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Mai 31

“DIE FARBE AUS DEM ALL” (2020) Review

Einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre war „MANDY“, ein blutiger Neonalptraum mit einem herrlich verrückten Nicolas Cage. Darum war ich wirklich heiß darauf als ich erfuhr das Nic Cage als nächstes in einer ebenso farbenfrohen Adaption der H.P. Lovecraft Geschichte „Die Farbe aus dem All“ die Hauptrolle spielen würde. Vor kurzem fand ein Livestream statt, in dem man den Film kostenfrei anschauen konnte, also kam ich nun dazu Cage in außerirdischen Purpur zu sehen. Hier ein kleiner Blick darauf, um was es darin geht:

die-farbe-aus-dem-all-2020Die Familie Gardner lebt seit nicht all zu langer Zeit auf dem Land. Während sich Mutter Theresa damit abmüht aus dem Homeoffice zu arbeiten, versucht sich ihr Gatte Nathan als Alpakafarmer. Ihre drei Kinder kommen unterschiedlich mit dem Landleben zurecht – Teenagertochter Lavinia, die sich mit Wicca-Magie und ähnlichen beschäftigt scheint zwar die Nähe zur Natur zu schätzen, ist aber von der Abgeschiedenheit frustriert. Der Alltag der Familie ändert sich allerdings radikal als draußen ein nicht zu beschreibendes (lila-) Licht aus dem Himmel erscheint und ein kleiner Meteorit direkt in ihren Garten einschlägt. Binnen kürzester Zeit erkennt der anwesende Hydrologe Ward Phillips, dass das Grundwasser von irgendetwas kontaminiert zu sein scheint. Doch es ist zu spät, denn das magentafarbenes Leuchten, dass der Meteorit mit sich brachte zerfrisst und deformiert jegliches Leben im Umkreis.

Es gibt nicht viele Filmproduzenten die ich im Auge behalte, aber einer davon ist definitv Elijah Wood. Der Frodo-Darsteller ist nun eine treibende Kraft um außergewöhnliche Horrorfilme zu finanzieren, weshalb ich seine Projekte mit hohem Interesse verfolge. Auch Mandy wurde von ihm mitproduziert. Für „Die Farbe aus dem All“ saß Richard Stanley auf dem Regiestuhl. Der Südafrikaner mit Cowboyhut, der sich gegen die Apartheid in seinem Geburtsland einsetzte, hat in den frühen Neunzigern ein paar kleine Horrorfilme gedreht, scheint aber jetzt sein Comeback zu feiern. Und das mit Bravur! Verstörende und surreale Szenen reihen sich gemeinsam mit einer ordentlichen Prise Bodyhorror in den Film ein. Auch wenn Nic Cage als Familienvater Nathan nicht die alleinige Hauptrolle hat, ist es wie immer schön zuzusehen, wie er in den Wahnsinn abdriftet – was für diesen Film mehr als passend ist. Narratives Zentrum des Films sind eher Tochter Lavinia, gespielt von Madeleine Arhur und der junge Hydrologe Ward Phillips, gespielt von Elliot Knight, die beide auch in ihren jeweiligen Rollen überzeugen. Es war auch sehr toll die Kultfilmlegende Tommy Chong in einer kleinen Nebenrolle als Hippie-Landbesetzer zu sehen. Die Horrorelemente in dem Film sind sehr Fasettenreich und decken alles von computeranimierten, wie auch animatronischen Monstrositäten, Bessenheit, poltergeistartigen Erscheinungen, psychologischer Horror und blutigen Gore ab. Ich glaub jeder, der auf Horrorfilme stehen wird zumindest die eine oder andere Szene finden, die genau ihm zusagt. Der einzige richtige Kritikpunkt, den ich bei „Die Farbe aus dem All“ habe ist, dass der Streifen sich etwas mehr Zeit hätte nehmen können. Sobald der Weltraumklumpen auf die Erde fällt eskaliert der Wahnsinn relativ schnell. Wenn Ward feststellt dass das Grundwasser kontaminiert ist, wirkt es fast schon so als wäre das Wasser vergiftet gewesen bevor der Meteorit überhaupt einschlug. Generell wäre in einigen Momenten im Film weniger mehr gewesen. Der Gruselfaktor von Lovecraftgeschichten basiert ja oft darauf, dass man nicht genau weiß was geschieht, da der Erzähler den Schrecken kaum in Worte fassen kann, doch hier wird zumeist mit der Kamera direkt auf die Abscheulichkeiten gehalten. Diese grotesken Momente haben zwar auch ihre Fasziniation, aber wie gesagt – ein etwas langsameres Entfalten und Offenbaren wäre mir persönlich lieber gewesen. Dennoch ein toller Streifen, der mich positiv an Streifen wie „John Carpenter’s Das Ding“, „Poltergeist“ und „Auslöschung“ erinnert und den ich wohl zu meinen Lieblingsstreifen der letzten Jahre zählen würde.

daumen-hoch-doppelMein Fazit: Zwei lila Daumen hoch!

Ein alptraumhaftes, außerirdisches Farbspiel in dem Nic Cage in monströsen Magenta ausrastet und eine tolle Rückkehr zu den eher ambitionierten Horrorstreifen der 80er. Ein langsameres Erzähltempo würde zwar besser zur Vorlage von Lovecraft passen, aber es ist trotzdem eine tolle Umsetzung der Geschichte. Angeblich sind durch den Erfolg dieses Filmes jetzt von Richard Stanley mehr Lovecraft-Verfilmungen geplant, was ich wirklich begrüßen würde und mit ganz, ganz viel Glück bekommen wir vielleicht sogar irgendwann die Verfilmung von “At the Mountains of Madness” von Guillermo del Toro – ein Film der dieser bereits seit Ewigkeiten drehen will.