuschauern, deren Vorfahren Opfer dieser Ausbeutung waren und deren Gesellschaft immer noch unter Nachwirkungen dieser leidet ist Black Panther genau der richtige Film zur genau richtigen Zeit. Dies sind alles Dinge, die ich versuchen kann zu verstehen, aber als weißer Europäer wohl nie das volle Ausmaß begreifen werde. Black Panther ist also politisch – manche sagen er sei für einen Superheldenfilm zu politisch – für meinen Geschmack hätte man da noch deutlich politischer werden können. Die Rolle von Wakanda, diese geheime Nation, so futuristisch aber trotzdem stark in afrikanische Kulturen und Traditionen verwoben ist das interessanteste am Film. Wakanda könnte die komplette Weltpolitik umstülpen, wenn sie aus dem Schatten treten würden und das ist auch ein Kernpunkt der Handlung, hätte aber trotz dessen eine deutlich prominentere Rolle im Plot einnehmen dürfen. Für mich war der Staat Wakanda die eigentliche Hauptfigur was auch einfach zum abnehmen war, da, obwohl ich Chadwick Boseman als T’Challa cool finde, seine Figur recht platt wirkt. Die Nebendarstellerinnen um die Titelfigur strahlen dafür zwar umso mehr, doch was mich beim Ansehen hauptsächlich interessierte war wie sich die Aktionen von Bösewicht Killmonger auf Wakanda auswirken würden. Leider war dies ab der zweiten Hälfte des Films sehr vorhersehbar und nicht wirklich originell. Killmonger startet mit nachvollziehbaren Motiven, verfällt aber zusehends in Bösewichtklischees. Und Wakandas Traditonsreichtum sehe ich problematisch in Verbindung damit, dass dieses Land eine so fortschrittliche Gesellschaft darstellen soll. Es ist für die Handlung zwar irgendwie notwendig, aber dass im Kampf auf Leben und Tod entschieden wird wer legitimer Herrscher der Nation ist, ist absolut nicht erstrebenswert. Außerdem hat die Übersetzung des Schlachtrufes „Wakanda Forever“ in „Wakanda über alles“ in der deutschen Synchronfassung einen bitteren Beigeschmack. Andererseits wird hier auch ein schöner Spiegel zu nationalistischen Bewegungen gezeigt. In Wakanda gibt es trotz des Wohlstandes und der angeblichen Überlegenheit auch die Tendenzen, die wohl mit einer Floskels wie „Wakanda First“ genügend erklärt wären. Dieser Konflikt in der Bevölkerung des Landes, welcher stellvertretend durch T’Challa und Killmonger ausgetragen wird, ist der ansprechendste Teil der Handlung und wird leider auf 0815-Superheldenfilmart aufgelöst. Damit will ich aber sagen, dass es die Art von 0815-Superheldenfilm ist, die Marvel in hoher Qualität und mit viel Erfolg produzieren. Im 18ten Film des Marvel Cinematic Universe reicht mir aber die 0815-Auflösung nicht mehr. Vier Jahre früher hätte mich das alles vielleicht mehr vom Hocker gehaun, aber heute hätte ich mir gewünscht, dass „Black Panther“ seinen Sozialkommentar mehr zelebriert und die typische Marvelformel aufbricht.

Mein Fazit: 6,5 von 10 herzförmigen Blumen

„Black Panther“ ist isoliert von seinem Kontext einfach ein weiterer, guter Superheldenfilm, von dem wir schon so unglaublich viele haben. Die Action ist in Ordnung, die Nebencharakere sind sympatisch, der Soundtrack passt wie die Faust aufs Auge und die Bösewichte funktionieren, obwohl man etwas mehr aus ihnen hätte machen können. Was „Black Panther“ jedoch hervorhebt ist eben dieser Kontext, der ihn Relevant macht. Dem steht  wiederum im Weg, dass die Titelfigur langweilig ist, die Gesellschaft Wakandas fragwürdigen Traditionen nachhängt und man, wenn man schon einen auf Sozialkommentar macht gleich voll eine auf die 12 hätte hauen können. Ich glaube der Hype um den Film „Black Panther“ hat seine Berechtigung, aber er ist einfach aus dem Ruder gelaufen. Der Film ist cool, aber er ist nicht „die beste Comicverfilmung aller Zeiten“, oder sogar “der beste Film aller Zeiten”  wie man es derzeit häufig liest.

3 Pings

  1. Aleksandar

    … [Trackback]

    [...] Find More on|Find More|Read More Informations here|There you will find 9837 additional Informations|Informations to that Topic: degl-toons.de/wordpress/black-panther-2018-review/ [...]

  2. Brand Reputation Management Services

    … [Trackback]

    [...] Read More on|Read More|Find More Informations here|There you will find 51830 additional Informations|Informations on that Topic: degl-toons.de/wordpress/black-panther-2018-review/ [...]

  3. “AVENGERS: INFINITY WAR” (2018) Review » Degl-Toons

    […] ihr meine letzten Reviews zu den Marvelfilmen „Black Panther“ und „Thor: Ragnarok“ gelesen habt, dann wisst ihr, dass ich der typischen Marvelformel […]

Kommentare sind deaktiviert.