«

»

Apr 12

„GHOST IN THE SHELL“ (2017) Review

Ghost in the Shell ist einer der einflussreichsten Animes aller Zeiten. Ich liebe den Film und um ehrlich zu sein hat mich der Hype um das Remake mit Scarlett Johansson schon etwas gepackt, als ich den Trailer sah. Nun, nachdem ich die letzten Wochen im Urlaub war, habe ich endlich Zeit gefunden ins Kino zu gehen und mich selbst davon zu überzeugen, ob Hollywood eine gute Animeadapiton hinbekommen hat. Befassen wir uns kurz, und ohne zu viel zu verraten mit der Handlung, bevor ihr aus den Mund eines echten Ghost in the Shell-Fans hören könnt, wie gut oder schlecht der neue Film ist.

 

ghost-in-the-shell-2017In einer nicht all zu fernen Zukunft sind Cyberupgrades bei Menschen ganz normal. Fast jeder hat sich auf die eine oder andere Art und Weise technisch verbessern lassen. Ein Unikat ist jedoch Major Mira Killian, deren kompletter Körper, abgesehen vom Gehirn synthetisch ist. Sie hat ihr eigenes menschliches Bewusstsein, befindet sich jedoch in einen künstlichen Körper – Der Ghost in the Shell. Major Mira ist Teil der Sondereinheit Sektion 9, die Cyberterrorismus bekämpft und damit ist sie an foderster Front dabei, als der rätselhafte Hacker Kuze Roboter benutzt um führende Wissenschaftler und hochrangige Führungskräfte des Großkonzerns Hanka Robotics zu töten. Das ist übrigens auch der gleiche Konzern, der Mira ihren künstlichen Körper verpasste, als diese im Sterben lag. Bei Majors Ermittlungen gegen Kuze deckt sie auch einige Geheimnisse über ihre eigene Vergangenheit auf.

 

Die Hollywoodadaption von „Ghost in the Shell“ ist auf dem ersten Blick gelungen. Eigentlich alle ikonischen Momente und Schlüsselszenen sind fast 1:1 für die Liveactionfassung repliziert worden. Die vielen optischen Referenzen zum Original sind aber hauptsächlich Blendwerk. Tatsächlich hat Hollywood um diese ganzen ikonischen Momente des Originals eine fast völlig andere Story herum gebastelt. Eine Story, die mich irgendwie eher an Robocop erinnert. Major ist in der amerikanischen Variante auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, doch der Leitspruch für sie lautet: „Es sind nicht die Erinnerungen, die uns ausmachen, sondern unsere Taten“. Eine recht gegensätzliche Aussage zum Original, in dem eher davon die Rede ist, dass die Persönlichkeit eines Menschen zum großen Teil das Resultat seiner Erinnerungen ist. Aber bei so etwas zeigt sich, dass wir es mit der Popcornvariante von „Ghost in the Shell“ zu tun haben. Regisseur Rupert Sanders hat bisher nur den mäßig guten „Snow White and the Huntsman“ in seinem Résumé, der auch mehr auf Optik als auf Substanz setzte. Wie ich in meiner Review zum Anime von 1995 bereits schrieb ist “Ghost in the Shell” sehr schwere Kost und anspruchsvolles Material. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie die Studiobosse den Anime ansahen und meinten, dass sie einen Film wollen der so aussieht, jedoch mit einer Handlung, die deutlich massentauglicher sein müsste. Bestimmt bin ich nicht der erste, der sagt, das Remake sei eine “Shell” ohne einen “Ghost”. Mich erinnert die Sachlage tatsächlich stark an das Schicksal vieler japanischer Serien wie “Voltron”, “Saber Rider” oder die “Power Rangers”, die von amerikanischen Fernsehsendern gekauft und vollkommen umgeschnitten wurden um eine andere Handlung zu erzählen, die eher den westlichen Standarts entspricht. Die 2017er Version von Ghost in the Shell kann der von 1995 zwar nicht im Ansatz das Wasser reichen, doch es gibt auch einige positive Sachen über den Film zu sagen. Abgesehen von der weitesgehenden Abstinenz asiatischer Schauspieler in den tragenden Rollen, finde ich den Film recht gut besetzt. Trotz all der Whitewashing Kontroverse ist Scarlett Johansson eine sehr gute Wahl für eine westliche Version von Major. Auch Pilou Asbæk als Batou hat mir gut gefallen, wobei meine Wunschbesetzung immernoch Ron Pearlman wäre. Das Hollywood mehr auf die Schauspieler aus Fernost vertrauen sollte, beweist Takeshi “Beat” Kitano (Battle Royale, Takeshi’s Castle), der hier eindeutig die Show stiehlt. Des Weiteren ist wie eingangs erwähnt die Optik im Film überzeugend. Die Cyberwelt in der die Handlung spielt sieht sehr cool aus und trotz der abgeflachten Handlung erweicht es schon auf gewisse Weise mein Fanherz, wenn ich sehe, wie die Bildgewalt eines meiner Lieblingsanimes übersetzt in einem Liveactionfilm sehe. Doch sorry, nichts in diesen Film wird sich so in meine Retina brennen, wie die Szene im Anime mit Major auf dem Panzer.

 

Mein Fazit: 5 von 10 militärstandard Augenprotesen

Seien wir ehrlich, wir haben schon wesentlich, WESENTLICH schlechtere amerikanische Adaptionen von japansichen Filmen gesehen. *hust*Dragonball Evolution*hust* Ghost in the Shell ist nicht der philosophische und tiefgründige Film mit verstörenden und beeindruckenden Szenen wie das Original, doch es ist ein unterhaltsamer Film, durch den hoffentlich mehr Leute den Anime entdecken. Und wisst ihr was, der Streifen ist auch eindeutig ein besseres Remake von Robocop, als der grottige Streifen mit Michael Keaton und Samuel L. Jackson.

1 Ping

  1. “DEATH NOTE” (2017) Review » Degl-Toons

    […] Nach “Ghost in the Shell” im Frühjahr wird uns nun die zweite amerikanische Realfilmadaption eines japanischen Animemeisterwerks präsentiert. “Death Note” ist seit 25.08.17 auf Netflix verfügbar. Wie bei Ghost in the Shell auch wurde die Produktion von einer “Whitewashing”-Kontroverse überschattet und viele Fans des Animes und Mangas hatten ein ganz mieses Gefühl was das amerikanische Spielfilmremake angeht. Ich selbst zähle mich auch zu dem Fankreis der Reihe. Ich habe damals die Mangas immer am ersten Erscheinungstag gelesen und die fantastische Animeserie verfolgte ich auch. Es gab auch schon einemehrteilige japanische Realfilmfassung des Stoffes produziert, die teilweise recht okay war, aber nicht mit Manga und Anime mithalten konnte. Sehen wir mal ob es die Amerikaner besser machen! Auf zur Handlungszusammenfassung: […]

Kommentare sind deaktiviert.