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Okt 04

“DRACULA” (1958) Review

Die wohl bekannteste Rolle Christopher Lees ist zweifelsohne die des blutsaugenden Dracula. Nachdem die Hammerstudios 1957 einen großen Erfolg mit ihren Remake von „Frankenstein“ feierten wollten die Briten natürlich umgehend mit einem Remake von „Dracula“ nachlegen. Doch wie schon bei Frankenstein im Vorjahr wurde es Hammer verwehrt eine direkte Adaption der Vorlage zu drehen. Die Universalstudios hielten ihre Hand über das Material und darum musste Hammer wieder die Story weitgehend umschreiben. Also wie sieht dann die Handlung in Hammers Dracula aus?

dracula-1958Wir begleiten Jonathan Harker der eben im Schloss des Grafen Dracula eintrifft. Dort hat er einen Job als Bibliothekar angenommen – allerdings nur zum Schein. Harker ist ein Freund und Komplize von Dr. Van Helsing, und beide haben vor Dracula zu erledigen. Die meisten Einheimischen fürchten sich zwar vor dem gruseligen Grafen, und hängen Knoblauch auf um sich vor ihm zu schützen, aber niemand wagt es sich gegen den Vampir aufzulehnen. Es dauert jedoch nicht lange, bis Dracula Harker durchschaut und sich ihm vornimmt. Nun liegt es an Van Helsing allein den untoten Grafen auszuschalten.

Christopher Lees Dracula ist weniger der mysteriöse Verführer wie ihn Bela Lugosi 1932 spielte. Viel eher spielt er den Vampir wie einen britischen Gentleman, dessen Charakter aber blitzschnell ins animalische umschwenken kann. Kein hypnotischer Blick, sondern blutunterlaufene, wilde Augen zeichnen seine Angriffe aus. Lees Rolle als Dracula prägte dessen Karriere. Er spielte den Grafen nicht nur 7 weitere male für Hammer, sondern auch noch in anderen Produktionen. Jeder wollte ihn immer wieder als Dracula sehen und Lee bekam es langsam mit der Angst zu tun, dass er niemals eine andere Rolle mehr bekommt. Für einige der Fortsetzungen spielte Lee nur Dracula, da ohne ihn in der Titelrolle die Filmfinanzierung gestrichen worden wäre und einige Hammermitarbeiter dadurch ihren Job verloren hätten. Sprich, Lee als Dracula ist großartig. Und genau so großartig ist Peter Cushing als Van Helsing. „Frankensteins Fluch“ mag vielleicht das Lee-Cushing-Leinwandduo geschaffen haben, aber durch Dracula, in dem auch Lee eine große Sprechrolle hat, und beide als Gegner auf Augenhöhe gegeneinander kämpfen, wurden sie zu Hammers Goldgrube. Cushing als raffinierter Gelehrter und Lee als teuflischer Widersacher waren das Fundament für viele grandiose Streifen und Dracula ist eine ihrer besten Kollaborationen. Legendär ist natürlich die finale Konfrontation zwischen Van Helsing und Graf Dracula. Der Film war für damalige Verhältnisse extrem schockierend und viele Kritiker schrieben den Streifen als brutalen Schund ab. Doch die letzten Jahrzehnte waren gnädig mit dem Film. Während andere Horrorfilme dieser Zeit in der Obskurität verschwanden, scheint Hammers Dracula zumindest noch etwas Relevanz zu haben. Vielleicht hat der Streifen schon etwas Staub angesetzt, das knallrote Technicolorblut und die etwas schattigen Szenen, die als „finstere Nacht“ durchgehen sollen, setzten den fetten „Das ist einer der ersten Horrorfilme in Farbe“-Stempel auf den Streifen. Man merkt den Film oft auch sein niedriges Budget an – zwar sind die Kulissen schön stimmig, aber es wurde zum Beispiel aus Kostengründen die komplette Handlung in einem Landstrich angesiedelt – anders als im Roman in dem Dracula in Siebenbürgen haust und dann nach London zieht. Hier spielt entfernt sich Dracula nie weit von seinem Schloss. In der Originalfassung spielt die komplette Handlung in Transsylvanien, in der deutschen Synchronfassung spielt der Film im guten alten England. Wie schon gesagt, das merkt man dem Film alles an, und manch einer mag es dem Streifen negativ angkreiden, doch gleichzeitig zeichnet dies auch den Charme des Films aus, den traditionellen „Gothic-Horror“ der Hammerstudios, den man einfach lieben muss.

Mein Fazit: 8 von 10 Holzpflöcken

Hammers Horrorduo Cushing und Lee sind hier in Höchstform und ihr Konflikt wird gekonnt von Terence Fisher inszeniert. Für alle Fans des klassischen britischen Horrorfilms, und alle, die auf Dracula- und Vampirfilme stehen ist dieser Streifen absolutes Pflichtprogramm!

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  1. „ES“ (2017) Review » Degl-Toons

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