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Mai 10

DUNE (1984) Review

Dune 1984 Cover„Wer das Spice kontrolliert, der kontrolliert das Universum“

Ich habe keine Ahnung wie alt ich genau war, als ich im Keller bei meinen Eltern zuhause das erste mal dieses alte Buch fand auf dessen Einband sich ein riesiges wurmähnliches Wesen mit weit aufgerissenen Maul aus einer sandigen Wüstenlandschaft erhob, während daneben, kaum zu erkennen zwei menschliche Gestalten in erschrockener Pose verharren. „Frank Herbert’s Der Wüstenplanet“ stand darauf geschrieben, aber erst Jahre nachdem ich dieses Schmuckstück entdeckte machte ich mich daran das Abenteuer, dass auf die vielen vergilbten Seiten gedruckt war zu lesen. Bis heute ist „Der Wüstenplanet“, oder „Dune“ eines meiner Lieblingsbücher und ich bin meinen Paps dankbar, dass er zwischen seinen zahllosen Karl May-Bänden auch dieses Science Fiction Meisterwerk in seinem Regal stehen hatte – inzwischen habe ich es mir gemopst und es steht bei mir im Regal, wo es auch regelmäßig mal in die Hand genommen wird. Der Roman Dune ist ohne Übertreibung eines der besten Sci-Fi-Bücher aller Zeiten und darum verwundert es nicht, dass es nicht nur einen Anlauf gab das Material zu verfilmen. Legendär ist der gescheiterte Versuch von Alejandro Jodorowsky, der noch Anfang der Siebziger seine ganz eigene Version des Films drehen wollte. Dann sollte Ridley Scott diese Verfilmung stemmen, doch dieser sah nach einigen Monaten ein, dass das Projekt viel mehr Zeit und Kosten verschlingen würde, als er aufbringen konnte. Es dauerte bis in die frühen Achtziger bis Universal David Lynch ans Ruder setzte und dieser dann auch wirklich einen Film lieferte. Bevor ich euch aber weiter erzähle wie der Film rein qualitativ ist und ob er seiner monumentalen Vorlage gerecht wird, erzähle ich euch nochmal worum es in Dune überhaupt geht.

Unsere Hauptfigur ist Paul Atreides, dem Sohn von Herzog Leto Atreides vom Planeten Calladan. Der Imperator des Universums gibt Herzog Atreides den Planeten Arrakis zum Lehen, eine unbarmherzige, von Wüsten überzogene Welt ohne Niederschläge. Niemand würde sich um Arrakis scheren, wäre da nicht das Spice. Eine Droge, die altershemmende wirkt und einem erlaubt in die Zukunft zu sehen. Interplanetare Reisen sind nur mithilfe von Spice möglich und so ist es die wertvollste bekannte Substanz. Allerdings ist sie einzig und allein in den Dünenfeldern des abgelegenen Planeten zu finden. „Wer das Spice kontrolliert, kontrolliert das Universum“. Paul und seine Familie reisen nach Arrakis um dort für den Imperator den Spiceabbau zu verwalten, doch es handelt sich bei der ganzen Sache nur um eine Falle des Imperators und des mit den Atreiden befeindeten Hauses Harkonnen. Als die Falle zuschnappt können Paul und seine Mutter, Lady Jessica, in die Wüste entkommen und sich dort den einheimischen Volk der Fremen anschließen. Paul, der den Namen Muad’Dib annimmt, hat noch eine große Zukunft vor sich.

Dune Buch

Meine Ausgabe des Romans

Lynch sagte einmal, dass Dune kein kompletter Alptraum für ihn ist, aber zumindest ein 75 prozentiger. Er versuchte den Epos in einen opulenten Film zu packen, doch das Ergebnis wäre wohl über 3 Stunden lang gewesen und hätte viel mehr als das eigentliche Endprodukt gekostet. Universal ließ Lynch jedoch leider nicht die Freiheiten, die er gebraucht hätte, und so wurde das Wüstenepos unter dem Druck der Studiobosse zu einem 2 Stunden Film mit eher durchschnittlichen Special Effects gepresst. Und mit gepresst meine ich, auf dramaturgisch unglücklich gewählte Weise zerhackt und dann gehetzt zusammengeschustert. Die Produktion muss ein Wahnsinn gewesen sein, inklusive neu geschriebener Szenen um in noch kürzerer Zeit mehr Handlung zu packen. Es steckte, wie in jedem anderen Versuch den Wüstenplaneten zu verfilmen der (Sand-)Wurm. Richtig angepackt könnte eine Verfilmung von Dune eine Brücke zwischen Star Wars, Game of Thrones, Spartacus und Herr der Ringe schlagen und der beste Science-Fiction-Film werden. Das Potential ist gigantisch, doch es ist eben auch eine ebenso große Herausforderung. Mir tut es in der Seele weh, so über Lynch’s Dune her zu ziehen, denn trotz seiner zahlreichen Probleme, baut der Film trotzdem das Grundgerüst für dieses abstrakte und überwältigende Bild von Dune. Teilweise, mag er, was seine obskuren Ideen angeht, den Bogen überspannen aber gerade diese Obskurität und dieser einzigartige Look machen den Film trotzdem sehenswert. Die Kostüme, die Setdesigns und die generelle Atmosphäre haben einen festen Platz in der kollektiven Vorstellung von Frank Herberts Welt eingenommen. Dinge wie die schwarze Gummikleidung der Harkonnen, die buschigen Augenbrauen der Mentaten, oder die Distillanzüge der Fremen sowie die deformierten Piloten der Raumfahrergilde prägenten nachhaltig den Look von Dune. Auch die psychedelischen Szenen fangen den Mystizismus der Saga weitgehend ein und erinnern in einem positiven Sinn an „2001: Odysse in den Weltraum“ – sind aber bei weitem nicht so langatmig. Lynch hatte es allen Hindernissen zum trotze geschafft seinem surrealistischen Stempel aufzudrücken und einen Kern der Geschichte zu erhalten. Unterm Strich ist Dune vielleicht kein sonderlich guter Film, aber auf jeden Fall ein Besonderer.

6 von 10 Schallmodulen, die es im Buch nie gab

Wirr, schlecht strukturiert und gehetzt, aber visuell ansprechend und auf seine Weise einzigartig, ist und bleibt es die beste Chance einen Blick auf Frank Herberts Vision von Dune zu erhaschen. Fakt ist, dass ich jedes mal, wenn ich David Lynchs Film sehe wahnsinnige Lust habe ganz tief in die Welt der Fremen und Sandwürmer abzutauchen. Weil ich Dune zufällig neulich gesehen habe, fing ich anschließend sofort wieder an den Roman zu lesen und schreibe jetzt diese Review. Es ist in gewisser Weise eben doch ein Klassiker.