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Mai 19

Der Godzilla Einsteigerkurs

Wie ich schon in meiner Review zu Godzilla 2014 geschrieben habe, bin ich schon seit Kindertagen Fan des Riesenlurchs und kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich mit Godzilla, Mothra und Co. gut auskenne! Da durch den aktuellen Kinofilm das Interesse der breiten Masse für den König der Monster wieder aufgeflammt ist, geb ich euch hier einen kleinen Grundkurs in Sachen Godzilla, verbunden mit diversen Filmtipps, damit ihr dann vor euren Freunden angeben könnt wie sehr ihr euch mit japanischen Gummimonster auskennt und vielleicht so in der Clique der coolen Kids auf dem Pausenhof aufgenommen werdet!
Man kann die Godzillareihe recht deutlich einteilen: Es gibt das Original von 1954, dann die direkten Fortsetzungen der sogenannten Showa-Reihe, die bis mitte der 70er insgesamt 14 Filme hervorbrachte. Darauf folgte 1984 ein Reboot des Franchises, auf das die 7 Fortsetzungen der Heisei-Reihe folgten. 1999 erschien der amerikanische Godzillafilm von Roland Emmerich, der zwar ein garnicht so übler Monsterfilm war, aber nichts mit Godzilla zu tun hatte. Daraufhin übernahmen die Japaner wieder und machten die sehr losen Filme der Millenium Reihe, die 6 Filme umspannte und 2004 mit dem Streifen “Final Wars” endete.

 

 

GODZILLAs Ursprung
In den frühen 50ern stand es schlecht um das japanische Traditionsfilmstudio Toho. Es musste ein Film her, der günstig in der Produktion ist, aber viel Geld einspielt. Da entdeckten sie einen amerikanischen Film namens “The Beast from 20.000 Fathoms” (in Deutschland “Dinosaurier in New York” oder “Panik in New York”). Dieser Streifen von Stop-Motion-Mastermind Ray Harryhausen zeigte einen Dinosaurier, der durch Atombombentest geweckt wurde und daraufhin nach New York schwimmt und dort für Schrecken sorgt. Die Leute von Toho hatten vor etwas Ähnliches zu machen und betrugen den Regiesseur Ishiro Honda mit der Aufgabe. Schnell wurde klar, dass das aufwendige Stop-Motion-Verfahren zu teuer für den geplanten Film werden würde. Darum wurde mit einem Gummianzug und Modellstädten der heute bekannte Godzillalook erzeugt. Der Name von Monster und Film solte “GOJIRA” lauten, eine Kombination aus den japanischen worten für Gorilla und Wal. Für den Rest der Welt wurde das Monster “Godzilla” genannt. Der markerschütternde Schrei von Godzilla, einer der wohl bekanntesten und effektivsten Filmsoundeffekte wurde erzeugt in dem man mit einem Lederhandschuh über die Saiten eines Kontrabasses strich. Der erste Godzillafilm hat wieder erwarten der meisten Leute eine  sehr ernsten und düsteren Anstrich. Der Streifen wurde stark geprägt von mehreren Katastrophen. Zum einen natürlich das Kriegstrauma, dass durch die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki hervorgerufen wurde, aber auch der große Brand von Tokyo, sowie die schwere Verstrahlung des Fischkutters glücklicher Drache V hatten einen großen Einfluss auf den Film, was ihn zu mehr macht als die vielen anderen Monsterfilme der 50er. Auf Grund der Dramatik und der Presänz der atomaren Angst verzeiht man dem Film, wenn man hier und da mal einen Draht sieht, mit dem Godzillas Schwanz bewegt wird, oder wenn einmal ein Modell eindeutig als Spielzeug zu erkennen ist. Auch wenn es sich aus heutiger Sicht komisch anhört, so hatte der Original Godzilla einen seriösen und realistischen Ton.

 

 

Die Showa-Ära
Godzilla war ein phänomenaler Überraschungserfolg und löste eine wahre Welle von Riesenmonsterfilmen aus! Neben einer Fortsetzung von Gojira, (“Die Rückkehr des Godzilla”) in dem er gegen ein anderes Monster namens Angirus kämpft, produzierte Toho noch mehr Monsterfilme! “Mothra bedroht die Welt” und “Rodan – Die fliegenden Monster von Osaka” etablierten in ihren eigenen Filmen neue Ungeheuer. Und nachdem sich im dritten Godzillafilm “Die Rückkehr des King Kong” Godzilla und King Kong gegenseitig verprügelten, machte Toho etwas, was seit dem nur noch den Marvelstudios gelungen ist: Sie erschufen ein gemeinsames Universum! In Teil 4 der Godzillareihe “Godzilla und die Urweltraupen” trifft Papa Lurch auf das Tohomonster Mothra! Und in Teil 5 „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ verbünden sich Godzilla, Rodan und Mothra um gegen den dreiköpfigen Drachen Ghidorah anzukommen! Man könnte sagen, dass das der “Avengers” unter den Riesenmonsterfilmen ist! Doch leider geht den Filmen die Ernsthaftigkeit des Erstlings ab. Die Filme werden immer bunter, kitschiger und kinderfreundlicher. Nach dem 4ten Film ist aus Godzilla dem Zerstörer ein Beschützer der Welt geworden, der immer wieder auch mit Unterstützung anderer Monster wie Angirus oder Rodan gegen böse Monster kämpft, die meistens von Ausserirdischen geschickt werden. Die Filme wurden zu B-Movie-Trash für Kinder. Viele der Filme aus den 60ern und 70ern sind totaler Schrott und haben Godzillas Ruf demontiert – was auch für die deutschen Titel gilt, in denen ständig von Frankenstein und King Kong die Rede ist, obwohl diese (Mit ausnahme von „Die Rückkehr des King Kong“) kein einziger Film etwas zu tun hat. Trotzdem befinden sich einige Perlen in den Fortsetzungen der Showareihe, die eben mehr durch ihren Trashcharme glänzen und wegen ihrer zerstörungswütigen Kämpfe sehenswert sind.

 

 

Die Heisei-Ära
Für das 30-jährige Jubiläum des Originalfilms wollte man Godzilla wiederbeleben. Man wollte aber den kitschigen Trash abschütteln und darum ignorierte der Film von 1984 alle Fortsetzungen der Showa-Reihe und sieht sich als direktes Sequel des ersten Godzillafilms von 54. Die Heisei-Reihe war deutlich ernster und Godzilla war wieder ein bösartiges Monster. Die 7 Filme die bis 1995 ins Kino kamen hatten eine zusammenhängende Geschichte und auch erstmals menschliche Figuren, die über mehrere Filme auftauchten. Ich glaube, ich spreche für alle Kaijufans, dass die Heisei-Reihe der Magnum Opus in der Geschichte des Königs der Monster ist. Abgesehen von der einen oder anderen Schwäche bilden die Streifen die größte konzentration guter Filme! Es gab nicht nur ein wiedersehen mit altbekannten Monstern, sondern auch einige innovative neue Unholde! Godzilla darf komplett bad ass sein und die Effekte waren auch herrlicht – also was Gummi-Anzüge und Modellstädte angeht! Im Finale, dem grandiosen „Godzilla vs Destoroyah“ stirbt Gojira letztendlich einen der (zumindest für mich) traurigsten Filmtode. Toho hat es nun den Amerikanern überlassen einen eigenen Godzillafilm zu drehen.

 

 

Roland Emmerichs Godzilla
Hollywoods Pläne einen eigenen Godzillafilm zu drehen gehen zurück bis in die frühen 90er. Angeheitzt vom Erfolg von Steven Spielbergs „Jurassic Park“ wollte man auf der Dino-Trendwelle mitreiten und der große Grüne bot sich dafür gut an. Und obwohl es bereits ein Drehbuch gab, in dem Godzilla in New York gegen ein geflügeltes Ungeheuer namens Gryphon kämpfen sollte und Stan Winston, der Mann hinter den Dinoeffekten in Jurassic Park schon Entwürfe und Modelle für Godzillas neues Design angefertigt hatte, kam die Produktion nicht voran. Schließlich übernahm Roland Emmerich das Projekt unter der Bedingung, dass er den Film so machen darf wie er will. Seinen Effektleuten sagte Emmerich, dass sein Godzilla vorallem eins sein sollte: Schnell! Der Godzillafilm, den wohl die meisten Leute bisher gesehen haben, kann man eigentlich kaum als Godzillafilm bezeichnen. Gut, er hatte ein riesiges Echsenmonster, aber das waren schon die einzigen Gemeinsamkeiten mit dem König der Monster. Was nicht heißen soll, dass der Film schlecht wäre, er ist einfach kein Godzilla.

 

 

Die Millenium-Ära
Es ist kein Geheimnis, dass Toho nicht zufrieden war mit dem was die Amerikaner mit ihrer Ikone angestellt haben. Also wurden in Japan wieder alle Zeichen frei gegeben um neue Filme mit dem Oberlurch zu machen. Doch diesesmal entstand eine wesentlich kaotischere Reihe als die beiden anderen. Fast jeder der 6 Filme die zwischen 1999 und 2004 gedreht wurden sieht sich selbst als direkte Fortsetzung des Originalfilms. Abgesehen von den beiden Mechagodzillafilmen ist die komplette Staffel zusammenhangslos! Aber auch die Millenium-Reihe brachte Höhepunkte hervor! Zum einen „Godzilla, Mothra and King Ghidorrah: Giant Monsters All Out Attack“ und der an die trashigen Streifen der Showa-Ära erinnernde „Godzilla: Final Wars“. Letzterer kam 2004 zum 50 jährigen Jubiläum herraus und markierte ein vorläufiges Ende des Franchises. Toho verkündete den Giganten für mindestens 10 Jahre ruhen zu lassen.

 

Wobei wir dann im Jahre 2014 und bei dem aktuellen 2ten Versuch der Amerikaner sind, ihr eigenes Godzillafranchise zu starten. Regiesseur Gareth Edwards hat es zwar geschafft einen „echten“ Godzillafilm zu drehen, aber dieser ist mit so einigen Problemen behaftet, die ihr in meiner Review genauer nachlesen könnt. Nichts desto trotz wird uns der neue amerikanische Godzilla wohl erstmal erhalten bleiben, da bereits jetzt ein zweiter Teil bestätig wurde! Es bleibt nur das beste für Gojira zu hoffen. Und auch für mich! Ich meine, wenn diese neue Reihe von den Godzillafans wie mir, sowie von der Mainstreamaudience positiv aufgenommen wird, werde ich vielleicht nichtmehr angesehen wie ein Idiot, wenn ich davon erzähle wie cool ich Godzilla finde.

 

 

Godzilla ist ein Kulturphänomen, dass sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt hat. Jeder kennt den Gummidrachen, auch wenn er noch nie einen Film mit diesen gesehen hat. Und so könnte man Godzilla auf die gleiche Stufe wie Dracula, Frankenstein, Tarzan und natürlich King Kong stellen. Diese Figuren sind Zeitlos und werden noch lange in unserer Gesellschaft bleiben. Es sollte also keine Schande sein sich mit einem solchen Giganten der Literatur oder Leinwand zu beschäftigen.

Zuletzt möchte ich euch nun meinen Godzilla-Filmguide für Neulinge geben. Ich sage euch welchen Filmen ihr eine Chance geben solltet um eventuell mit dem Gummigiganten warm zu werden:
Zu allererst wäre da natürlich das Original „Godzilla“ von 1954 in der japanischen Langfassung. Dieser gehört ebenso wie King Kong oder Dracula zu den Kinoklassikern, die man einfach einmal gesehen haben sollte.
Wenn man sich Gojira richtig vornehmen will, empfehle ich für den Otto-Normalverbraucher die komplette Showa-Reihe, abgesehen vom Original zu überspringen und sich die Heisei-Serie anzusehen, die aus „Godzilla: Die Rückkehr des Monsters“, „Godzilla der Urgigant“, „Godzilla – Duell der Megasaurier“, „Godzilla – Kampf der Sauriermutanten“, Godzilla gegen MechaGodzilla II“, „Godzilla gegen SpaceGodzilla“ und schließlich „Godzilla gegen Destoroyah“. Wer es nicht gleich mit einer ganzen Reihe von Filmen aufnehmen will, kann auch zum Einzelfilm „Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All Out Attack“ greifen. Wenn man mit diesen Filmen nichts anfangen kann, kann man sich vermutlich das komplette Kaiju-Eiga-Genre schenken. Allerdings geschmack an dem Genre des japanischen Riesenmonsterfilms findet sollte noch bei folgenden Perlen zugreifen: Aus der Showa-Reihe: „Die Rückkehr des King Kong“, „Godzilla und die Urweltraupen“, „Frankenstein und die Monster aus dem All“, „King Kong gegen Godzilla“ und „Die Brut des Teufels: Konga, Godzilla, King Kong“. Aus der Millenium-Reihe ist „Godzilla Final Wars“ auf jedenfall noch ein sehenswertes Spektakel! Wenn ihr dann immernoch nicht genug Monsteraction habt, rate ich euch zur Gameratrilogie von Shusuke Kaneko zu greifen und den Erstlingen von Rodan und Mothra.

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  1. “GODZILLA” (1954) Review » Degl-Toons

    […] Godzillafilme der frühen Siebziger vorbeigezappt und sich auf Grund dessen eine Meinung über die komplette Reihe gebildet. Billiger kunterbunter japano-kitsch für Kinder. Ich würde lügen, wenn ich behaupten […]

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