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Aug 06

„GODZILLA: EINE STADT AM RANDE DER SCHLACHT“ (2018) Review

Selten gab es für Godzillafans so viel neues Futter wie in den letzten Jahren, und der Strom an neuen Streifen scheint nicht abzureißen. Gerade mal ein halbes Jahr, nachdem Netflix den ersten Godzilla-Animestreifen „Godzilla: Planet der Monster“ weltweit veröffentlichte können wir uns nun schon über dessen Fortsetzung „Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht“ freuen. Ein Film, den ich sehr herbeisehnte, denn „Planet der Monster“ hatte nicht nur ein offenes Ende, der komplette Film war lediglich der erste Akt der Geschichte. Ich nehm den Streifen als „Grundsteinlegung“ jedoch recht gut auf. Werfen wir nun einen Blick auf Teil 2 um zu sehen, ob Toho mit ihrem Zeichentrickexperiment erfolgreich darauf aufbauen kann.

godzilla-eine-stadt-am-rande-der-schlachtWir rekapitulieren den ersten Film: Harou, die etwas an Käptn Ahab erinnernde Hauptfigur, hatte mit seinen Plan Erfolg und schaffte es Godzilla zu töten! Endlich können die Menschen, nach ihrer 20-tausend-jährigen Abwesenheit wieder die Erde neu bevölkern! Denkste – aus den Bergen erhebt sich ein weiterer Godzilla, 300 Meter groß und nicht aufzuhalten! Direkt im Anschluss zu dieser verheerenden Niederlage gegen den gigantischen Godzilla erwacht Harou in einem primitiv wirkenden Feldlager. Anscheinend gibt es auf der Erde trotz der aggressiven Umwelt immer noch Menschen – und eine davon pflegte Harou nach der Schlacht wieder gesund. Bald treffen auch die restlichen Überlebenden des Kampfes gegen Godzilla bei den eingeborenen Volk der Houtua ein. Eine Spur führt sie weiter zu einer gigantischen, futuristischen Stadt, die die Houtua als „giftig“ und „gefährlich“ bezeichnen. Dieses Bollwerk wuchs aus der außerirdischen Nanotechnologie des vor 20 tausend Jahren zerstörten Mechagodzilla und soll nun die Basis für Harous weiteren Kampf gegen Godzilla sein.

„GODZILLA: Eine Stadt am Rande der Schlacht“ ist zwar unterhaltsam und bietet in einigen Bereichen mehr als sein Vorgänger, aber es ist trotzdem auch ein etwas frustrierendes Filmerlebnis. Positiv ist zwar das Volk der Houtua, die wohl nicht zufällig an die Bewohner der „Infant Island“ aus den alten Godzillafilmen erinnern. Auch die Hand voll im Erstling vorgestellten Figuren erhalten hier deutlich weiter ausgebaute Rollen und sogar Hauptfigur Hatou bekommt etwas mehr zu tun als nur grimmig zu gucken und Godzilla zu verwünschen. Die Figuren wirken nun alle etwas dynamischer. Allerdings bietet der Plot, nach dem Finden der Stadt „Mechagodzilla City“ nicht mehr viel Neues. Wieder wird ein Plan geschmiedet und gegen den Godzilla gekämpft – also ein recht ähnlicher Ablauf wie im ersten Film – nur mit etwas mehr Drama und Spektakel gewürzt. Schade ist auch die Abstinenz von Mechagodzilla oder anderen Kaijus, mit denen sich Godzilla kloppen könnte. Es kommen zwar ein paar kleine, aufgemotzte Mechas, die „Vultures“, zum Einsatz, aber Mechagodzilla selbst ist in dem Film nur als Fundament der Stadt tätig, obwohl Poster und Merchandise, die den Film voraus gingen, auf eine bedeutenderen Auftritt der Roboechse hindeuteten. Man baut in diese Animetrilogie so viele ambitionierte Ideen ein, wie Alienvölker, die mit den Menschen zusammenarbeiten, eine postapokalyptische Welt, die von Godzilla als Zentrum des Ökosystems beherrscht wird, Nachfahren der Menschen, Nanometaltechnologie und so weiter, aber irgendwie wird dies alles nur unbefriedigend Ausgenutzt. Es gibt einige colle Elemente, wie die fliegenden Mechas und das Konzept hinter der Nanometalstadt, aber dies wird nicht vollkommen ausgeschöpft. Und andere „Godzilla-übliche-Schauwerte“, wie urbane Zerstörungsszenen oder kämpfe zwischen riesigen Monstern bleiben auch auf der Strecke. Und dieser, größter aller bisherigen Godzillas hat kaum eine Gelegenheit seine immensen Ausmaße zur Schau zur stellen, da er eigentlich nur zum Schluss seinen Auftritt hat und es durch die fremdartige Landschaft keinen Anhaltspunkt für seine Größe gibt. Man kann nicht einschätzen, ob sein Kopf 50, 100 oder 300 Meter über die verschlungenen Mutantenbäume reicht.

Mein Fazit: 5,5 von 10 EMP-Harpunen

Ich ging ursprünglich sehr positiv an den ersten Teil der Animetrilogie heran. Ich kam gut damit zurecht, dass der erste Film eine unvollständige Geschichte erzählte, da ich ja wusste, dass dies eine Trilogie wird, die zuerst als Serie konzipiert war. Allerdings fühlt sich mit dem zweiten Teil die bisherige Trilogie weniger an, wie eine Serie aus der man das Fett herausgeschnitten hat, sondern mehr als wäre die Narrative der ursprünglich geplanten Serie sehr dünn gewesen und ich muss mir selbst bei dieser verkürzten Fassung viel Filler-Material ansehen. Das macht mir es aber recht schwierig die Filme zu bewerten, da „Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht“ generell interessantere Sachen zeigt und vielleicht ein besserer Film als „Godzilla: Planet der Monster“ ist, aber beim Ansehen der beiden merkt man dass sich die Handlung im Kreis dreht und durch die, immer noch träge Erzählgeschwindigkeit, zeigen sich auch am innovativen Setting deutliche Abnutzungserscheinungen.