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Mrz 22

“DOOM” (2005) Review

Wenn man sich noch irgend etwas gibt, auf das man sich heutzutage freuen kann, dann zumindest auf ein neues DOOM-Spiel. Die Spieleschmiede id-Software hat in den Neunzigern das Genre des Ego-Shooters mit Wolfenstein geschaffen und mit DOOM definiert. Jeglicher moderne Shooter ist nichts anderes als ein Enkel des großen, ehrwürdigen DOOM von 1993. Das Spiel war so erfolgreich, dass es 1995 auf mehr PCs installiert war als Windows. Die Spielereihe lieferte mehr seiner altbewährten Formel mit DOOM 2 und einem N64-Ableger – heutzutage haben wir mit dem Reboot von 2016 und der nun anstehenden Fortsetzung DOOM:Eternal wieder sehr actionorientierte Titel, aber dazwischen, in den frühen 2000er Jahren erschien DOOM 3, ein Spiel, dass eher versuchte die Horroraspekte der Reihe zu fokussieren. Und nur kurze Zeit später erschien dann die lang erwartete Filmadaption der legendären Spieleserie – die meisten Zuschauer waren vom Film jedoch enttäuscht. Warum die Verfilmung von „DOOM“ einen so schlechten Ruf hat und was vielleicht doch nicht so übel an dem Streifen ist, sage ich euch nach einer kleinen Handlungszusammenfassung:

doom-2005Ein militärisches Sondereinsatzkommando wird auf den Mars gerufen. Die beinharten Marines um den Sarge (Dwayne Johnson) haben sich eigentlich auf einen Urlaub gefreut, sind aber sofort einsatzbereit am Start – sogar John „Reaper“ Grimm, dessen Vorgeschichte ein unschönes Ereignis auf dem Roten Planeten beinhaltet. Durch den ARK, einer Teleportationseinrichtung, reisen die Soldaten zur Forschungsstation auf dem Mars. Dort, wo seit 20 Jahren seltsame Überbleibsel einer längst untergegangenen, menschenähnlichen Kultur ausgegraben werden gab es einen Lockdown und ein geheimnisvolles Sicherheitsproblem, dass die knallharten Jungs um Sarge und Reaper untersuchen sollen. Dabei werden sie von der Wissenschaftlerin Samantha (Rosamund Pike) in einige der Details eingeweiht und in die tieferen Levels begleitet. In den unteren, abgeriegelten Ebenen der Marsforschungsanlage angekommen sehen sich die Soldaten schließlich mit brutalen Monstern konfrontiert, deren Herkunft vorerst ein Rätsel ist.

Videospielverfilmungen sind meistens Müll, allerdings sind trotzdem manchmal finanziell sehr erfolgreich – das beste Beispiel hierfür ist die Resident Evil-Reihe, die 2004 bereits seinen zweiten, ertragreichen Teil in die Kinos gebracht. Dies war der Beweis, dass eine cheesy, actiongeladene Videospielverfilmungen mit einem R-Rating extrem viel Geld einspielen kann. Also kann DOOM auch funktioniern oder? Zur Umsetzung wurde Andrzej Bartkowiak verpflichtet. Der ehemalige Kameramann hat mit „Exit Wounds“ und „Romeo must die“ zuvor bereits gezeigt, dass er Action inszenieren kann. Vor der Kamera wurde ein relativ hochkarätiger Cast aufgebaut. Rosamund Pike, Karl Urban und Dwayne Johnson, damals noch hauptsächlich als „The Rock“ bekannt, waren damals alle aufsteigenden Stars. Die Zeichen standen zwar auf dem Papier auf Erfolg, aber dieser blieb, wie ihr wohl wisst aus. DOOM ist generell als ziemlich schlechter Film im allgemeinen und schlechte Videospielverfilmungen im besonderen bekannt. Es ist nunmal ein nicht sonderlich intelligenter Film und die kombination von dunklen Sci-Fi-Korridoren und beinharten Marines hat man auch schon einige male besser gesehen. Zudem wurden sämtliche Verbindungen zu den dämonischen Mächten der Hölle aus der Handlung des Films gestrichen, wodurch die Identität von DOOM flöten geht. DOOM ohne die Hölle ist wie Resident Evil ohne Zombies, wie Wolfenstein ohne Nazis, wie fucking Need for Speed ohne Autos. Da dem Film dadurch die eigentliche Identität des Franchises geraubt wurde ist es kaum überraschend, dass die Fans mehr als enttäuscht von dieser Entscheidung waren. Aber trotz all dem muss ich doch die eine oder andere Lanze für den Streifen brechen. Als Ersatzprämisse für die Hölle hatte man sich einen anderen Hintergrund für die Herkunft der Monster auf der  Marsstation ausgedacht, die zwar nicht wirklich grandios umgesetzt wurde, jedoch einen interessanten Grundansatz hat. Die meisten werden wissen, dass es eine First-Person-Actionszequenz gibt, die zumindest einen coolen Kampf mit einer Kettensäge springen lässt. Was der Film mit seinen Hauptfiguren und deren Dynamik zueinander macht ist für so einen, eigentlich dämlichen Film, ziemlich mutig und verhältnismäßig clever. Und schlussendlich sind so gut wie alle Monstereffekte mit Make-Up und Animatronik verwirklicht worden, wodurch Sachen wie der in der Tür steckende Imp erstaunlich gut gealtert sind. Und auch wenn die Hölle fehlt, gibt es einige Elemente, die einfach nach DOOM schreien: Der Look erinnert stark an den damals aktuellsten Teil „DOOM 3“, die Musik ist unbestreitbar von den dröhnenden Heavy Metal der ersten beiden Spiele inspiriert und es wurden zig kleine Eastereggs gestreut. Nachdem ich jetzt so viel gelobt habe, stellt sich die Frage, ob ich nun kontroverser Weise den DOOM-Film gut finde? Naja, ich finde ihn zumindest nicht so beschissen, wie es mir jeglicher DOOM-Fan und selbsternannter Filmkritiker aus dem Internet hat glauben lassen. Vielleicht waren es die niedrigen Erwartungen und das Wissen um die Mängel des Films, doch ich fühlte mich überraschend gut unterhalten.

daumen-hoch-und-runterMein Fazit: Ein Action-Daumen Hoch und ein DOOM-Daumen runter

Es wäre schön, wenn der DOOM-Film mich ähnlich beeindruckt hätte wie die klassischen DOOM-Spiele, oder wenn er sich mehr an diesen orientiert hätte. DOOM der Film ist eine weitgehend ungeeignete Representation des Videospiel-Franchises, aber ich hege trotzdem eine gewisse Sympathie für den Streifen. Als Film, den man mit einem Bierchen in der Hand und ein paar Kumpels auf der Couch ansieht kann man hier Spaß darin haben einerseits die blutige over-the-top-Action zu genießen und sich andererseits über die zahlreichen Unzulänglichkeiten lustig zu machen – DOOM ist High-Budget-Trash, mit dem man Spaß haben kann wenn man weiß worauf man sich einlässt und sich mit etwas Gore und einem grumpy Karl Urban und einer Lite-Version von “ALIENS” zufrieden stellen lässt. Wie man vielleicht ansonsten die Materie zum Film machen könnte bzw. wie ich eine DOOM-Verfilmung machen würde, könnt ihr in diesem Folgeartikel nachlesen.