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Jun 05

“EXTRACTION” (2020) Review

Was ist das denn für eine explosive Komibnation, die da plötzlich auf dem Streamingdienst Netflix aufschlug? Für „Extraction“ bzw. „Tyler Rake: Extraction“ wie er in Deutschland betitelt wurde, versammelten sich viele Schlüsselpersonen aus dem erfolgreichen Marvel-Franchise um einen kompromisslosen Actionfilm ala „John Wick“ zu produzieren. Ob ihr euch die zweistündige Baller-Achterbahnfahrt genehmigen könnt, oder doch lieber zu etwas anderen greifen solltet werde ich euch nach der traditionellen Handlungszusammenfassung sagen.

extraction-2020Tyler Rake war früher Teil einer australischen Militär-Spezialeinheit, nun wird er jedoch von seinen tragischen Verlusten heimgesucht und arbeitet als beinharter Söldner. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Dhaka, wo er Ovi Mahajan den Sohn eines indischen Drogenbosses aus den Klauen eines konkurrierenden Gangsters befreien soll. Der Drogenboss, der Tyler angeheuert hat, hat jedoch nicht vor diesen zu bezahlen. Statt dessen entsendet er auch noch selbst seine Häscher, die Tyler ausschalten und den Jungen zurückbringen sollen, sobald der Söldner die „Drecksarbeit“ erledigt hat. So steht Tyler zwischen den Fronten der beiden Verbrecherkartelle, die beide über Leichen gehen um an Ovi zu kommen.

Mit Chris Hemsworth in der Hauptrolle, kann sich Extraction mit einem der aktuell größten Filmstars rühmen. Hinter der Kamera auf den Plätzen der Produzenten und Drehbuchautoren finden sich die Russo Brüder, insbesondere Anthony Russo, die mit den Captian America Filmen „Winter Soldier“ und „Civil War“, wie auch „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“ ein paar der erfolgreichsten Blockbuster aller Zeiten gedreht haben. Auf dem Regiestuhl saß Sam Hargrave, der mit „Extraction“ sein Regiedebüt feierte, jedoch seit geraumer Zeit als Stuntman und -koordinator arbeitet – unter anderem für viele Marvelproduktionen. Der Wandel vom Stuntman zum Regisseur hätte früher wohl mehr Leute abgeschreckt, aber wir haben ja alle gesehen, wie beliebt die John Wick-Filme sind, die auch von einem Stuntman-Duo aus der Taufe gehoben wurden. Der Vergleich mit den John Wick Filmen hinkt nicht wirklich, denn wie bei diesen stimmt auch bei „Extraction“ die Action. Sowohl Schießereien als auch Handgreiflichkeiten und Autoverfolgungsjagten sind fantastisch inszieniert. Man spürt als Zuschauer jeden Schlag und jede Kugel. Am spektakulärsten ist der Film wohl, wenn man eine 11-minütige Actionszene ohne einen Schnitt zu sehen bekommt. Gut, hier wurde zwar digital etwas nachgeholfen da nicht wirklich alles in einem Take gedreht wurde, aber cool aussehen tut es trotzdem. Man merkt, dass hier jemand am Werk war, der das Stunt-Handwerk versteht und der sich auch nicht zu schade ist sich selbst mit der Kamera in der Hand an ein Auto schnallen zu lassen. Trotzdem konnte ich den Film nicht wirklich genießen. Hemsworth, der blonde Krieger der mindestens einen Kopf größer als jeder seiner Gegner ist, mordet sich im Laufe des Films durch knapp 200 südasiatischer Gangster, Soldaten und Polizisten. Als sich ihm Kindersoldaten in den Weg stellen bringt er diese zwar nicht um, aber zimperlich geht er auch nicht mit denen um. Irgendwie kommt man sich vor, als würde man jemand beim Call of Duty spielen über die Schultern sehen – alles hat diesen hässlichen gelben Farbteint, die Handlung ist dünn, trieft aber von übertriebenen Pathos und Tyler Rake ist ein generischer Badass auf einer 2 Stündigen Escort-Mission. Tyler Rake wird einem vorgestellt, wie er, nachdem er mit seinen Kollegen gesoffen hat, von einer 30 Meter hohen Klippe in einen See spring um auf dessen Grund im Schneidersitz über sein Leben nachzudenken. Diese ironielose Präsentation vom gebäutelten, aber rechtschaffenden „weißen Retter“, der hier drei mal so viele Leute um die Ecke bringt wie John Wick in seinem ersten Film, kommt bei mir einfach nicht gut an.

daumen-runterMein Fazit: Ein Söldnerdaumen nach unten

Auch wenn die gesamte handgemachte Action toll ist, hat der Film für mich zu viele Probleme um zu funktionieren. Die Handlung ist sehr rudimentär und Klischeebeladen und die Hauptfigur ist weder interessant noch sympathisch genug um über dies hinweg zu täuschen. Da der Film sich außerdem so verdammt ernst nimmt, verlässt man durch die schier absurde Anzahl an Leichen, die Tyler Rake bei seinem Feldzug durch Bangladesch hinterlässt, den Film mit einem unguten Gefühl im Magen. Abgesehen von seinen Stunts hat „Extraction“ so wenig zu bieten und geht so generisch mit seiner Titelfigur und so geschmacklos mit dessen Widersachern um, dass der Fil in meinen Augen hauptsächlich eines ist: Ziemlich Stumpf.