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Jun 25

„GAMERA – GUARDIAN OF THE UNIVERSE“ (1995) Review

gamera-1Wer oder was ist denn Gamera? Bevor wir uns mit den heutigen Film beschäftigen möchte ich einen kurzen Ausflug in die Geschichte Gameras machen. Gameras erster Filmauftritt war 1965 in „Gamera – Frankensteins Monster aus dem Eis“ (Nein, Gamera hat nichts mit Frankenstein zu tun). Dieser Film war eine direkte Antwort des Filmstudios DAIEI auf TOHOs Godzillareihe und auf den damalig durchstartenden Trend der Riesenmonsterfilme (Kaiju Eiga). Die japanische Filmindustrie hat leider nicht so viel Geld zur Verfügung wie die amerikanische, und auch dort waren Monsterfilme ehe „Low Budget“. Und jetzt muss man noch mit einrechnen, dass DAIEI noch weniger Geld als Toho in die Finanzierung ihres Monsters stecken konnte. Wer also findet, dass alte Godzillafilme billig aussehen, der wird bei den alten Gamerastreifen aus den Socken kippen. Gamera ist eine riesige auf zwei Beinen laufende Schildkröte mit Stoßzähnen und Feueratem. Anders als Godzilla, der zumindest ursprünglich einen seriösen Unterton hatte, war die Gamerareihe sehr schnell nur noch infantile Kinderunterhaltung. Die Streifen aus den Sechzigern und Siebzigern kann man als „So schlecht, dass sie schon wieder gut sind“-Filme betrachten. Nervige Kinder feuern den ungelenken Gamera an, der in hanebüchene Kämpfe an einem riesigen Reck rotiert und auf Monster mit einem Messer als Kopf und dergleichen trifft – komplett abgefahrener Shit, dem aber schnell die Luft ausging. Gamera war am Ende viel zu lächerlich und bescheuert und als DAIEI bankrott ging war es eigentlich auch um Gamera geschehen. Es dauerte bis in die Neunziger, denn plötzlich waren die Godzilla im Kino auch wieder erfolgreich und DAIEI war auch wieder aus der Versenkung aufgestanden – höchste Zeit für ein Reboot von Gamera! Der Aufstrebende Regisseur und Durch-und-Durch-Kaiju-Fan Shusuke Kaneko landete den Deal den Film umzusetzen, der der Beginn einer Trilogie werden sollte. Und damit will ich auch gleich verkünden, dass ich mir in den nächsten Tagen die komplette Gamera-Trilogie von Kaneko zu Gemüte führen werde. Fangen wir also mit dem ersten Teil der Reihe „Gamera – Guardian of the Universe“ an.

gamera-guardian-of-the-universe-blurayAuf dem Goto Archipel im Pazifik verschwinden einige Leute, und der einzige Hinweis auf deren Verbleib ist ein rätselhafter Funkspruch in dem von einem riesigen Vogel gesprochen wird. Aus diesem Grund holt der ermittelnde Polizeiinspektor Osako die Ornithologin Mayumi an Bord um die Vorkommnisse auf der Inselgruppe zu untersuchen. Relativ schnell werden die beiden fündig und stoßen auf drei rasch wachsende flugsaurierähnliche Kreaturen. Unterdessen läuft vor der Küste der Philippinen ein Frachstschiff mit nuklearen Gefahrengut auf ein Atoll auf. Nachdem der erste Schreck überwunden ist und festgestellt wurde, dass nichts von dem transportierten Plutonium ins Meer gelangte, inspiziert der Marine Offizier Yonemori gemeinsam mit dem Wissenschaftler Naoya Kusanagi dieses seltsame Atoll und stellen bald fest, dass es sich dabei um ein schwimmendes in Stein gehülltes Objekt handelt auf dem Artefakte einer längst vergangenen
Zivilisation zu finden sind. Die Erforschung des Objekts wird aber rapide unterbrochen. Als die Regierung versucht die neu entdeckten Flugsauriermonster in Fukuoka einzufangen erwacht zeitgleich das Atoll zum leben und entpuppt sich als 50 Meter große Schildkröte die scheinbar über einen Raketenantrieb verfügt. Yonemori und Kusanagi untersuchen die geborgenen Artefakte und finden Hinweise auf die gemeinsame Herkunft der Riesenschildkröte Gamera und die geflügelten Gyaos. Durch den Kontakt mit einem der Artefakten beginnt Kusanagis Tochter Asagi eine geistige Verbindung mit Gamera aufzubauen.

Es war wie eine Fackelübergabe im Jahr 1995. Mit „Godzilla vs Destoroyah“ beendete Toho ihre Zweite Godzillareihe mit dem Tod des titelgebenden König der Monster und Daiei brachte den ersten Teil ihres Gamerareboots in die japanischen Kinos. Und dies war nun, nach einem dreißigjährigen Schattendasein das erste mal, dass die Riesenschildkröte mit Godzilla mithalten konnte. Obwohl das Budget immer noch kleiner war als beim Platzhirsch Godzilla hatte „Gamera – Guardian of the Universe“ Effekte, die mit State of the Art für Kaijufilme der Zeit waren. Ich meine es sind immer noch Leute in Gummikostümen, die Modellstädte zerkloppen, aber dies ist ein Genrestandart, den ich nur ungern missen möchte. Unter anderen kann man für die coolen Effekte da wohl dem Chef der Special Effekts Shinji Higuchi danken, der bereits ein paar Erfahrungen in einem Godzilla- und einem Ultramanfilm sammeln konnte und später sein können bei Shin Godzilla wieder unter Beweis stellen konnte. Hauptverantwortlicher für Gameras raketenhaften aufstieg wird jedoch der bereits erwähnte Shusuke Kaneko sein, der den Film nicht nur zu einen der kompetentesten seines Genre machte, sondern ihn auch mit wunderschönen Kameraeinstellungen würzte. Trotz seiner fantastischen Elemente wie dem japanischen Schulmädchen, dass eine telepathische Verbindung zu einer feuerspuckenden Riesenschildkröte aufbaut, wirkt der Film seltsam bodenständig. Die menschlichen Figuren des Films sind allesamt sehr sympathisch. Am meisten stechen der etwas Ängstliche Polizeiinspektor Osako, gespielt Yukijiro Hotaru und die von Ayako Fujitani gespielte Asagi hervor. Beide haben auch in den folgenden Filmen kleine und größere Rollen, wobei sie in den Filmen selbst kaum aufeinandertreffen. Ein Stück Trivia, dass ich euch nicht vorenthalten möchte ist, dass Ayako Fujitani die Tochter von niemand geringeren ist als Steven Seagal. Aber wer sieht schon Kaiju-Filme wegen ihren menschlichen Hauptdarstellern an? Befassen wir uns mit den Monstern: Wie Godzilla erhielt auch Gamera ein ordentliches Make-Over für sein Reboot. Das neue Design von Gamera ist sehr nah am original, ist jedoch von deutlich höherer Qualität. Erhalten blieb das etwas knuffige Aussehen Gameras mit den großen Kulleraugen – etwas, was sich, wenn ich das vorwegnehmen darf, in den kommenden Filmen der Reihe zusehends verändern wird. Doch trotz seiner etwas kindlichen Proportionen kann Gamera sehr badass sein und liefert sich ein paar spektakuläre Kämpfe mit den immer größer werdenen Gyaos. Übrigens steckt in unter der zentimeterdicken Gummihaut von Gyaos die erste Frau, die ein Monster in einem japanischen Monsterfilm dieser Art spielt. Generell wollte Regisseur Shusuke Kaneko mehr auf weibliche Rollen in seiner Reihe setzen, um mehr Frauen das Riesenmonstergenre nahe zu bringen. Das klappte vielleicht nicht zu hundert Prozent, aber Kaneko startete damit eine der besten Kaiju-Reihen die es je gab.

 

Mein Fazit: 8 von 10 Stahl zerschneidenden Schreien

Daiei hat seine Karten damals sehr gut gespielt. Kaneko und Higuchi sind ambitionierte Leute, die aus der ehemaligen Lachnummer Gamera ein mehr als würdiges Franchise machte um das von Godzilla hinterlassene Machtvakuum zu füllen. Und wessen Interesse ich geweckt habe, der kann den Streifen sogar komplett umsonst und legal auf dem Streamingdienst und Youtube-Channel „Netzkino“ ansehen. Auf Netzkino gibt es zwar zugegebener Maßen zu 90% nur Schrott, aber die Gamera-Filme der 90er sind zweifellos die Perle in ihrem Angebot.