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Okt 09

„ES“ (2017) Review

Legen wir eine kurze Pause zwischen den Christopher Lee Filmen ein, die ich mir zur Zeit zu Gemüte führe und widmen wir uns einen aktuellen Film. DEN aktuellen Film. Die neue Verfilmung von Stephen Kings „ES“ lockt so viele Leute ins Kino, man könnte meinen alle hätten nur auf den Streifen gewartet. Ein so volles Kinofoyer habe ich noch nie gesehen, nicht mal beim Start eines neuen Star Wars Films! Und die Boxofficezahlen scheinen dies zu bestätigen. Über eine halbe Milliarden hat der Streifen bereits zu dem Zeitpunkt eingenommen an dem ich diese Zeilen hier schreibe und dabei ist er erst angelaufen. Also widmen wir uns „ES“ und sehen nach ob der Film diesen gigantischen Erfolg verdient oder nicht. Wie immer zuerst ein kleiner Blick auf die Handlung des Films:

es-2017-reviewWir schreiben das Jahr 1988 und während eines stürmischen Herbstregens lässt der kleine Georgie Denbrough ein Papierboot in den platschenden Wasserströmen auf der Straße treiben. Zu seinem Unglück verschluckt ein Abfluss das gefaltete Boot – zu seinem noch viel größeren Unglück blickt aus eben diesen Abfluss der gruselige Clown „Pennywise“ hinaus, der den Knaben mit sich hinabzieht. Einige Monate später scheint die Stadt den jungen Georgie bereits abgeschrieben und vergessen zu haben, abgesehen von seinen großen Bruder Bill der immer noch Hoffnung hat den verschollenen Georgie zu finden. Er überzeugt seine Kumpels, Stanley, Eddie und Richie in den Sommerferien exzessiv die Kanäle der Stadt nach dem Verbleib seines kleinen Bruders abzusuchen. Dabei schließen sich ihnen auch die taffe Beverly, der Neuling Ben und der Außenseiter Mike an. Während in der Stadt immer mehr Kinder verschwinden, sehen auch die Kids aus Bills Bande, der Losers Club, den dämonischen Pennywise, der die Gestalt ihrer tiefsten Ängste anzunehmen scheint.

Zur Abwechslung mal eine Review zu einer Verfilmung, die ich nicht wie bei Power Rangers 2017, Ghostbusters 2016, Death Note 2017 oder Shin Godzilla damit beginnen kann zu erzählen was für ein riesen Fan ich vom Ursprungsmaterial bin. Ich gebe zu, ich habe noch nie Stephen Kings Roman „ES“ gelesen, oder die TV-Adaption mit Tim Curry angesehen. Aber ich habe im Laufe der Jahre eigentlich ziemlich genau mitbekommen was alles in „ES“ geschieht und welche verstörenden bzw. behämmerten Szenen im Buch sind. Das heißt ich kenne die Handlung, habe aber keine besonders starken nostalgischen Gefühle was Buch oder die alte Verfilmung angeht. Allerdings finde ich etwas relativ neues ziemlich cool, und das ist die Serie Stranger Things. Und da bin ich scheinbar nicht der einzige, denn die Leute hinter den Kulissen dieses Remakes haben letztes Jahr wohl auch Stranger Things auf Netflix angesehen und sich dabei einige Notizen gemacht. Und ich glaube, dass das einen deutlichen, positiven Einfluss auf den Film hatte. Die Chemie der Kids aus dem Losers-Club ist vollkommen überzeugend und man mag die ganzen Knirpse. Es steckt ein großer Anteil „Coming-of-Age“-Film in „ES“, der nur dadurch funktioniert, dass man die einzelnen Figuren sympathisch findet. Finn Wolfhard, bekannt aus Stranger Things spielt den Witze reißenden Richie, dessen Sprüche tatsächlich witzig sind. Die anderen Jungschauspieler waren mir im Vorfeld alle nicht bekannt, doch sie konnten mich durch die Reihe überzeugen. Der einzige aus dem Losers Club, der zur Randfigur degradiert wurde ist Mike, der schwarze Junge von den man mitten im Film vergisst, dass er überhaupt noch mit dabei ist. Aber mit einem Ensemble von sechs Protagonisten müssen wohl irgendwo Abstriche gemacht werden. Ich mochte den Losers Club, wie sich ihre Freundschaft entwickelte, wie sie miteinander redeten und die typischen Stolpersteine der jungen Teeniejahre überwinden müssen. Ich hätte mir auch einen Film über diese Runde angesehen, wenn kein Clownmonster vorkommen würde. Doch es gibt ein Clownmonster, gespielt von Bill Skarsgård. Und obwohl Skarsgård eine super Performance ablegte, beginnen hier die Probleme des Films. Denn „ES“ ist eben nicht nur ein Coming-of-Age-Film, sondern auch ein Horrorfilm. Leider entschied man sich sehr viel auf Jump-Scares, also „BUH!“-Momente zu setzen, die den Zuschauer kurzzeitig erschrecken, aber keinen langfristigen Grusel erzeugen. Ich finde es leider nicht gruselig, wenn der Clown, plötzlich mit zappelnden Bewegungen und begleitet von ohrenbetäubenden Getöse auf einen zuschießt. Ich erschrecke, ja, aber das hat keine Dauerwirkung. Das ist verdammt schade, denn in seinem Ansatz hat der Film viele verstörende und gruselige Bilder, die von einer subtileren Inszenierung DEUTLICH profitiert hätten. Ja, der Horror macht schon irgendwie Spaß, aber ich glaube es wurde einiges an Potential verspielt, da der Film ohne seine übertriebenen Jump-scares wohl umgehend zum modernen Klassiker avanciert wäre. Die anderen, kleineren Kritikpunkte, wie die übertriebenen Schulrowdies oder der bereits oben erwähnte, vernachlässigte Mike kann ich verkraften, aber das liegt schon schwer.

 

Mein Fazit: 7 von 10 roten Luftballons

Der Film schafft es außergewöhnlich gut Humor, sympathische Coming-Of-Age-Story und Horror zu balancieren. Doch leider ist der Horror, der eben das zentrale Element des Films sein soll, gleichzeitig der schwächste Aspekt von „ES“. Wenn der Film nur ein wenig ruhiger gewesen wäre und mehr auf seine Atmosphäre vertraut hätte, wäre ich hin und weg gewesen. Trotz dessen ist es ein wirklich sehenswerter Streifen, der perfekt in die Halloween-Saison passt.

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