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Mai 30

„FRANKENSTEINS MONSTER IM KAMPF GEGEN GHIDORAH“ (1964) Review

Es wird schon direkt knapp für mich diese Review noch vor dem Kinogang zum aktuellen amerikanischen Godzillafilm „Godzilla II: King of the Monsters“ raus zu hauen, aber ich strenge mich an. „King of the Monsters“ von 2019 wird ja, wie einige wissen, eine Art Neuinterpretation von „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ von 64. Damals hatte Toho nach ein paar Filmen in denen sich Godzilla mit je einem anderen Monster kloppte die Idee einen Team-Up-Streifen zu machen. Tohos drei erfolgreichste Kaiju Godzilla, Rodan und Mothra sollten hier auf einen interstellaren Bösewicht in Form des dreiköpfigen Drachen King Ghidorah treffen. Nun 2019 erwartet uns in der Fortsetzung des Godzillafilmes von 2014 das gleiche Raster an Monster. Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf Hollywoods Blockbustervariante dieser Geschichte, aber zuvor schauen wir uns das Original an:

frankensteins-monster-im-kampf-gegen-ghidorahWährend eines Meteoritenschauers wird Reporterin Naoko Zeuge davon wie ein Meteor in in eine japanische Bergregion einschlägt. Aber nicht nur die Untersuchung dieses seltsamen, außerirdischen Felsklotz ist eine interessante Story für Naoko! Von ihrem Bruder, dem Polizisten Shindo, erfährt sie einige Details über den Flugzeugabsturz einer Prinzessin, die unterwegs nach Japan zu einem Staatsbesuch war. Kurz nach diesem verhängnisvollen Unglück taucht jedoch eine Straßenpredigerin auf, die der totgeglaubten Prinzessin aufs Haar gleicht, jedoch behauptet von der Venus zu stammen und die Menschheit vor dem außerirdischen Weltenzerstörer King Ghidorah warnt. Unterdessen tauchen die Monster Godzilla und Rodan auf, die sich in einem Kräftemessen quer durch Japan prügeln. Doch dies scheint das geringere Problem, als sich die Warnungen der Prinzessin/Prophetin bewahrheiten und aus dem erwähnten Meteoriten der goldene, dreiköpfige Drache King Ghidorah schlüpft und direkt eine Schneise der Verwüstung hinter sich herzieht. Naoko und Shindo, die eigentlich schon genug damit beschäftigt sind die Prinzessin vor fiesen Attentätern zu beschützten, bitten die Shobijin, die kleinen Zwillingsfeen von Infant-Island ihre Beschützergottheit Mothra zu fragen ob diese Ghidorah aufhalten könnte. Da Mothra jedoch noch in ihrem Larvenstadium ist, wäre die einzige Chance gegen den mächtigen Aliendrachen zu bestehen, wenn sie Godzilla und Rodan zur Zusammenarbeit überreden könnte.

„Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ stellt die Blaupause aller Team-Up-Filme dar, in denen die Protagonisten zuerst einen Konflikt untereinander austragen um sich jedoch dann angesichts einer großen Bedrohung zusammenschließen. Und dafür ist King Ghidorah genau das richtige Monster gewesen. Er überragt Godzilla und Rodan, hat für jeden seiner Wiedersacher in diesen Film einen Kopf, kann fliegen und schießt zerstörerische Energie- bzw. Gravitationsblitze aus seinen Mäulern. Ein goldener Zerstörer, der laut der Prophetin von der Venus bereits seit Jahrtausenden Zivilisationen auf allerhand Planeten auslöscht. Das ist schon ne verdammt epische Backstory und ein kreatives sowie anmutiges Design, wodurch es kaum verwunderlich ist, dass Ghidorah als größter Bösewicht des Godzilla-Kosmos gilt. Trotzdem ist „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“, oder „Ghidorah, the three-headed monster“, wie Film auf dem amerikansichen Markt heißt, ein eindeutiger Kinderfilm, ganz im Stil wie sein Vorgänger „Mothra vs Godzilla“. Tatsächlich erschien „Ghidorah“ noch im selben Jahr wie „Mothra vs Godzilla“ und vielleicht stammen die paar Unzulänglichkeiten des Films aus der sehr kurzen Produktionszeit. Die menschlichen Figuren, wie Reporterin Naoko und ihr Bruder Shindo sind zwar charmant und das Zwillings-Gesangsduo „Peanuts“ als kleine Shobijin waren zu diesem Zeitpunkt in ihrer Rolle wohl schon vollkommen routiniert, doch es ist wie so oft der „menschliche Plot“ der diesen Kaijufilm etwas ausbremst. Die Handlung um die Prinzessin, die von Attentätern verfolgt wird, will nicht so richtig zum Monster-Mash passen, dominiert aber einen Großteil des Films. Die Kostüme, die die Landesmänner der Prinzessin tragen möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, da die aussehen wie aus einer Grundschulaufführung von Hamlet. Doch wer über dies hinwegsehen kann, hat immer noch die solide Monstergeschichte. Godzilla und Co agieren hier auch schon sehr anthropomorph, sprich, Rodan kichert hämisch, wenn Godzilla einen Felsen auf den Kopf kriegt, usw. Wie gesagt, es handelt sich einfach mehr um einen Kinderfilm. Dazu passt auch Godzilla und Rodans Wandel von bösen Monstern zu den Helden der Story. Meine Lieblingsszene im Film, egal wie dämlich das wohl klingen mag ist, wenn Mothra versucht die beiden Streithähne Godzilla und Rodan zur Zusammenarbeit zu überreden und die Shobijin für die menschlichen Zuhörer die Unterhaltung übersetzten. Die kämpfe zwischen den Monstern arten im Nachhinein auch mal in eher infantilen Spaß aus – mit gezielten Blitzschüssen Ghidorahs auf Godzillas Intimbereich, einigen Felswerfereien und witzigen Team-up-Moves wie einer Mothralarve, die auf Rodan reitend Ghidorah mit Seidenfäden einspinnt. Ein kleiner Fehlschritt bezüglich Mothra ist, dass zwischen „Mothra vs Godzilla“ und „Ghidorrah“ eine der beiden Mothralarven verstorben ist – dies wird allerdings nur in einem Nebensatz erwähnt. Es hätte den Film deutlich mehr kniff gegeben, wenn z.B. Ghidorah eine der Larven erledigt hätte, anstelle diese Off-Screen sterben zu lassen. All dieser Kritik zum trotzte muss ich mich jedoch als Fan des Films outen, denn er trägt das Herz an der richtigen Stelle, sprüht vor dem Showa-Ära-Toho-Charme, den man in einigen späteren Filmen vermisst und zudem lenkte er Godzilla und Co auf ein Gleis, das nicht ohne Grund Hollywood nun wieder befahren will.

 

 

Mein Fazit: 7,5 von 10 an den Vulkanrand gewehten Hüten

Man hört nicht umsonst oft, dass dieser Film der „Avengers“ unter den Kaijufilmen ist. Hier wurde Godzilla erstmals zum Helden und mit Ghidorah als Gegenspieler wurde ein grandioses neues Monster vorgestellt, das die vereinten Kräfte der etablierten Toho-Monster herausfordert. Der Film mag seine Hänger haben, aber für alle, die früher am Sonntagnachmittag im Schneidersitz vor der Glotze saßen und Kabeleins eingeschaltet hatten ist der Film nichts desto trotz empfehlenswert, denn damals habt ihr den bestimmt noch nicht gesehen. Aus irgendwelchen Gründen schaffte es dieser Film erst 2011 in unsere germanischen Breiten. Es wurde sich bei der Lokalisierung jedoch, wie es der deutsche Titel erahnen lässt, mühe gegeben den Stil der Monsterreleases der 60er zu rekreieren. Das heißt, dass es für mich als ich den Streifen einlegte so war als hätte ich einen neuen Film aus meiner Kindheit entdeckt – was schon ein bisschen magisch war. Hoffen wir nun also, dass ich die gleiche Magie bei „Godzilla II – King of the Monsters“ auch spüren werde.