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Nov 14

“HALLOWEEN” (2018) Review

Letzte Woche habe ich den Original „HALLOWEEN“ von 1976 behandelt, also kann ich mir jetzt bedenkenlos den aktuellen Streifen vornehmen. Aber zuerst möchte ich mich darüber auslassen, wie verwirrend diese Filmreihe ist: Es gab 1981 eine direkte Fortsetzung zum Original. Das Jahr darauf folgte „Halloween III – Season of the Witch“, der nichts mit Michael Myers zu tun hatte. Der Plan war damals aus Halloween eine Art Anthology-Reihe zu machen, bei der jährlich ein neuer, für sich stehender, Horrorfilm erschien, dessen Thema irgendwie mit dem 31.10 verbunden ist. Daraus wurde aber nichts, weil das Publikum kein Interesse an so einem innovativen Franchise hatte. Darum drehte sich in „Halloween IV“ bis „Halloween VI“ wieder alles um Michael Myers, der in diesen Filmen eine Verbindung zu einem druidischen Kult angedichtet bekam. Dies kam allerdings auch nicht besonders gut an und mit „Halloween H20“, zum 20-jährigen Jubiläum erschien ein Film, der Jamie Lee Curtis zurückholte und alle Filme außer den ersten beiden ignorierte. Hierzu erschien 2002 dann eine Fortsetzung namens „Halloween: Resurrection“, die wieder sehr schlecht ankam und damit die Halloweenstory wieder auf Null zurückschoss. 2007 drehte dann der allseits bekannte Hardrocksänger Rob Zombie sein etwas kontroverses Remake des Originals mit dem schlichten Titel „Halloween“ und 2009 dann die noch kontroversere Fortsetzung „Halloween 2“. Dies bringt uns zum aktuellen Streifen „HALLOWEEN“ von 2018, der nicht nur der dritte Film im Franchise ist, der einfach nur „Halloween“ heißt, sondern auch als direkte Fortsetzung des Films von 1978 fungiert und somit alle anderen Streifen ignoriert. Es ist sozusagen der dritte „Halloween 2“… Genau aus diesem Grund habe ich angefangen immer das Erscheinungsjahr der Filme die ich reviewe in den Titel zu scheiben.
Okay, mit dieser Erklärung der kompletten (bisherigen) Halloween-Reihe sollten wir nun alle auf dem selben Stand sein und ich kann euch eine kleine, aber feine Handlungszusammenfassung schreiben, bevor es dann, wie gewohnt zur eigentlichen Review geht:

halloween-2018Seit der „Nacht des Grauens“ von 1978 sind inzwischen 40 Jahre verstrichen. Damals ist der notorische Killer Michael Myers aus seiner Anstalt entkommen und hat in seiner Heimatstadt Haddonfield mehrere Morde begangen. Alle kaltblütig und scheinbar ohne Motiv. Seither ist der extrem schweigsame Michael wieder unter extremer Überwachung in einem Sanatorium untergebracht und fristet dort ein fast schon katatonisches Dasein. Kurz vor dem Jahrestag seiner Mordnacht und einer bevorstehenden Verlegung in eine noch sicherere Anstalt wird Michael und dessen Psychologe Dr. Sartain von einem Paar Podcastern besucht, die eine umfangreiche Reportage über Michael Myers produzieren wollen. Nachdem jedoch aus Michael nicht einmal die Spur einer Reaktion entlockt werden konnte, fahren die Podcaster weiter zu Laurie Strode, die dem Killer damals entkam. Laurie, inzwischen selbst Großmutter lebt in einer abgeschiedenen Hütte, die sie zu einer Art Festung ausgebaut hat. Die Halloweennacht von damals hat tiefe Spuren in ihr hinterlassen. Laurie hat sich ein Leben lang darauf vorbereitet dass Michael Myers eines Tages zurückkommt, was nicht nur sie psychisch belastet, sondern auch ihre komplette Familie. Zu ihrer Enkelin Allyson hat sie zwar ein relativ gutes Verhältnis, aber die Bindung zu ihrer Tochter Karen ist vollkommen zerrüttet. Ob es das alles Wert war wird sich bald herausstellen, denn Michael Myers entkommt erneut.

Das Team hinter dem neuen Halloween ist komisch. Also wirklich komisch im Sinne von witzig. Das Drehbuch stammt von Danny McBride, der hauptsächlich als Comedyschauspieler bekannt ist und in Filmen wie „Superbad“, „Tropic Thunder“, „Ananas Express“ und „Your Highness“ mitspielte. David Gordon Green saß bei den beiden letzt genannten auf dem Regiestuhl und nahm auch bei „Halloween“ erneut darauf Platz. Blumhouse Productions, das Studio dass den Film produzierte scheint Glück mit Teams aus dem Comedybereich zu haben. Letztes Jahr ist ihnen mit Jordan Peeles „Get Out“ auch der große Wurf gelungen. Abgesehen vom frischen Blut hinter der Kamera hat man auch wieder einige alte Hasen zum Franchise zurückgeholt. Allen voran natürlich Jamie Lee Curtis, die hier Feuer und Flamme für ihre Paraderolle war und den Film sogar mit produzierte. John Carpenter hat nach Jahrzehnte langen Fernbleiben zur Serie wieder einmal die Musik für den Film geschrieben und eine verflucht gute, zeitgemäße Neuauflage des Halloweenthemes rausgehauen. Einer der coolsten und vermutlich unauffälligsten Rückkehren ist jedoch Michael Myers selbst, der das erste mal seit dem Original wieder vom Filmemacher Nick Castle gespielt wird! Ich finde den neuen Halloween sehr gelungen. Er ist spannend und liefert auch ein paar schön groteske Kills ab, ohne in einer Gewaltorgie zu eskalieren. Zwar wird sich durch das Quasi-Reboot der Reihe von den anderen Halloweenfortsetzungen distanziert, aber man findet etliche Szenen die auf frühere Halloweenfilme anspielen. Es gibt sogar eine fast direkt aus „Halloween 2“ (1981) kopierte Szene. Die Teenies, die im Film unumgänglich in Michaels Messer laufen, wurden für Horrorfilmverhältnisse sehr sympathisch besetzt. Letzten Endes sind sie zwar nur anwesend um den Bodycount hoch zu treiben, wirken deutlich vielschichtiger als ihre Kollegen in vergleichbaren Slasherfilmen. Trotzdem habe ich hier einige kleine Kritikpunkte. Laurie, die eine hier eine sehr ähnliche Verwandlung von Opfer zu Badass durchmachte, wie einst Sarah Connor von Terminator 1 zu Terminator 2, mag an sich eine coole Figur sein, aber für jemanden, der sich 40 Jahre lang auf genau dieses Szenario vorbereitete wirkt sie relativ planlos als Michael dann tatsächlich vor der Matte steht. Natürlich ist es, wenn ein scheinbar nicht tot zu kriegender Killer hinter einem her ist, eine Situation, die jedem gewöhnlichen Menschen den Verstand rauben würde – Doch Laurie wurde uns als jemand verkauft dessen einziges Lebensziel es war sich auf genau dies vorzubereiten. Einerseits wirkt sie kompetent und hat auch multiple Sicherheitsvorkehrungen im Haus installiert, doch hier hätte ich mir etwas mehr von diesen Vorbereitungen und dem Kampf gegen Michael gewünscht. Macaulay Culkin hat sein Haus besser vor den Einbrechern geschützt – und er hatte nur einen Tag zeit um sich vorzubereiten. Auch die generelle Handlung des Films bietet wenig Neues. Was will man auch nach 10 Filmen noch über einen anscheinend Stummen und motivlosen Killer erzählen? Alles was man bei einer Fortsetzung von Halloween richtig gut machen kann ist, Michael Myers gut zu inszenieren, den Zuschauer eine Paranoia für „The Shape“ entwickeln lassen und Michael mit viel Energie und einer seelenlosen, fast außerirdischen Faszination für seine eigene Gewalt zuschlagen lassen. Dies ist die größte Stärke das Films.

 

Mein Fazit: 6,5 von 10 verwesenden Kürbissen

Ein scheinbar unaufhaltsamer Michael Myers schlägt wieder zu. Halloween von 2018 ist wirklich kein schlechter Streifen, der seinen Job als direkte Fortsetzung des Originals gut macht. Der Film macht das, was ein Halloween-Film machen sollte, dies hat aber eben auch den Nachteil, dass die Story sehr bodenständig und simpel bleibt. Es gibt ein – zwei klitzekleine Überraschungen und die Inszenierung ist stark. Für alle die auf die Halloween-Reihe oder Slasher stehen spreche ich eine klare Empfehlung aus.

 

+ eins besondere like vong stefan her