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Jul 08

“DIE FLIEGE” Dreifach-Review

Wie oft kommt es vor, dass ein Buch verfilmt wird und das Ergebnis, sagen wir mal, nicht optimal ausfällt. Und wie oft kommt es vor, dass ein Film ein Remake bekommt und dieses dann einfach nur schlecht ist. In beiden Fällen: Viel zu oft! Darum ist es doch heute, in einer Zeit in der sich fast nur noch halbgare Adaptionen von Bestsellern und lieblose Remakes im Kino tummeln doch erfrischend von einem Buch zu hören, dass gut verfilmt wurde und dann zwanzig Jahre später ein Remake erhielt, das einfach nur klasse war! Heute schreibe ich über „DIE FLIEGE“, einen kleinen Sience-Fiction-Horror Roman von George Langelaan und dessen beide Verfilmungen die anno 1958 und 1985 in die Kinos kamen.

 

Die Fliege 3-Fach ReviewFangen wir mit dem Roman an. Oder besser gesagt der Kurzgeschichte. Nicht mal 40 Seiten umfasst die kleine Story die in meinem Sammelband steht. Kurioser Weise wurde „Die Fliege“ 1957 zuerst im Playboy-Magazin abgedruckt. Diese saloppe Floskel von wegen „Ich kaufe den Playboy nur wegen der Artikel“ scheint also doch eine Berechtigung zu haben, denn es die Kurzgeschichte ist echt klasse. Aus der Sicht von Arthur Browning (Die Namen variieren in den unterschiedlichen Auflagen und Übersetzungen – ich halte mich an die aus meiner Ausgabe des Romans) wird erzählt, wie eben dieser einen Anruf seiner Schwägerin Anne erhält, die ihm gesteht seinen Bruder, also ihren Ehemann getötet zu haben. Arthur erscheint mit der Polizei um festzustellen, dass sein Bruderherz, ein begnadeter Wissenschaftler und Ingenieur von einer hydraulischen Metalpresse zerquetscht wurde. Danach beginnt Anne, dem Wahnsinn nahe dem Polizeiinspektor und Arthur ausführlich zu erzählen was sich in den Tagen vor dem Mord zugetragen hat. Ihr Mann Robert, oder kurz Bob habe sich im Keller eingeschlossen und an einem neuartigen Transportgerät gearbeitet. Es gab ein paar anfängliche Probleme, aber dann schien alles gut zu laufen, bis er die Maschine an sich selbst teste und eine gewöhnliche Stubenfliege mit in die Transportkammer geriet – aus der Kammer entstieg daraufhin ein Mischwesen aus Robert und der Fliege. Langelaan hat eine spannende und haarsträubende Geschichte geschrieben, die auch heute noch gruselig und auch Herzergreifend ist. Wenn ihr die Chance dazu habt sie zu lesen, z.B. wenn ihr zufällig die richtige Playboyausgabe aus den fünfzigern zur Hand habt, dann tut es! Knackige, kleine Gänsehautlektüre!

 

Die Fliege Cover 1958Es dauerte nicht lange, bis Kurt Neumann den Stoff verfilmte. Der in Nürnberg geborene Regisseur und Produzent hatte früher einige Teile der Tarzanreihe in 40ern gedreht, und sollte nun an seinem größten Erfolg arbeiten. Die Verfilmung von „Die Fliege“ war 1958 einer der ersten Horror-B-Movies in Farbe. Das ist für die Zeit wirklich eine Besonderheit gewesen. Vor allem wenn man bedenkt wie wenig Mittel der streifen sonst so hatte, aber die setzt er mehr als effektiv ein. Der Film ist von Anfang bis ende schrecklich spannend und zählt zu einen meiner Lieblingsfilme aus dieser Ära. Das liegt zum einen an der, wie schon erwähnten, spannenden Inszenierung, der grandiosen Besetzung mit der Horrorlegende Vincent Price in einer der Hauptrollen und der wirklich originalgetreuen Umsetzung der literarischen Vorlage. Es wurden die Konsequenzen aller Handlung zwar etwas verharmlost. Der Frau, die ihren Gatten ermordete (in der Verfilmung heißt sie Patricia) droht im Buch die Todesstrafe, während sie im Film lediglich in die geschlossene Abteilung der Nervenheilanstalt gesperrt werden soll, aber im großen und ganzen stimmt alles fast haarklein mit dem Buch überein. Natürlich kann man bei ein paar Effekten (besonders gegen Ende des Films) etwas nörgeln. Aber, es waren die Fünfziger und eine Low-Buget-Produktion – wenn man sich so etwas ansieht darf man nicht mit den größten Bombasteffekten rechnen (etwas was das Remake grandios wieder wett machte, dazu aber gleich). Tragisch an dem Film ist allerdings, dass Kurt Neumann nie miterleben konnte, welchen Klassiker er da gedreht hatte, denn kurz vor der offiziellen Premiere verstarb er im alter von 50 an Blutungen in der Speiseröhre.
Mein Fazit: 7 von 10 vermummten Fliegenköpfen

 

 

Die Fliege Cover 1986Reisen wir in die Achtziger. In den Reihen der Produzenten und Drehbuchautoren ging die Idee herum ein Remake zu dem Kultfilm aus den 50ern zu machen. Das Projekt flog etwas hin und her, bis ein ganz besonderer Mann es in die Hände bekam: MEL BROOKS. Ja, ihr lest richtig: Mel Brooks, der Typ der mit seinen Filmparodien wie „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ oder „Spaceballs“ für ein paar der besten Lacher unserer Kindheit sorgte, produzierte auch hier und da Filme, die überhaupt nicht lustig waren. Dazu zählen David Lynchs „Der Elefantenmensch“ und das Remake von „Die Fliege“. Brooks erste Wahl für den Regieposten war David Cronenberg – dieser bekam auch letztendlich den Job und etablierte sich mit seiner Version von „Die Fliege“ als einer der Top Sci-Fi- und Horror-Regisseure. Ich glaube es ist eine wahnsinnig schwierige Sache ein gutes Remake zu machen. Hält man sich zu nahe ans Original verliert die Neuverfilmung an eigener Identität und wird einfach überflüssig. Entfernt man sich zu weit von der ursprünglichen Geschichte fragen sich die Leute was der Streifen überhaupt mit dem Original zu tun hat. „Die Fliege“ von 1986 löst dieses Problem mit einem sehr interessanten Kniff. Das Grundkonzept des Wissenschaftlers, der eine Teleportationsmaschine baut und sich versehentlich selbst mit einer Fliege kreuzt blieb erhalten, es wurde aber vollkommen nach links gedreht. Anders als im Original, bei dem sofort eine Mensch-Insekt-Hybride entstandt, verwandelte sich hier der Wissenschaftler langsam über den ganzen Film hinweg. Jeff Goldblum, den man ja auch aus Jurassic Park kennt glänzt in dieser Hauptrolle. Diese sehr ekelhafte und plakative Transformation zum Insektenwesen ist bis heute sehenswert. Die Ekeleffekte lassen mir auch jetzt noch die Zehennägel aufrollen. Dieser Body-Horror, für den Cronenberg bekannt wurde ist in diesem Film brilliant umgesetzt. Allein wenn ich an so manche Szenen denke bekomme ich dieses ungute Gefühl in der Magengegend – etwas was ich bei Horrorfilmen beeindruckend finde und ihnen nur selten bei so einem abgestumpften Gemüte wie meinen gelingt. Geena Davis, die die weibliche Hauptrolle spielt, fungiert als Betrachter für Goldblums makabere Transformation. Als Zuschauer fühlt man sich in ihre Rolle versetzt und fiebert darum besonders mit. Cronenbergs „Die Fliege“ ist spannend, ekelhaft, wiederlich und großartig. Es ist eines der besten Remakes das ich je gesehen habe und ein Horrorfilm der einem bis in die Träume verfolgt
Mein Fazit: 8 von 10 Brundlefliegen

 

Um alles noch einmal zusammenzufassen: Eine großartige Kurzgeschichte wurde (für die damaligen Mittel) grandios Verfilmt und bekam 20 Jahre später eine Neuverfilmung, die sich zusammen mit „Das Ding aus einer anderen Welt“ wohl bis in alle Ewigkeit einen Platz in der Top 10 der besten Remakes verdient hat. Ihr könnt mit keiner der Versionen etwas falsch machen – nur mit den Fortsetzungen der Filme sollte man vielleicht etwas vorsichtig sein, das ist allerdings eine andere Geschichte.

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  1. „DER BLOB“ (1958/1988) Review » Degl-Toons

    […] ist das Remake eine Verbesserung in jeder Hinsicht. Ähnlich wie bei den 80er-Jahre-Remakes von „Die Fliege“ und „Das Ding“, haben wir es mit einer fantastischen Neuinterpretation des Stoffes zu tun, […]

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