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Apr 22

“GODZILLA” (1954) Review

Wenn es einen Film gibt, der mehr Respekt von der Öffentlichkeit verdient, dann dieser Urknall des japanischen Riesenmonstergenres. „Godzilla“, oder „Gojira“, wie er im Original heißt, wird oft das Opfer von Vorurteilen. Die meisten haben vor Jahren mal am Sonntagnachmittag auf Kabel1 an einem der völlig bekloppten Godzillafilme der frühen Siebziger vorbeigezappt und sich auf Grund dessen eine Meinung über die komplette Reihe gebildet. Billiger kunterbunter japano-kitsch für Kinder. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht auch die bescheuerten Godzillafilme als unterhaltsam empfinde. Trotzdem ist es ein fataler Fehler, das Original auf Grund der zugegebener Maßen abgehobenen Filme der späten 60er und frühen 70er zu Verurteilen. Das ist so, als würde man „Batman“ von Tim Burton mit „Batman & Robin“ über einen Kamm scheren. Damit können wir uns nun frei von Vorurteilen dem eigentlichen Film und dessen Handlung widmen:

GOJIRAIn der Nähe der kleinen japanischen Insel Odo spielt sich schreckliches ab. Schiffe versinken und der Fischfang kommt zum erliegen. Behörden und Regierung, sowie der Marineoffizier Otaga rätseln was da vor sich geht, aber die ältesten Einwohner von Odo wissen was dies bedeutet: Das mystische Seemonster Godzilla treibt sein Unwesen! Und tatsächlich, Professor Yamane und seine Tochter Emiko stoßen auf die gigantische Kreatur, die sich aus dem Meer erhoben hat und nun die Küsten terrorisiert. Yamane schlussfolgert, dass der Knall der Atombombe dieses prähistorische Wesen aufweckte. Otaga, der mit Professor Yamane versucht dem Godzilla auf die schliche zu kommen, hat aber nicht nur Augen für die riesige Echse, sondern auch für die junge Emiko. Emiko ist dem nicht abgeneigt, doch sie ist ihrerseits bereits seit Kindertagen dem eigenbrötlerischen Wissenschaftler Dr. Serizawa versprochen, der widerum ein schreckliches Geheimnis hütet. Überschattet wird dieses Drama jedoch von Godzilla vorrücken nach Tokyo. Nichts kann die Bestie stoppen und so bringt sie Tot und Verwüstung in die japanische Metropole.

Wie oben bereits erwähnt ist Godzilla ein sehr düsterer Film. Wir sehen eine Stadt in Flammen, Lazarette voller Verwundeter und dutzende Menschen, die vom Monster direkt oder indirekt getötet werden. Die Grundidee für den Städte zerstörenden Dino kam dem Studio Toho höchstwahrscheinlich durch Ray Harryhausens Film „The Beast from 20.000 Fathoms“, der ein Jahr zuvor in die Kinos kam. Der amerikanische Film hatte zwar durch Harryhausens Genie bessere Effekte, doch was die Inszenierung angeht, übertrumpft Godzilla seine Vorlage. Der düstre Ton, der den Film diktiert ist natürlich nur ein Spiegel der Traumata, denen die Japaner zu dieser Zeit durch die Atombombenangriffe im zweiten Weltkrieg und dem großen Brand von Tokyo 1923 unterlagen. Hiroschima und Nagasaki lagen gerade mal eine Dekade zurück – da konnte man keinen laschen Film über große Zerstörung drehen, da allen noch der reale Schrecken in den Knochen steckte. So ist Godzilla in seinem Debut eine wandelnde Naturkatastrophe, dem das Militär nichts entgegenzusetzen hat. Und so scheint der ganze Streifen mehr ein Katastrophenfilm zu sein, der sich damit beschäftigt, wie die Natur zurückschlägt und sich für die Atombombe rächt. Godzilla ist als Verkörperung der nuklearen Angst, viel authentischer als die meisten amerikanischen Filme mit ähnlicher Thematik. Und während die meisten späteren Godzilla- und Monsterfilme eher die Zerstörung zelebrieren, merkt man hier den Schrecken und das Gewicht des monströsen Amoklaufs.
Godzilla 1954 DVDAber nicht nur das macht Godzilla aus. Es ist auch das brilliante Design des Monsters! Die gezackten Rückenplatten schaffen eine unvergessliche Silhouette und Godzillas Schrei ist einer der bekanntesten Soundeffekte der Kinogeschichte. Geschaffen wurde der markerschütternde Klang, indem man mit einem Lederhandschuh über die Saiten eines Kontrabasses strich. Der Look von Godzilla wird natürlich vom Mann-im-Anzug-macht-Modellstadt-kaputt-Prinzip dominiert. Man kann zwar sagen, dass durch die dunkel gehaltenen Schwarz-weiß-Aufnahmen des Gummidrachens oft gut und bedrohlich für diese Zeit aussehen, denoch wirkt Godzilla eben auch oft wie ein qualmendes Krümelmonster. Wenn man sich allerdings auf den Film einlässt, erwartet einem eine klasse Kombination aus Horror und Tragödie. Einen der wichtigsten Monsterfilme der Kinogeschichte. Es war dieser Film, der aus dem Monster Gojira eine Ikone machte, die in unserem kollektiven Gedächtnis neben Dracula, Frankenstein und King Kong seinen Platz hat.
Da es dem Film an einem coolen, internationalen Trailer mangelt, habe ich für euch diesen sehenswerten Fantrailer aufgetrieben.

Mein Fazit: 9 von 10 Trauerzeremonien mit Kinderchor

Der Klassiker von Ishiro Honda sollte von jedem, der sich für Filmgeschichte oder schlicht und einfach Monsterfilme interessiert angesehen werden. Die Modellstandverwüstung im Gummikostüm trägt einen gewissen Charme mit sich, dem man einfach akzeptieren muss, wenn man sich dieser Art von Film hingeben will. Ein ernster Film über die Ohnmacht gegenüber der Natur und die Zerstörungskraft des Atoms. Als letztes möchte ich noch erwähnen, dass man sich auf jeden Fall Godzilla in der japanischen Schnittfassung ansehen sollte und nicht die gekürzten und veränderten deutschen oder amerikanischen Versionen des Films.

3 Pings

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