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Mrz 20

„CAPTAIN MARVEL“ (2019) Review

Wir befinden uns auf dem Endspurt zum großen Finale des unglaublich erfolgreichen Marvel Filmfranchises. Doch bevor das „Endgame“ startet platziert Marvel noch eine Spielfigur auf dem Feld: Carol Danvers aka Captain Marvel. Mehr Zeit möchte ich vor der Handlungszusammenfassung gar nicht verschwenden, denn ich glaube es gibt einiges über den Film zu sagen:

cap-marvelVers ist eine fähige Kriegerin die für das außerirdische Volk der Kree in einem fortwährenden Krieg gegen die gestaltwandelnden Skrull kämpft. Sie ist eine selbstsichere Soldatin, allerdings wird sie geplagt von Träumen aus einer Vergangenheit an die sie sich nicht erinnern kann. Als Zuschauer weiß man natürlich gleich, dass es sich bei Vers eigentlich um die amerikanische Pilotin Carol Danvers handelt, die irgendwie energetische Superkräfte und obendrauf eine Amnesie erhielt. Doch auch Carol setzt langsam das Puzzle ihrer Herkunft zusammen, als es sie bei einer Mission unvorhergesehen auf die Erde im Jahre 1995 verschlägt. Dort trifft sie auch auf einen jungen Nick Fury, den man ja aus den anderen Marvel-Filmen als Leiter der Organisation SHIELD kennt, hier jedoch noch als kleiner Agent unterwegs ist. Gemeinsam sind sie auf der Spur einiger Skrulls, die auf der Erde ihren eigenen Plan verfolgen und jedes Gesicht tragen könnten.

Ich war damals, als angekündigt wurde, dass ein Captain Marvel-Film gedreht wird voller freudiger Erwartungen. Ich mochte die Figur der Carol Danvers sehr – vor allem die von Kelly Sue Deconnick geschriebene Reihe, die 2012 erstmals Carol das Superhelden-Alias „Captain Marvel“ nutzen ließ. Vormals hatte Carol Danvers in den über 50 Jahren seit ihrem Comic-Debut, bereits die Titel Ms. Marvel, Binary und Warbird getragen. In den Comics hat sie ihre Kräfte erhalten, als bei der Explosion einer außerirdischen Maschine ihre DNA mit der des original Captain Marvel, einem Kree-Superhelden, vermischt wurde. Es folgten Jahrzehnte in denen sie ihre Kräfte verlor, andere Kräfte gewann, Allianzen und Kleinkriege mit den Avengers und X-Men führte und sowohl in irdische wie auch intergalaktische Geschichten verstrickt war. Dadurch hatte Carol Danvers Laufbahn bei weitem keinen so beständigen Status Quo wie beispielsweise ein Spider-Man. Dies würde einer Filmadaption einige Hürden in den Weg stellen, da Captain Marvels Backstory verzwickt und verwoben in andere Superheldengeschichten ist, so dass man sie nicht einfach in einem Satz zufriedenstellend erklären könne wie „sie wurde von einer radioaktiven Spinne gebissen“. Zudem war ich auch beunruhigt, da man sich langsam aber sicher an den ganzen Superhelden-Origin-Filmen sattgesehen hat. Das erste gute Anzeichen für den Film war jedoch das Casting. Ich hätte zwar lieber jemand wie Emily Blunt in der Rolle der Carol Danvers gesehen, aber über Brie Larson war ich damals auch echt froh, denn die Schauspielerin hat mir bisher in jedem Film gefallen in dem ich sie gesehen habe. Außerdem kann sie einfach wahnsinnig sympathisch sein und ein sympathischer Held war bisher das Rückrad eines jeden Films des Marvel Filmuniversums. An dieser Stelle muss ich euch dann leider mitteilen, dass „Captain Marvel“ hier etwas schwächelte. Brie Larsons Version von Carol Danvers beginnt bereits aufmüpfig und selbstsicher, jedoch auch etwas stoisch und obwohl man im Laufe des Films mit ihr erlebt wie ihr Leben komplett auf links gedreht wird, ändert sich an dieser Einstellung wenig. Die Wiederentdeckung ihrer Identität, die Entfaltung ihres vollen Potentials und sämtliche Wendungen der Handlung, die nach einem Charakterarc und einer Entwicklung schreien, prallen an der Film-Carol einfach ab. Dies ist schade, denn in einigen Momenten, in denen sie wie eine außerirdische auf der Erde herumstapft und danach wie in einem Buddy-Cop-Film gemeinsam mit dem, durch beeindruckende Computereffekte verjüngten, Samuel L. Jackson ihren eignen Fall aufdeckt, schimmerte diese Sympathie für Carol durch. Doch dann, etwas unkonstant, scheint sie wieder auf Autopilot zu schalten. Gerade bei einer Heldin, deren Fähigkeiten mit denen eines Supermans konkurrieren ist es wichtig, dass sie nicht unnahbar und willkürlich mit ihren Fähigkeiten umgeht, sondern jemand ist, dem man diese Kräfte ohne bedenken zugesteht. Bei Carol Danvers im Film war dies für mich eine schwierige Gradwanderung. Als Carol dann richtig mit voller Power durchstartet wirkt dies aus erzählerischer Sicht nicht ganz verdient. Die Handlung selbst hatte zwar einige interessante Komponenten, insbesondere den Kree-Skrull-Konflikt betreffend, doch letzten Endes war es eben doch der zigste Originfilm den wir gesehen haben und da hilft die 90s-Nostalgie die eingestreut wird nur wenig. Vielleicht könnte man das 90ger Setting auch etwas als Problem sehen, da sich dadurch auch einige dieser typischen Prequel-Krankheiten in den Film einschleichen. Aber genug mit dem Genörgel! Captain Marvel hat einige coole und witzige Momente. Sam Jackson ist stets gern gesehen und die Skrulls sind in dem Film wesentlich unterhaltsamer als gedacht. Die Show stiehlt jedoch die Katze Goose, von der Comicleser wohl schon wissen was sie zu erwarten haben.

 

Mein Fazit: 5,5 von 10 Fonzy-Lunchboxen

„Captain Marvel“ reiht sich für mich leider im hinteren Feld der Marvelfilme ein, irgendwo bei „Doctor Strange“ und „Iron Man 3“. Durch die Standard-Marvel-Qualitätsformel kann man hier zwar bei weitem nicht von einem schlechten Film sprechen, aber ich hätte mir von Carol Danvers ersten Leinwandauftritt mehr erhofft als einen Lückenfüllerfilm um die Wartezeit auf „Avengers: Endgame zu überbrücken. Vielleicht sollte man bei einer eventuellen Fortsetzung direkt der grandiosen Comicautorin Kelly Sue Deconnick das Drehbuch schreiben lassen, anstelle ihr nur einen kleinen Cameoauftritt im Film zu geben.

 

cap-marvel-comicEtwas was ich aus meiner Review bewusst heraus gehalten habe, war die inzwischen übliche Internetkontroverse, wenn ein großer Blockbusterfilm mit einer weiblichen Hauptrolle aufschlägt. Dies endet meist in einer digitalen Schlammschlacht politischer Ideologien in dem die verschiedenen an der Debatte beteiligten Lager Erfolg oder Misserfolg eines Filmes instrumentalisieren wollen. Filmstudios fangen an „toxische“ Fans für Flops zu beschuldigen und engstirnige Kinogänger beschweren sich lauthals, dass ihnen irgendwelche Agendas aufgezwungen werden. Dazu möchte ich mein kleines Statement abgeben, dass ich stets für mehr Diversität in den Medien bin. Allerdings empfinde ich, dass diese Diversität oft als Gimmick genutzt wird auf dem man sich dann ausruht. Und noch schlimmer ist es, wenn man die als Gimmick genutzte Diversität dann als Schild für Kritik benutzt. Der Film „Captain Marvel“ war leider nicht so cool wie ich es mir als Fan der Figur erhofft hatte. Und auch die „Girl-Power-Momente“, die sich ohne Frage in einen Captain Marvel Film gehören fand ich etwas plump gehandhabt. Allerdings wäre ich kein Fan der Figur wenn ich ein Problem damit hätte, das Captain Marvel eine Frau ist und eben für Girlpower steht. Ich hoffe ich werde in „Avengers: Endgame“ wärmer mit der Filmversion von Carol Danvers.