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Jun 21

„DAS GRAB DER BLUTIGEN MUMIE“ (1971) Review

Wir haben die Original Mumie von 1932 angesehen, haben Hammer Films Reboot von 1959 betrachtet und nun sind wir beim dritten Teil meiner Mumien-Zeitreise! Als für die aktuelle Verfilmung des Stoffes bekannt gegeben wurde, dass Sofia Boutella die Titelgebende Mumie spielen wird, wurde hier und da erwähnt, dass es bereits in den 70ern eine weibliche Mumie gab. Und wie es der Zufall so will, habe ich genau diesen Streifen „Blood from the Mummy’s Tomb“, oder „Das Grab der blutigen Mumie“, wie er hierzulande heißt, bei mir zu Hause als Teil meiner Hammer Horror Box! Es ist also erneut Hammer-Time! Um was geht es in dem Streifen von 71?

das-grab-der-blutigen-mumie-2Eine Gruppe Archäologen stoßen bei ihren Grabungen auf die Grabstätte der Gottkönigin Tera und somit auf ihren perfekt erhaltenen Leichnam, der abgesehen von einer abgetrennten Hand so aussieht als würde die Jahrtausende alte, wunderschöne Frau nur schlafen. Jeder der Forscher krallt sich eine der Grabbeigaben und der Leiter der Expedition, Prof. Fuchs richtet extra ein Gewölbe im heimischen England her um dort die Mumie aufzubahren. Die Forscher ahnen jedoch, dass irgendetwas so gar nicht mit diesen Grab stimmt und beschließen die Geschichte geheim zu halten. Zwanzig Jahre nach dieser erstaunlichen Entdeckung rächt sich dieser sorg- und respektlose Umgang mit Teras Totenruhe. Prof. Fuchs Tochter Margaret, die just zu der Zeit das Licht der Welt erblickte, als Fuchs auf seiner Expedition war, ist zur jungen Dame herangereift und ähnelt der ägyptischen Schönheit Tera aufs Haar. Und nicht nur das, Alpträume vom antiken Ägypten plagen Margaret – es scheint fast so, als versuche der Geist der Königin Tera von ihr Besitz zu ergreifen.

Als ich diesen Streifen in den DVD-Player warf hatte ich ehrlich gesagt keine großen Erwartungen. Die Qualität der Hammer-Filme nahm in den Siebzigern leider spürbar ab und – abgesehen von einigen Perlen – war bei den meisten Produktionen irgendwie die Luft raus. „Blood from the Mummy’s Tomb“ hat mich allerdings positiv überrascht. Der Film basiert relativ lose auf den Roman „The Jewel of seven Stars“ von Bram „Ich habe nicht NUR Dracula geschrieben“ Stoker. Drehbuchautor Christopher Wicking verwandelte das Material in die typische Hammer-Kost, die mit dem äußert schmalen Budget von 200.000 britischen Pfund produzierbar ist. Außerdem war er mit dem Titel nicht ganz zufrieden – schließlich hört sich „The Jewel of seven Stars“ nicht unbedingt nach einen Mumienhorrorstreifen an. Also schrieb er alle möglichen Wörter auf, die er irgendwie mit der Thematik assoziierte und formte daraus den Titel „Blood from the Mummy’s Tomb“. Man kann nicht über diesen Film schreiben ohne die verführerische Valerie Leon zu erwähnen, die die Hauptrolle Margaret Fuchs sowie die Mumie Tera spielte. Es ist kein Geheimnis, das Hammer auf Blut und Sex setzte um ihre Filme an den Mann zubringen. Oftmals waren die Playboymodels, die vor allem in den Siebzigern in den Hammerfilmen auftauchten, nicht die besten Schauspielerinnen. Valerie Leon ist auch keine Oscarkandidatin, aber für diesen Lowbudgethorrorfilm genügt ihr Talent vollkommen – auch wenn sie vielleicht mal die Luft hätte anhalten können, wenn sie die eigentlich Tote Tera spielt. Als Margaret wirkt sie verletzlich und etwas unschuldig und als Tera gefährlich betörend und das kann die Dame. Und obwohl Leon mit ihren Sexappeal den Film sehr für sich vereinnahmt wird ihr immer wieder die Show von James Villiers gestohlen, der hier so grandios und over the top böse ist, dass es eine wahre Freude ist ihm zuzusehen! Was den Film noch von den einen oder anderen Horrorfilm dieser Zeit abhebt, ist die Regie von Seth Holt, der unter anderem für Filme wie „War es wirklich Mord?“ und „Ein toter spielt Klavier“ bekannt ist. Holt erzählt den Film in sehr dynamischen Bildern und obwohl das auch nicht über das kleine Budget hinwegtäuschen kann, merkt man, dass der Streifen deutlich ambitionierter ist als man es bei diesen Titel vermuten würde. Traurig ist, dass der stark alkoholabhängige Seth Holt eine Woche vor Abschluss der Dreharbeiten an einem Herzinfarkt verstarb. Produzent Michael Carreras übernahm kurzfristig das Ruder um die letzten Szenen in den Kasten zu bringen. Die Rolle des Prof. Fuchs hätte ursprünglich Peter Cushing übernehmen sollen. Dieser hatte sogar schon ein paar Szenen gedreht, als er den Anruf bekam, dass seine Frau schwer krank ist. Darauf hin stieg er aus und wurde von Andrew Keir ersetzt. Keir hat seinen Job natürlich sehr gut gemacht, aber er ist eben kein Peter Cushing. Es scheint fast so, als wäre der Film zumindest ein bisschen verflucht gewesen.

Mein Fazit: 6,5 von 10 Plastikkobras

„Das Grab der blutigen Mumie“ ist bestimmt kein Film, der ins große Buch der besten Horrorfilm eingehen wird. Allerdings ist er unterhaltsam, hat eine tolle Atmosphäre, eine verführerische Hauptdarstellerin und ein recht cooles Ende – und das ist mehr als ich von vielen anderen Horrorstreifen sagen kann. Wer sich nicht windet wenn man einen Film mit „britischen-siebziger-Jahre-Low-Budget-Horror“ beschreibt, sollte diesen Streifen zumindest eine Chance geben.

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  1. „DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK“ Review » Degl-Toons

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