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Jun 17

„DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS“ (1994) Review

Neue Filme sind schön und gut, aber widmen wir uns mal wieder einem Horrorfilm aus den 90ern! „Die Mächte des Wahnsinns“, oder „In the Mouth of Madness“ wie der Film im Original betitelt ist, wurde vom Meister des Horrors John Carpenter inszeniert, der sich mit „Das Ding aus einer anderen Welt“(1982), „The Fog“ (1980) und „Halloween“ (1978) als Großmeister des Horrorgenres etablierte. In den 90gern schien der Glanz Carpenters nachzulassen. Viele seiner Filme wurden von Kritikern verrissen und floppten an den Kinokassen – „In the Mouth of Madness“ ist ein Paradebeispiel dafür. Die Produktion verschlang 14 Millionen US-Dollar, eingespielt wurden jedoch nur 9 Millionen. Aber ist der finanzielle Flop gerechtfertigt? Wie ihr in meinen Reviews zu „Das Relikt“, „Event Horizon“ und „Mimic“ sehen könnt, gibt es einige Horrorflops der 90er, die deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Okay, okay – kommen wir schnell zur Story und danach löse ich auf wie mir „DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS“ gefallen hat.

die-maechte-des-wahnsinns-reviewEs gibt keinen erfolgreicheren und besseren Horrorautoren wie Sutter Cane. Seine Bücher werden in jegliche Sprachen übersetzt und selbst Stephen King scheint nur ein kleines Licht im Vergleich zu ihm zu sein. Die Leute scheinen direkt süchtig nach seinen Romanen zu sein. Kurz vor der Veröffentlichung seines neuesten Werkes „Die Mächte des Wahnsinns“, verschwindet Cane jedoch – gemeinsam mit dem Skript für sein Buch. Um ihn wieder aufzuspüren, engagiert Canes Verlag den Versicherungs- und Privatdetektiv John Trent. Trent, der anfangs wenig begeistert von Cane und dessen Werken ist, nimmt den lukrativen Auftrag an, doch bald stellt sich heraus, das die Suche nach dem verschollenen Autor einem in den Wahnsinn treiben kann.

Hauptfigur des Films ist John Trent, gespielt vom einzig wahren Sam Neill, den ihr vermutlich am besten als Dr. Alan Grant aus Jurassic Park kennt. Neill hat an mehreren Stellen gesagt, dass von all seinen Filmen ihn „In the Mouth of Madness“ am besten gefällt. Von einem schauspielerischen Standpunkt kann ich seine Liebe für den Film vollkommen nachvollziehen. Neill hat hier seine volle Bandbreite zeigen können. Carpenter hat sich auch ordentlich ausgetobt. Von Bodyhorror, psychologischen Horror und schlichten Jumpscares hat der Film überall ein bisschen zu bieten. Vielleicht hätte es dem Streifen aber gut getan, wenn er sich Carpenter auf einen seiner Stile mehr konzentriert hätte, anstelle Mehrgleisig zu fahren. „In the Mouth of Madness“ hat eine etwas ungewöhnliche Erzählstruktur, die den Film zwar interessant macht und zum mehrfachen ansehen einlädt, aber dafür etwas den Nervenkitzel schleifen lässt. Der Film erzählt die Geschichte wie Trent dem Wahnsinn verfällt. Eine Geschichte wie aus einem H. P. Lovecraft-Roman. Und dies ist kein Zufall, denn der komplette Film ist ein Liebesbrief Carpenters an Lovecrafts Werke. Zahllose Anspielungen an die Kurzgeschichten und Romane des Cthulhu-Erfinders finden sich im Film. Und mit so viel Einfluss von Lovecraft, wundert es kaum, dass der Film in Rückblenden erzählt ist, eine progressive Struktur hat und etwas langatmig ist. Ich persönlich mag den Film, aber ich glaube manchen wird er etwas zu zäh sein.

 

Mein Fazit: 6 von 10 mit Kreuzen beschmierten Gummizellen.

Kein perfekter Film und auch kein Meisterwerk Carpenters, aber eine gelungene Homage an einen der einflussreichsten Autoren der Horrorliteratur. Für Fans von Lovecraft, Carpenter und Sam Neill ein empfehlenswerter Streifen, für alle anderen wohl eher ein Geduldsspiel, mit einem etwas zu abgedroschenen Twist am Ende.