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Aug 30

“DEATH NOTE” (2017) Review

Nach “Ghost in the Shell” im Frühjahr wird uns nun die zweite amerikanische Realfilmadaption eines japanischen Animemeisterwerks präsentiert. “Death Note” ist seit 25.08.17 auf Netflix verfügbar. Wie bei Ghost in the Shell  wurde diese Produktion ebenfalls von einer “Whitewashing”-Kontroverse überschattet. Viele Fans des Animes und Mangas, wie ich zum Beispiel, hatten ein ganz mieses Gefühl was das amerikanische Spielfilmremake angeht – vor allem weil wir Death Note Fans sehr leidenschaftliche Anhänger der Serie sind. Ich habe damals die Mangas immer am ersten Erscheinungstag gelesen und die fantastische Animeserie verfolgte ich auch. Tatsächlich existiert bereits eine einemehrteilige japanische Realfilmfassung des Stoffes, die teilweise recht okay war, aber nicht mit Manga und Anime mithalten konnte. Sehen wir mal ob es die Amerikaner besser machen! Auf zur Handlungszusammenfassung:

death-note-reviewLight Turner ist ein überaus intelligenter Highschoolschüler, der genug von der Ungerechtigkeit der Welt hat. Rüpel und Verbrecher kommen davon, während rechtschaffene wie er den Kopf hinhalten müssen. Sein Leben ändert sich rapide, als ein altes, in Leder gebundenes Buch mit dem Titel „Death Note“ wie aus dem nichts vom Himmel fällt. Kurz nachdem er diesen ungewöhnlichen Fund macht, taucht auch ein dämonisches Wesen namens Ryuk auf und ermutigt Light Namen in das Buch zu schreiben. Sobald man nämlich den Namen einer Person in das Buch schreibt, stirbt diese. Angetrieben von Ryuk und seiner Freundin Mia fasst Light den Beschluss die Welt zu ändern und einem nach dem anderen alle Schwerverbrecher zu töten. Dies bringt jedoch das FBI auf den Plan, dass schnell erkennt, dass alle diese toten Verbrecher von der selben unheimlichen, als „Kira“ bekannten Macht dahingerafft werden. Da die normalen Behörden mit dem Fall überfordert sind, schaltet sich der geheimnisvolle Superdetektiv „L“ ein um Light alias „Kira“ das Handwerk zu legen.

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So kann der Schreibtisch aussehen, wenn man “Death Note”- UND Katzenfan ist

Regisseur Adam Wingard machte in letzter Zeit vor allem wegen seiner Horrorfilme wie “The Guest” oder “Blair Witch” Schlagzeilen. Seiner Verfilmung von Death Note schafft er es ein äußerst stylisches Gewand zu verpassen. Kameraarbeit, die Farben und Stimmungen sehen ausgesprochen cool aus und der Soundtrack, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, ergänzt den optischen Look des Films. Ein Highlight is der von Willem Dafoe gespielte Todesgott Ryuk, der sehr gelungen aussieht. Das kann man dem Streifen schon mal nicht nehmen. Das Problem, das ich mit dem Film habe ist, dass ich, wie oben erwähnt, großer Fan des Animes bin und darum gewisse Erwartungshaltungen an den Film hatte, die er schlicht und einfach nicht erfüllt. Bei der Adaption wurden nämlich einige essenzielle Aspekte geändert, vermutlich um das amerikanische Mainstreampublikum besser anzusprechen. Bestes Beispiel ist hier die Hauptfigur Light. Der Light der Animevorlage ist ein eiskalter Psychopath, ein egomanisches Supergenie mit zwei Gesichtern. Er sieht gut aus, ist erfolgreich und beliebt, aber unter seiner Fassade ist er ein kaltes Monster. Light im Remake fällt eher in das klischeehafte Schema des Außenseiterteenies, der vom Footballquaterback eine eingeschenkt bekommt und das Cheerleadermädchen mit seinem magischen Buch beeindrucken möchte. Anime-Light nutzt seine Beliebtheit aus und dated Mädchen als Deckung oder um einen perfiden Plan durchzuführen. Remake-Light wird von seiner Freundin Mia und dem Todesgott Ryuk angestiftet Leute umzubringen. Tatsächlich baut die Kreation seiner „Kira“-Persönlichkeit hauptsächlich auf seiner Beziehung zu Mia auf, die mit dem Death Note immer mehr und mehr Leute umbringen will, während es Light langsam zu viel wird und er sein Tun hinterfragt. Dies ist etwas, das Anime-Light nie tun würde. Er ist schließlich der Retter der Welt und wird sich als deren Gott erheben. Im Prinzip ist er wie eine moderne, etwas übernatürliche Variante von Moriarty und „L“ ist der dazu passende Sherlock Holmes. Es ist die Faszination trotz aller moralischen Konflikte für den diabolischen Light zu fiebern und das, immer spannende, Katz-und-Maus-Spiel zwischen L und Kira, dass das Original so stark macht. Der Stoff wurde für das Remake jedoch zu sehr verwässert und im Zuge dessen kamen diese Elemente eben zu kurz. Ein Death Note Film braucht keine tragische Liebesgeschichte und einen Prom-Dance wie es in gefühlt jeder Jugendbuchverfilmung vorkommt, auch eine Verfolgungsjagd als eine Schlüsselszenen ist in einer Death Note Verfilmung meiner Meinung nach unangebracht. In den letzten Atemzügen des Films kommt zwar etwas Death Note Feeling auf, aber das einfach zu spät und zu wenig. Als letztes will ich noch die Casting-Kontroverse ansprechen, die die Produktion von Netflix‘ Death Note begleitete. Viele Stimmen im Internet wurden immer lauter, dass die Repräsentation von Menschen mit asiatischer Abstammung in den US-Medien sehr unzureichend ist. Bereits im Vorfeld wurden die Marvelporduktionen „Doktor Strange“ und „Iron Fist“, sowie das bereits erwähnte „Ghost in the Shell“ Remake aus ähnlichen Gründen kritisiert. Ich verstehe, dass bei einer amerikanischen Adaption von Death Note die Handlung in die USA verlegt wird und dass dort dann zwangsweise die meisten Figuren nicht asiatischer Herkunft sind. Nat Wolffs Performance als Light war sowieso etwas schwachbrüstig, da hätte ein anderer Schauspieler vielleicht mehr aus der Rolle holen können. Andererseits, würde diese Interpretation, mit einem asiatisch stämmigen Schauspieler wohl wie der stereotypische asiatische Streber aussehen, was auch nicht schön gewesen wäre. Keith Stanfield als L ist eine der stärksten Schauspielleistungen im Film, trotzdem glaube ich, dass es sehr cool gewesen wäre den Fanfavoriten L auch in dieser Inkarnation als Japaner auftreten zu lassen.

Mein Fazit: 3,5 von 10 Todeslisten mit Themaverfehlung

Ich glaube wer noch nicht in den Genuss des Animes oder Mangas gekommen ist, wird den Netflixfilm „Death Note“ als gut befinden. Jeder, der jedoch schon zuvor mit Light, L und den Shinigamis befasste wird vermutlich enttäuscht sein, da das Remake nicht mit dem genialen Original mithalten kann. Ich kann sowohl die Serie als auch den Manga nur wärmstens empfehlen, auch denen, die eigentlich nichts mit diesen japanischen Kram am Hut haben. Tatsächlich bin ich, bereits vor Jahren mal einem Arbeitskollegen mit meinem ständigen Geschwätz über Animes und japanischen Filmen auf den Keks gegangen. Er hatte kein Interesse sich mit dem Kram zu befassen und ich wollte eben nicht zulassen, dass ihm die große fantastische Welt der Animes entgeht. Mein Deal mit ihm war also folgender: Er sollte den ersten Band von Death Note lesen, und wenn ihn das kalt lässt, werde ich ihn nie wieder mit Mangas und Animes auf die Nerven gehen. Einen Tag später stand er bei mir in der Tür und wollte Band zwei haben. Zum Schluss hat er die Bücher und Serie schneller verschlungen als ich. Death Note ist eben tatsächlich so gut und auch für unsere westlichen Seh- und Lesegewohnheiten zugänglich. Darum ist es um so trauriger, dass das amerikanische Remake diese Magie nicht inne hat und allerhöchstens als „okay“ durchgeht. Hier ist ein kleiner Vorgeschmack, auf den Anime:

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  1. “THE BABYSITTER” (2017) Review » Degl-Toons

    […] produzierten Horrorkomödie die seit 3. Oktober 2017 auf dem Streamingdienst angeboten wird. „Death Note“, der letzte Netflix-Film den ich mir ansah hatte ein paar sehr schwere Probleme, also schauen […]

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