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Aug 23

“GHOSTBUSTERS (2016)” Review

Ghostbusters-Fasching

In meinem Freundeskreis LIEBEN wir die Geisterjäger

Der Film Ghostbusters ist ein Phänomen. Kaum ein Film kann mit dem Kultstatus mithalten! Das hat viele Gründe: Dan Ankroyd feilte Jahre an der Idee des Films, da er selbst von paranormalen Phänomenen begeistert ist. Der Film wurde mit viel Herzblut gemacht und die Schauspieler blühten in ihren Rollen so gut auf, wie es nur möglich ist. Allen voran natürlich Bill Murray, dessen charmanter und sarkastischer Dr. Peter Venkman immer noch seines gleichen sucht. Der Film hat brilliante Dialoge aus denen dutzende kultige Filmzitate sprudelten. Die Handlung bietet genügend für unterschiedlichste Zuschauergruppen, ohne dass jemand wie bei einem modernen Blockbuster, die Ecken und Kanten abfeilte. Die Idee Geister mit Hightechequipment zu fangen schuf einen genialen Mix aus Horror, Fantasy und Science-Fiction, der sowohl für Erwachsenen wie auch für jüngere Zuschauer außerordentlich ansprechend ist. Die Filmmusik geht fantastisch ins Ohr und wirklich jeder kennt und liebt den Titeltrack von Ray Parker jr. Und einer Studie zu folge ist das Logo der Ghostbusters das zweitbekannteste Logo der Welt, direkt nach dem von Coca-Cola. Ghostbusters ist einer der besten Filme aller Zeiten und ich glaube es gibt kaum etwas was man an dem Streifen besser machen könnte. Dem gigantischen Erfolg folgten Zeichentrickserien, Comics und natürlich eine Fortsetzung im Jahre 1989. Diese war zwar meiner Meinung immer noch ein starker Streifen, kommt aber nicht an das Original heran. Danach wollte das Studio weitere Filme machen. Regisseur Ivan Reitman wollte Ghostbusters III machen. Dan Ankroyd und Harold Ramis, die in den Filmen Ray Stanz und Egon Spangler spielten und auch die Drehbücher schrieben, wollten Ghostbusters III machen. Ernie Hudson, der Winston spielte wollte Ghostbusters III machen. Das Studio wollte Ghostbusters III, die Fans wollten Ghostbusters III, jedes vernunftbegabte Lebewesen auf dem Planeten wollte Ghostbusters III … außer dem Hauptdarsteller Bill Murray. Da er es ablehnte einen weiteren Teil zu drehen, schwebte Ghostbusters III für ein viertel Jahrhundert in einem Limbo. Dann starb Harold Ramis. Dieser Verlust war auch gleichzeitig der Todesstoß für jegliche Ghostbustersfortsetzungen. Ohne das komplette Ghostbustersteam wäre es einfach nicht das selbe – vorallem, da Ramis ja nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera aktiv war… Doch gerade als jeder einen neuen Ghostbustersfilm abgeschrieben hat, kam Leben in das Projekt. Sony Pictures, verzweifelt auf der Suche nach einen neuen umsatzstarken Franchise, dass man auch in ein Filmuniversum ala Marvel ausbauen kann, hat sich in der Zwischenzeit alle Anteile an der Marke Ghostbusters gesichert und wollte nun voll durchstarten. Womit die Produktion des wohl umstrittensten Blockbusters der letzten Jahre begannt. Anfangs war ich noch hoffnungsvoll und glaubte dass es sich um eine Fortsetzung der alten Filme mit einem neuen Team handelte, doch um so mehr Infos zu tage kamen, umso kritischer sah ich das Projekt. Nicht, dass ich in irgend einer weise ein Problem mit einer weiblichen Besetzung hätte – ich hoffe, das ist allen meinen Lesern klar – es war eher der Trailer, der schlichtweg nicht lustig war und dessen Geisterszenen nach dem heutzutage typischen 0815-CGI-Feuerwerk aussah. Doch Sony hatte eine fantastische Marketingidee: Jeder der den Trailer nicht mochte oder sich negativ über den Film äußerte musste ein Frauenhasser sein, der nicht mit der Girl-Power des Films zurecht kam. Gerüchte, dass Sony negative Kommentare zum Trailer auf Youtube löschte heizten die Debatte zusätzlich an – insbesondere, weil angeblich nur ganz rationale Kommentare davon betroffen waren und sexistische Hasskommentare absichtlich stehen gelassen wurden um jegliche Kritik als infatile Misogynie abzutun. Wieviel davon wirklich wahr ist, kann ich nicht sagen, aber das ganze Internet entwickelte sich in der ersten Jahreshälfte von 2016 zum Hexenkessel. Mir reichte es und ich schloss mich der Internetpersönlichkeit James Rolfe an, der sich weigerte diesen Film anzusehen, da er kein Interesse an dem Remake hatte. Ich wollte auch kein Geld in den Rachen von Sony werfen, nur weil sie den Namen „Ghostbusters“ auf ihren neuen Film geklatscht haben. Das ganze Drama ist nun etwa ein Jahr her, der Staub hat sich gelegt und ich hatte die Gelegenheit mir den Film anzusehen – sogar im Extended Cut, da ich mir nicht wie bei „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“ vorhalten lassen will, dass für den Film wichtige Szenen in der Kinofassung fehlten. Gut, nachdem ich so viel darüber geredet habe wie es zu diesen Film kam, mache ich mich nun endlich an die Review! Beginnen wir mit der Handlung:

 

ghostbusters-2016Ich gehe davon aus, dass ihr schon mal das Original von Ghostbusters gesehen habt – die grundsätzliche Handlung des Remakes unterscheidet sich nur wenig. Die von Kristen Wiig gespielte Physikerin Erin Gilbert findet heraus, dass ihre alte Freundin Abby (Melissa McCarthy) ein Buch über Geister vertreibt, an dem sie als Co-Autorin mitgearbeitet hat. Da Erin ihre ernsthafte Reputation dadurch bedroht sieht, will sie dem Verkauf des Buches ein Ende bereiten. Erin lässt sich aber von Abby und deren Kollegin Holtzmann (Kate McKinnon) dazu überreden einen angeblichen Spuk zu untersuchen. Dabei treffen sie tatsächlich auf einen Geist! Obwohl Erin nun wieder Feuer und Flamme für das Paranormale ist, wird sie von ihrer Uni geschmissen. Ebenso verlieren Abby und Holtzmann ihre Jobs an der Uni und wollen darum ihre Geisterunersuchungen privat durchführen. Sie mieten sich über einen Chinarestaurant ein und stellen den unterbelichteten, aber äußerst attraktiven Kevin (Chris Hemsworth) als Sekretär ein. Bald trifft die hochenergetische Patty ebenfalls bei den „Geisterjägern“ ein, da sie unheimliche Vorgänge in der U-Bahn beobachtet hat. Patty schließt sich der Truppe an, die von Holtzmann gebaute High-Tech-Geräte bekommt um Geister zu fangen.

 

Ich sah mir den Film an und legte die Latte recht niedrig. Der Trailer war mies, also glaubte ich nicht, dass der Streifen besonders gut sein würde. Tatsächlich wurden nicht mal meine niedrigen Erwartungen erfüllt. Ghostbusters 2016 ist also schlechter als gedacht. Der Film legt viel mehr Fokus darauf eine Komödie zu sein als das Original, das Problem dabei ist, dass der Streifen von 2016 einfach nicht witzig ist – also gar nicht. Der Humor des Films hat verschiedene Aspekte, die ich aufgliedern werde. Erstens hätten wir die ständigen Filmreferenzen: Die Figuren lassen regelmäßig Zitate aus Filmen wie „Der Exorzist“ oder „Scarface“ vom Stapel, oder sagen dies oder jenes ist wie aus einem Patrick Swayze Film oder wie in “Der weiße Hai” und es wird gesagt, dass Chris Hemsworth aussieht wie Thor. Das ist ein Trend, den ich schon länger leidig verfolge. Irgendwie scheint es die neue Form des Humors zu sein einfach auf andere Filme anzuspielen. Die zweite Fassette des Humors in „Ghostbusters 2016“ ist, dass jede Figur komplett inkompetent ist. Jede Figur außerhalb des Teams ist einfach nur auf dem intellektuellen Level von Patrick Star. Allen voran Kevin, dessen Figur nur aus den drei Adjektiven dumm, sexy und egoistisch besteht. Ist es lustig, wenn sich jemand die Augen, anstatt der Ohren zuhält wenn es laut ist? Naja, ich glaube nicht direkt. Die dritte Art humoristischer Einlagen sind Tanznummern. Ja, ich hätte es zwar auch nicht gedacht, aber man hielt es für notwendig insgesamt 5 Szenen einzubauen in denen Hauptfiguren Tanzen. Die vierte Art auf die der Film versucht lustig zu sein ist der ununterbrochene Wortschwall der Ghostbusters. McCarthy und Co sind ununterbrochen am plappern, den ganzen Film über. Das war für mich eher nervenstrapazierend, da so keinerlei Atmosphäre aufgebaut werden kann und das gesagte nur selten auch mal einen funktionierenden Witz enthält – und wenn, dann ist er unter so viel Gegacker vergraben, dass er nicht zünden kann. Vielleicht fragt ihr euch, wieso ich euch hier so detailliert aufschlüssele wie der Streifen seine Gags aufbaut, aber dies hat alles damit zu tun, wie der Film gedreht wurde und warum er so schlecht ist. Wie man aus zahlreichen Interviews mit Regisseur Paul Feig und den Schauspielern weiß, wurde bei den Dreharbeiten extrem viel improvisiert. Man wusste in etwa was in der Szene geschehen soll und die Schauspieler durften einfach mal „lustig“ sein. Genau das hat den Film das Genick gebrochen. Vielleicht wäre der Streifen mit einer klaren Führung und besser durchdachten Charakterisierung der Figuren einigermaßen „okay“ geworden, stattdessen verließ man sich nur auf improvisiertes herumgealber am Set. Und daher kommen die vielen Filmzitate, die ulkigen Tänzchen, die komplett doofen Figuren und das nicht aufhörende Geplapper. Wenn ihr wissen wollt, wie der Humor in diesen Film aussieht, schaut euch einfach mal ein paar Blooper-Reals anderer Filme an, wenn die Schauspieler zwischen den verpatzten Szenen mal einfach absichtlich im einen oder anderen Take etwas bescheuertes machen um die Stimmung am Set aufzulockern. Ich wette die Dreharbeiten haben massig Spaß gemacht, aber solche Sachen sind nur kurzfristig etwas ulkig und auch nur für die Anwesenden. Das dies aber den Großteil eines 144 Millionen Dollar teuren Blockbusterfilms ausmacht,  ist einfach nur erbärmlich. Und hier muss ich nochmal den Vergleich zum Original ziehen, dessen messerscharfen Dialoge und perfekte humoristische Inszenierung unter dem gleichen Titel laufen, wie die infantilen und präpubertären Allüren von Melissa McCarthy und Chris Hemsworth in diesen Film. Das die moderne Variante da gegen das Original abstinkt ist offensichtlich.

reeee-dommi

Als ich einen Kumpel zu seiner Meinung über den Film fragte, bat er mich ihn in meiner Review eine “REEEEE PEPE MEME” einzubauen und ihn zu zitieren. Er sagte wortwörtlich: “I war no nie so salty wegen nem beschissenen Film”… Ich kann da nur zustimmen.

Okay, mit dem Humor kann der Film also nicht punkten und die Handlung des Remakes, die auch größtenteils recycelt wurde gewinnt ebenfalls keinen Preis. Doch komplett unoriginell wollte Paul Feig wohl auch nicht sein. So hat er, als er mit seiner Co-Autorin Katie Dippold das Drehbuch schrieb sich einen neuen Antagonisten ausgedacht. Dessen Geschichte ist zwar auch nicht so der Hammer, aber ich honoriere den Versuch etwas anderes zu machen. Zudem wollte man etwas besonderes mit dem 3D-Effekt machen. Inzwischen ist das 3D-Gimmick schon ziemlich abgedroschen und ich glaube vielen der Kinogängern wäre es lieber wenn sie ihre Filme wieder ohne 3D-Brillen und Preisaufschlag ansehen könnten. Paul Feig wollte aber noch einen drauf legen und den traditionellen 3D-Effekt erweitern. Geister, Kotze, Protonenstrahlen, Funken und manchmal auch die Hände oder Köpfe der Figuren ragen in „Ghostbusters 2016“ über die Breitbandstreifen hinaus. Das mag clever eingesetzt vielleicht einen netten Effekt haben – und ich glaube das es sogar richtig zünden könnte, wenn man es in einer Schlüsselszene nutzt, aber da der Streifen bei jeder Gelegenheit kunterbunte Computergeister über die schwarzen Streifen unter- und überhalb des Bildes „herausragen“ lässt, wirkt dies eher ablenkend und reißt einem ständig aus den Film. Nach nur wenigen Minuten war ich davon genervt. Besonders im vollkommen übertrieben actionlastigen Finale des Films kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Als letztes werde ich das Thema Feminismus noch aufgreifen, da es im Vorfeld des Films von allen möglichen Seiten so aufgebauscht wurde. Dieser Film hat, wie ich finde nichts mit Gleichberechtigung und Girlpower zu tun, wie es von Sony so gerne dargestellt wird. Ich finde, ein feministischer Film sollte starke und interessante weibliche Figuren zeigen. Ich denke da an klassische Filme wie “Alien” und “Terminator”, oder an moderne Streifen wie “10 Cloverfield Lane“, “Wonder Woman” oder “Mad Max: Fury Road“. Was Paul Feig unter Feminismus versteht ist, einfach alle Männer im Film als grenzdebile Arschlöcher darzustellen, damit die Heldinnen im Vergleich zu ihnen als bessere Menschen dastehen. Das ist allerunterste Schublade und beweist nur, wie wenig Mühe man sich gegeben hat um Figuren und Handlung von “Ghostbusters 2016″ zu entwickeln.

An sich war es ein sehr trauriger Abend, denn nicht nur ich sah lustlos in die Glotze, sondern die noch lebenden Hauptdarsteller der Originalfilme schauten auch lustlos aus der Glotze raus. Bill Murray und Co gaben sich alle die Ehre und lieferten ihre (vermutlich durch vertragliche Verpflichtungen erwirkten) Cameos ab. Nichts beschreibt Ghostbusters 2016 besser als die Szene in der ein gelangweilt aussehender Bill Murray von einen Geist aus dem Fenster geworfen wird und Offscreen stirbt, während McKinnon sagt er hätte sowieso nicht das Zeug zum richtigen Ghostbuster gehabt. Leute, solche Gags auf Kosten des Originals könnt ihr euch vielleicht erlauben, wenn euer Film nicht totaler Müll wäre.

Mein Fazit: 2,5 von 10 Remakes die niemand wollte

Wo im Original Talent, und Passion mit kolossalen Erfolg fusionierten, dreht sich hier eben alles nur um den schnöden Mammon. McCarthy ist an Bord, da sich ihre Komödien gut verkaufen, genau so wie Paul Feigs Arbeit. Natürlich ist jeder Film nur ein Produkt mit dem Geld verdient werden soll, aber Ghostbusters 2016 ist das beste Beispiel für einen Streifen, hinter dessen Produktion niemand Interesse an der Materie und den Fans hatte. Und dadurch, dass man sich mit den flachen improvisierten Klamauk zufrieden stellte, zeigte Sony auch, dass sie sich nicht einmal bemühten einen guten Film zu drehen. „Der Name allein wird den Film schon tragen und wir werden uns damit eine goldene Nase verdienen.“ Ich bin froh das der Film floppte – nicht weil ich irgendetwas gegen die Filmemacher dahinter per se hätte, sondern einfach, weil Hollywood dadurch endlich lernt, dass es nicht reicht einen bekannten Namen auf ein miserables Produkt zu kleben um Geld zu verdienen. Jeder der tatsächlich Geld ausgegeben hat um sich „Ghostbusters 2016“ im Kino anzusehen hat für mich das recht verloren sich über die Einfallslosigkeit Hollywoods, die ständigen, unnötigen Remakes (Robocop, Total Recall), Reboots und Sequels, sowie überflüssige Filmadaptionen ala Emojimovie zu beschweren.

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  1. “POWER RANGERS” (2017) Review » Degl-Toons

    […] Transformers, G.I. Joe, den Turtles und zuletzt Ghostbusters, war es doch nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood auf seiner Suche nach „rebootfähigen“ […]

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