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Feb 18

„DON’T BREATHE“ Review

Im Kinosommer 2016 schickte Warner Bros / DC ihren 175 Millionen Dollar-Blockbuster „Suicide Squad“ ins Rennen, doch ein kleiner, gerade mal 10 Millionen Dollar teurer Horrorthriller namens „Don’t Breathe“ dominierte in den USA die Kinocharts. Was war das für ein relativ kleines Filmchen, dass einen solchen Koloss mit einer riesigen Marketingmaschine im Hintergrund derart in die Schranken verweist? Und noch wichtiger, warum habe ich den Film nicht gesehen? Okay, Okay, wir befinden uns wieder in der allseits beliebten Rubrik „Christian holt Filme nach, die er letztes Jahr im Kino verpasst hat“! Wuhu! Also, was kann ich euch über „Don’t Breathe“ erzählen ohne zu viel vorweg zu nehmen? Fangen wir mit der Handlung an:

dont-breatheWir haben hier drei junge Kleinkriminelle. Den „Gangsta“ Money, den eher zurückhaltenden Alex und die von Jane Levy gespielte Rocky. Durch gelegentliche Einbrüche wollen sie genügend Geld zusammenbekommen um ihr tristes Leben im düsteren Detroit hinter sich zu lassen. Sie erhalten einen Tipp für einen lukrativen und einfachen Coup. Inmitten einer fast fast vollkommen leerstehenden Nachbarschaft wohnt ein blinder Mann, der auf einem kleinen Vermögen sitzen soll. Als das Trio in das Häuslein des Blinden einsteigt, müssen sie jedoch feststellen, dass dieser wehrhafter ist als sie annahmen. Die einzige Chance dem eiskalten Hauseigentümer zu entgehen ist keinen Laut von sich zu geben.

 

Irgendwie komme ich nicht mehr dazu so oft ins Kino zu latschn wie früher – zwar noch relativ oft, aber ich seh mir eben nicht mehr alles an… Dadurch spare ich mir zwar viel Müll, aber ich verpasse auch die eine oder andere Perle. Wie diese hier! „Don’t Breathe“ ist der zweite Spielfilm von Fede Alvarez – er führte Regie, schrieb das Drehbuch und agierte zusammen Spider-Man-Regisseur und Horror-Ikone Sam Raimi als Produzent. Beide haben bereits in Alvarez ersten Film, dem Remake zu Sam Raimis Klassiker Evil Dead zusammengearbeitet – und das Ergebnis war doch recht sehenswert. Und auch Jane Levy musste die Zusammenarbeit mit Alvarez gefallen haben, denn auch sie ist nach ihrer Rolle in Evil Dead wieder mit an Bord. Laut Fede Alvarez aussagen ist „Don’t Breathe“ eine direkte Reaktion auf die Kritiken seines Evil Dead Remakes. Viele fanden die Massen an Blut übertrieben, meinten, dass der Film zu sehr darauf setzte die Leute zu schocken, aber nicht genügend Spannung aufbaute und einige fanden es einfach nur doof, dass es ein Remake war. Nachdem er sich die Kritiken zu Gemüte geführt hatte, machte der gute Fede dass, was viele andere Filmemacher auch mal machen sollten. Er setzte sich mit den Kritikpunkten auseinander um einen besseren Film zu machen. Weniger Blut und Schock, dafür mehr Spannung, mehr Drama, etwas Neues. Mit „Don’t Breathe“ wirft Alvarez sämtliche übernatürlichen und fantastischen Elemente über Bord, die zur Zeit das Horrorgenre dominieren. Stattdessen bekommt man so etwas wie eine umgekehrte „Home Invasion“-Story, in diesen extrem intensiven Thriller. Das Trio bricht ein und man hat Mitleid mit dem alten Blinden (hammermäßig gespielt von Stephen Lang), doch der Film schafft es sehr gut die Sympatie des Zuschauers zu den Figuren hin und herhüpfen zu lassen. Eine zentrale Rolle im Film nimmt das Haus des Blinden Mannes ein. Da der Film zum größten Teil darin spielt ist es wichtig, dass man als Zuschauer versteht wo welcher Raum ist, wie die Architektur des Gebäudes aussieht. Etwas, was z. B. In „The Purge“ gar nicht funktionierte haut in Don’t Breathe fantastisch hin. Durch die eine oder andere Kamerafahrt werden Räume und Gegenstände und deren Position etabliert, die später wichtig sind – und das macht ein derartiges Kammerspiel aus. Wir wissen dort in diesen Raum hängt an der Stelle ein Hammer. Wofür ist diese Glocke? Der Film nutzt sein minimalistisches Setting voll und ganz aus und schaffte es mich mehrmals mit unerwarteten Wendungen zu überraschen. Ich habe in letzter Zeit ein paar moderne Horrorfilme gelobt, wie „It Follows“, „The Vvitch“ oder „How to catch a Monster“ – diese haben alle ihre Stärken, doch „Don’t Breathe“ ist für mich sogar noch einen Ticken besser als die eben genannten Streifen. Wobei ich auch sagen muss, dass „Don’t Breathe“ wohl mehr Thriller als reiner Horrorfilm ist.

Mein Fazit: 8 von 10 Pipetten

„Don’t Breathe“ ist visuell ansprechend, aus verständlichen Gründen relativ Dialogarm, intensiv und unglaublich spannend . Zudem spielt der Film mit Konventionen und hält einige Überraschungen bereit. Was auch immer Alvarez, Raimi und Levy als nächstes gemeinsam machen, ich werde es mir garantiert ansehen!