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Feb 22

„EVENT HORIZON“ (1997) Review

Ich habe mir vorgenommen, demnächst ein paar Horror- und Monsterstreifen aus den 90ern hier zu behandeln. Und da zur Zeit dank des thematisch vergleichbaren „The Cloverfield Paradox“, der Film „Event Horizon“ in aller Munde ist, dachte ich mir, dass dieser Weltraumgruselstreifen von 1997 ein guter Punkt ist um mit meinen 90s-Marathon zu beginnen! Also schauen wir, wie immer, zuerst ein bisschen auf die Story des Films, bevor ich mit meiner Kritik richtig durchstarte:

event-horizonWir schreiben das Jahr 2047 als sich das Bergungsraumschiff „Lewis & Clark“ auf den Weg Richtung Neptun macht. Wie die Crew um Captain Miller erfährt, befinden sie sich auf einer geheimen Rettungsmission, denn nach 7 jähriger Funkstille wurde das verschollene Forschungsraumschiff „Event Horizon“ im Orbit des achten Planeten unseres Sonnensystems aufgespürt. Mit an Bord der „Lewis & Clark“ befindet sich auch Dr. Weir, der die Event Horizon baute. Weir erklärt der eingespielten Bergungscrew, dass die Event Horizon nicht einfach ein normales Raumschiff ist, sondern mit einem einzigartigen Antrieb ausgestattet ist, der eine Einstein-Rosen-Brücke erzeugt und dadurch Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit ermöglicht. Als der Antrieb jedoch das erste mal getestet wurde verschwand die Event Horizon und ihr Schicksal war bis zu ihren Wiederauftauchen ungewiss. Captain Miller und seine Leute sind von dem physikalischen Hokus-Pokus relativ unbeeindruckt, aber spätestens als sie die Event Horizon betreten wird ihnen klar, dass hier einige Dinge schief gelaufen sind und das Schiff unheimliche Geheimnisse birgt.

Regisseur Paul W. S. Anderson ist heutzutage hauptsächlich wegen seiner Resident Evil-Filme bekannt, doch die Initialzündung seiner Karriere war 1995 die Verfilmung des Videospiels Mortal Kombat. Nach dessen Erfolg, so erzählt Anderson, hatte er vom Studio Paramount so etwas wie einen Freifahrtschein bekommen und konnte drehen was er wollte. Das erste seiner Folgeprojekte, dass es ins Kino schaffte war „Event Horizon“. Das ursprüngliche Skript nahm er als Basis, formte die Story jedoch nach seiner Vision um. Er wollte einen Geisterhausfilm im Sience-Fiction-Gewand drehen und macht keinen Hehl aus seinen Inspirationen: Der Look von „Event Horizon“ erinnert unweigerlich an den Klassiker „Alien“ von Ridley Scott, was durchaus gewollt ist. Anderson engagierte sogar den Kameramann-Veteran Adrian Biddle, der sein fachkundliches Auge bereits für „Alien“ und „Aliens“ verlieh. Man kann zudem Parallelen zur „Hellraiser“-Reihe und auch Stanislav Lems Roman „Solaris“ erkennen. Und eben auch zu traditionellen Spukhausfilmen wie „The Shining“ und „The Haunting“ (im deutschen „Bis das Blut gefriert“ – grandioser Film, für den ich auch mal eine Review schreiben sollte). Es gibt sogar zwei Szenen, die den Filmen nachempfunden wurde. Trotz dieser vielen optischen Anspielungen und klaren Referenzen, die sich Anderson erlaubte wollte er ein eigenes, klar zu erkennendes Design für das Raumschiff Event Horizon haben. Die Idee war, dass das komplette Schiff aus Elementen Notre Dames zusammengebastelt wird. Das hört sich im ersten Moment komisch an, aber wenn man genau aufpasst, bemerkt man immer wieder die gotischen Versatzstücke im futuristischen Design des Raumschiffs. Es wurden viele riesige Sets und detaillierte Modelle für den Film gebaut, die wirklich fantastisch aussehen. Auch die Make-Up-Effekte, wenn es dann etwas blutiger im Film zugeht sind bombastisch. Weniger gut sind die Computereffekte gealtert. Wenn in der Schwerelosigkeit Gegenstände oder blasen aus Flüssigkeit herumschweben wird man schnell daran erinnert in welcher Zeit dieser Film produziert wurde. Gottseidank nehmen diese weniger überzeugenden CGI-Effekte keine überhand und der Film besticht mehr durch seine cool aussehenden Szenen. Die Crew der Lewis & Clark ist gut besetzt, auch wenn mir ein- zwei Charaktere etwas zu überspitzt gezeichnet sind. Doch Laurence Fishburne als Captain Miller macht diese kleinen Fehltritte wieder wett. Eindeutiger Showstehler ist jedoch Sam Neill als Dr. Weir. Neill ist ein vollkommen unterbewerteter Schauspieler, der zu unrecht immer nur auf seine Rolle als Dr. Alan Grant in Jurassic Park reduziert wird. Wie ihr merkt gefällt mir der Film eigentlich ziemlich gut, aber das faszinierende am Streifen ist was er hätte sein können. Denn Paul Anderson hatte eine deutlich blutigere und brutalere Version des Films geplant – und auch gedreht! Leider wurde nur eine stark gekürzte Fassung veröffentlicht. Das lag daran, dass sich Paul Anderson für den Schnitt des Films übernommen hatte. Statt den, ihm eigentlich zustehenden, 10 Wochen für seine erste Schnittfassung hatte er nur 4, bei denen er zwischendurch noch Regie für die Nachdrehs führte. Als es daran ging die ersten Testvorführungen durchzuführen, war der Film viel zu lang, schlecht geschnitten und der Tonmix war während des Fluges von England in die USA fertiggestellt worden. Das Testpublikum und das Studio waren sehr unzufrieden und der Film wurde aus der Not heraus im Schnellgang extrem gekürzt. Und diese Fassung kam dann auch ins Kino, wobei sehr viel der interessanten, makaberen und bizarren Momenten aus dem Finale der Schere zum Opfer fielen und dem Streifen ein letzter Feinschliff fehlt. Der Film war an den Kinokassen ein kompletter Flop, doch hat inzwischen einen Kult entwickelt. Worauf alle warten wäre, dass Paramount Pictures Geld in die Hand nimmt um dem Streifen einen Director’s Cut zu spendieren, der Andersons Ursprungsvision entspricht. Doch auch so ist Event Horizon ein sehenswerter Film für alle die auch auf Horror fernab der guten alten Erde stehen.

Mein Fazit: 7,5 von 10 Pinupkalender von 2047

Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach eine schwäche für Horror, Sience-Fiction und Sam Neill habe, dass mir „Event Horizon“ so gut gefällt. Ich finde aber, dass der Streifen 1997 zu unrecht von Kritiker verrissen und von den Kinogängern gemieden wurde. Hoffen wir nur, dass mit der Renaissance und Wiederentdeckung des Streifens bald an einem Director’s Cut des Films gearbeitet wird – denn selbst in dieser “verstümmelten Version” ist dies meiner Meinung nach immernoch Paul W. S. Andersons bester Film. Und nachdem nun (gottseidank) die Resident Evil Reihe ihr vorläufiges Ende gefunden hat, hätte er zumindest wieder etwas mehr Zeit.