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Apr 18

„DIE MUMIE“ (2017) Review

Das Zauberwort heißt „Cinematic Universe“ – mehrere Filme bzw Filmreihen, die in der gleichen Kontinuität spielen und so Crossover und Querverweise erlauben. Dieses Franchise-Modell macht die Marvelfilme zu einem über alles dominierenden Geldgaranten für den Besitzer Disney. Und wo Geld zu holen ist, da sind Nachahmer nicht weit. So zum Beispiel die Universal Studios, die sich 2017 daran versuchten ihre ganzen lizenzierten Universal Monster ebenfalls zu einem Franchise zusammenzufassen, das unter dem Titel „Dark Universe“ laufen sollte. Tatsächlich hat eigentlich kein Studio ein größeres Anrecht darauf dieses, von Marvel so erfolgreich genutzte Franchise-Modell, zu nutzen wie Universal. Deren Monsterfilme hatten bereits in den 1940er Jahren Crossoverfilme und formten so das erste „Cinematic Universe“. Natürlich war dieses Konzept damal bei weitem noch nicht so ausgefeilt, wie das von Marvel, doch Universal waren die ersten! Ehre wem Ehre gebührt. Universal versuchte bereits mit Van Helsing (2004), The Wolf Man (2010) und zuletzt mit Dracula Untold (2014) ein neue Monsterfranchises zu etablieren, bei dem die Produzenten stets Hintergedanken in Richtung Cinematic Universe pflegten. Doch keiner der Streifen war wirklich erfolgreich und der Film von 2017 über den wir heute sprechen reiht sich hier wohl ebenfalls ein. Es geht natürlich um „DIE MUMIE“ mit Tom Cruise! Schauen wir eben mal die Handlung an:

die-mumie-2017Tom Cruise alias Nick Morton und sein von Jake Johnson (New Girl, Jurassic World) gespielter Side-Kick sind eigentlich im Dienste des US-Militärs im Irak unterwegs, doch die beiden nutzen ihre Position in der Aufklärung eiskalt aus um Antiquitäten und Schätze zu stehlen und auf dem Schwarzmarkt zu verscherbeln. Bei einem Scharmüzel mit den Einheimischen stoßen die beiden Grabräuber auf eine altägyptisch anmutende, unterirdische Ruine. Die Archäologin Jenny, die gemeinsam mit dem Militär bei Nick eintrifft, stellt jedoch klar, dass diese – ungewöhnlich weit vom alten Ägypten entfernten Katakomben – kein eigentliches Grab sind, sondern das ewige Gefängnis der Prinzessin Ahmanet, die vor über 3000 Jahren ihre Familie ermordete und einen Pakt mit dem Totengott Seth einging. Jenny möchte den Sarkophag abtransportieren und die potentiell gefährliche, tote Prinzessin aus dem Kriegsgebiet bergen. Dabei erwacht Ahmanet jedoch wieder und möchte nun das Ritual von damals beenden und Seth einen menschlichen Körper verschaffen – Ihr auserwählter hierfür ist Nick Morton.

„DIE MUMIE“ von 2017 ist recht mies. Quasi eine Feldstudie, wie man ein Cinematic Universe nicht starten sollte. Dies beginnt zumal damit, dass viel zu viele Leute noch rosige Erinnerungen an die Mumienfilme von 1999 und 2000 mit Brandon Fraser hatten und damit wenig Lust auf ein Reboot. Klar geht das Universalmonster der Mumie viel weiter zurück, zu den Ursprüngen der Reihe mit Boris Karloff 1932 – allerdings wollte 2017 Universal keinen Horrorfilm produzieren, sondern einen Action-Adventure-Streifen, der viele gewollte oder auch ungewollte Ähnlichkeiten zu den Brandon Fraser Filmen hat. Aber anders als diese muss der Tom Cruise Film ohne den pulpigen 20er Jahre Charme auskommen. Ich weiß eigentlich kaum was für einen Film sie wirklich drehen wollten, abgesehen davon, dass es der Startpunkt eines Filmfranchises sein sollte. Wir haben starke Horrorelemente und eine düster, grünliche Farbpalette, gepaart mit plumpen Gags und dazu noch den Tom Cruise-üblichen Actionanteil. Es wird sich breit am Buffet von Hitfilmen bedient: Die Mumienfratze im Sandsturm geht auf den Mumienfilm von 99 zurück, Cruise Sidekick wird zum dummschätzenden Geist, fast genau so wie man es aus „An American Werewolf in London“ kennt, die untote Schönheit saugt mit einem Kuss die Lebensenergie der Menschen aus, die sich daraufhin in ihr untergebene Zombies verwandeln, wie im Kultfilm „Lifeforce“ und der von Russel Crowe gespielte Dr. Jekyll muss sich laufend ein Serum injezieren um sich nicht vollständig in Nick Fury von den Avengers zu verwandeln. Was den Film neben seiner inkonsequenten Inszenierung noch zäher wirken lässt ist, dass einem die gleichen Flashbackszenen immer wieder neu serviert werden. Was Ahmanet so vor 3200 Jahren trieb sieht man mindestens 4 mal, dazu kommt noch, dass wenn Archäologin Jenny kombiniert was mit Nick und der Mumie geschehen ist auch noch einmal gezeigt wird, was keine 10 Minuten vorher im Film geschah. Was mich zur vielleicht gut gemeinten, aber grässlich umgesetzten Progressivität des Films bringt. So hat sich das Studio selbst auf die Schultern geklopft, mit Sofia Boutella die erste weibliche Mumie in einen derartigen Film zu haben. Das stimmt erstens so garnicht – „Blood from the Mummy’s Tomb“ hat dies schon in den 70ern abgeliefert – und zweitens ist das Frauenbild in dem Film nicht unbedingt positiv. Die schwarzhaarige Untote Verführerin wirkt so, als wäre sie hauptsächlich auf mumiensex mit dem Tom Cruise’ Aushilfs Nathan Drake aus. Darüber hinaus macht Boutella ihren Job als Antagonist eigentlich recht gut – den Vogel schießt in Sachen Feminismus jedoch Jenny die Archäologin ab. Wenn mal Russel Crowe oder der Geisterkumpel mal nicht im Bild sind, spuckt die, nach blonden Runwaymodel aussehende Jenny Exposition aus, ansonsten gibt es eigentlich kaum eine Szene mit ihr, in der Tom Cruise die Damsel in Distress nicht irgendwie retten muss. Angeblich trifft hier eine gehörige Portion an Schuld Scientology-Tom, der seine Starpower ausnutze um seine Rolle größer, cooler und heldenhafter zu gestalten. Wenn Russel Crowe im Film von sich gibt, dass Tom Cruise – im gegensatz zu ihm – ein „junger Mann“ sei, und das obwohl Cruise sogar ein Jahr älter als Crowe ist, dann wirkt dies einfach lächerlich. Cruise diktierte dem Streifen noch mehr diesen Pseudo-Superhelden-Stempel auf, als er vermutlich schon ursprünglich gehabt hätte. Und dadurch, dass Universal auch noch mit aller Gewalt versuchte ein mehrere Filme überspannendes Franchise aus dem Stand zu stemmen, wird der Film noch mehr in alle möglichen Richtungen gezogen.

Mein Fazit: 4 von 10 vierfachen Spritzen

Eine holperige Produktion, in der der Hauptdarsteller sich wohl zu viel in die Story einmischte, das Studio zu überambitioniert auf ihr Cinematic Universe pochte und ein Produktionsteam um Regisseur Alex Kurtzmann, dass nicht die nötigen Skills hatte um diese Faktoren harmonisch mit der Grundhandlung zu verbinden und gleichzeitig einen ansprechenden Film zu drehen. Kurtzmann scheint in Hollywood der Typ zu sein, der eine Marke nach der anderen zur stumpfen Blockbusterunterhaltung zurechtstutzt. Er ist treibende Kraft in Michael Bays Transformerfilmen gewesen und auch beim Star Trek-Filmreboot und „The Amazing Spider-Man 2“ war seine Präsenz spürbar. Mit dem gefloppten Mumienfilm von 2017 sind auch Universals Ambitionen ihres Dark Universe den Bach heruntergegangen. Als nächstes scheint Universal den Horrorprofi Jason Blum an eines ihrer Monster ran zu lassen. Dieser darf nämlich einen Film über den “Unsichtbaren” drehen. Die überaus erfolgreichen Produktionen seines Studios lassen hier darauf hoffen, dass dies ein waschechter Horrorfilm mit einen moderaten Budget wird und so auch Aussichten auf Erfolg hat. Lassen wir uns überraschen!