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Jun 13

„DIE MUMIE“ (1932) Review

Seit Jahren versuchen Universal Pictures ihre klassischen Monster wiederzubeleben und ein Filmuniversum nach Vorbild von Marvels Superheldenfilmen zu schaffen. Die meisten Fans von Monsterfilmen wissen aber, dass Universal bereits in den 30ern und 40ern ein „Shared Universe“ mit Filmen wie „Frankenstein meets the Wolfman“, „House of Dracula“ und „House of Frankenstein“ schafften. Bekannte Filmfiguren die aufeinander treffen, sich eine Welt teilen und auch mal gegeneinander Kämpfen? Das war alles Universals Erfindung! Tragisch, dass sie nun ständig daran scheitert diesen Erfolg im neuen Jahrtausend zu wiederholen. „The Wolfman“ von 2010 sollte ein gemeinsames Filmuniversum schaffen, aber abgesehen von mir hasst wohl jeder den Film. 2014 versuchte man es erneut mit „Dracula Untold“, der aber wirklich kompletter Müll war. Und nun, 2017 will Universal es nochmal versuchen mit „The Mummy“, einer Neuinterpretation der Mumie. Was mich stinkig macht, ist, dass so ziemlich jeder so tut, als würde es nur die Mumienfilme der späten 90ger und frühen 2000er mit Brendan Fraser geben. Dabei handelt es sich dabei auch nur um das Remake eines Remakes! Filme mit mumifizierten Bösewichten gibt es zwar einige, aber generell gab es bisher 3 nennenswerte Reihen. Die bereits erwähnten Fantasy-Actionfilmtrilogie mit Brendan Fraser, die in den späten 50ern gestartete Reihe der britischen Hammer-Studios und die Originalreihe von Universal, die 1932 ihren Anfang nahm. Anlässlich des neuen Remakes wollen wir also mal das Original ausgraben – den ersten Mumienfilm, worauf alles zurückgeht. Zuerst reden wir mal über die Handlung:

mumie-1932-monster-collectionBei einer archäologischen Ausgrabung wird das Grab des ägyptischen Hohepriesters Imhotep gestoßen. Ein sensationeller Fund, der nicht nur die äußerst gut erhaltene Mumie des besagten Priesters enthält, sondern auch die sagenumwobene „Schriftrolle des Lebens“, mit der einst die Gottheit Isis Osiris aus dem Reich der Toten holte. Beim Übersetzen der Schriftrolle geschieht etwas seltsames. Sowohl die Schriftrolle als auch die Mumie verschwinden und der Forscher, der sich mit der Übersetzung beschäftigte ist dem Wahnsinn nahe nur noch dazu fähig hysterisch zu lachen. 10 Jahre später beschäftigt sich Frank Whemple, der Sohn des damaligen Expeditionsleiters ebenfalls mit ägyptischer Archäologie. Gemeinsam mit dem österreichischen Dr. Muller und der liebreizenden Helen treffen sie auf den seltsam anmutenden Raritätenhändler Ardath Bey, der ein Auge auf Helen wirft. Bald keimt bei Dr. Muller der Verdacht, dass Ardath tatsächlich die damals verschwundene Mumie Imhoteps ist.

Nachdem Universal 1931 mit „Frankenstein“ und „Dracula“ zwei sensationelle Erfolge feierte, wollten sie im Folgejahr nachlegen. Die Titelrolle der Mumie spielte Boris Karloff, den die meisten als Frankensteins Monster kennen sollten. Anders als bei den meisten anderen klassischen Universalfilmen liegt der Mumie keine Roman- oder Theatervorlage zugrunde. Allerdings hat man sich wohl einige Inspiration bei Arthur Conan Doyles Kurzgeschichte „The Ring of Toth“ geholt und das eine oder andere Element erinnert an „Dracula“. Kein Wunder, wie auch bei Bela Lugosis Durchbruch um den transsylvanischen Blutsauger, beginnt auch „Die Mumie“ mit dem Musikstück aus „Schwanensee“. Und wie in Dracula wird auch hier eine junge, hübsche Dame von einem uralten Untoten umgarnt und hypnotisiert während die Ärzte ratlos sind. Abgesehen von Dr. Muller, gespielt von Edward Van Sloan, der Ardath Beys Magie durchschaut und dessen Pläne durchkreuzen will – Sloan spielt also eine Variante von „Van Helsing“, den er ja schon ein Jahr zuvor in Dracula verkörperte. An sich lässt sich der Film also nur bedingt als innovativ beschreiben. Und man muss leider auch zugeben, dass er spannungsmäßig nicht mit den Kollegen Frankenstein oder Wolfsmensch mithalten kann. Andererseits muss man aber hervorheben, dass die Mumie seinerzeit filmtechnisch auf mit auf den höchsten Stand war. Wunderbare Sets und Kulissen schmücken den Film und Regisseur Karl Freund, der bereits bei „Dracula“ und dem Meisterwerk „Metropolis“ als Kameraman arbeitete, schafft ein wunderbares Spiel von Licht und Schatten, dass an die grandiosen deutschen Stummfilmklassiker erinnert. Dominiert wird der Film von Boris Karloff als titelgebende Mumie. Er zeigt, dass er Bela Lugosi in nichts nachsteht und seine Präsenz als Mumie, der eindringende Blick, seine Stimme und Gestalt machen den Streifen trotz seiner ganzen Makel trotzdem sehenswert.

Mein Fazit: 6 von 10 Fes-Hüten

Karl Freunds „Die Mumie“ mag nicht der beste oder innovativste Film im Raster der klassischen Universal Monster sein, doch alleine für Boris Karloff Performance darf man hier einen Blick riskieren. Generell bin ich aber nicht böse, wenn Remakes dieses Films die Geschichte anders erzählen um etwas mehr Distanz zu Dracula aufbauen.

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  1. „Das Grab der blutigen Mumie“ (1971) Review » Degl-Toons

    […] haben die Original Mumie von 1932 angesehen, haben Hammer Films Reboot von 1959 betrachtet und nun sind wir beim dritten Teil meiner […]

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