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Sep 28

“HAUSU” (1977) Review

In meiner Review zu „Angel’s Egg“ habe ich ja schon erwähnt, dass ich in den vergangenen Monaten ein paar empfehlenswerte japanische Filme gefunden habe. Eine weitere Entdeckung aus Fernost ist „HAUSU“, oder „House“ wie er im englischen genannt wird. Mir persönlich gefällt die japanische schreibweise in diesem Fall besser, da es ein ziemlich generischer Name ist und es mehrere amerikanische Filme gibt, die ebenfalls einfach „House“ heißen. Schon mal vorweg will ich euch sagen, dass „HAUSU“ ein irrer Film ist und ich ihn gerade darum liebe. Es gibt kaum etwas Vergleichbares und jede Sekunde des Films strotzt vor dem ihn inne lebenden Charme. Kratzen wir etwas die Handlung an, damit ihr ungefähr wisst um was es geht und befassen wir uns danach detailierter mit meiner Meinung zum Film und dessen Entstehungsgeschichte:

hausu-1977Hauptfigur ist das sechzehn Jahre alte Mädchen mit dem Namen Oshare, was soviel heißt wie „die Hübsche“. Nicht wirklich begeistert von der Situation, dass ihr Vater sich verliebt hat und erneut heiraten will, beschließt Oshare Urlaub bei ihrer Tante auf dem Land zu machen. Dafür lädt sie all ihre Freundinnen ein, deren Charaktere genau so archetypisch sind, wie ihre Spitznamen: Melody – die warmherzige Musikerin, Kung Fu – die mutige Sportlerin, Sweet – die ängstlich und Schüchterne, Gari – die schlaue Brillenträgerin, Fanta – die fantasievolle Verträumte und natürlich Mac – die ständig Hungrige. Unter einem gemalten blauen Himmel und begleitet von fröhlicher Musik sowie einer weißen Katze reisen die sieben Mädchen ins Landhaus von Tantchen. Doch dort angekommen stellen sie aber langsam fest, dass einiges nicht mit rechten Dingen zu geht und immer mehr der Mädchen plötzlich verschwinden.

Ursprünglich war es die Idee des Filmstudios Toho einen Film zu drehen, der auf der Erfolgswelle von „Der Weiße Hai“ mit schwimmen kann. Dafür wurde Nobuhiko Ōbayashi beauftragt. Dieser entwickelte jedoch ein Projekt, dass nichts mit Haien oder Ähnlichem zu tun hat. Er unterhielt sich mit seiner, zu diesem Zeitpunkt 11-jährigen Tochter und arbeitete zusammen mit Chihio Katsura eine Geschichte aus, die auf den Ängsten und Alpträumen des kleinen Mädchens basierte. Trotz der komplett anderen Richtung willigte Toho ein. Damit begannen jedoch nicht die Dreharbeiten. Ōbayashi versuchte seinen Film verzweifelt auf die Leinwand zu bekommen und las jeden der ihm nur zuhörte das Drehbuch vor. Es wurde sogar ein Manga, ein Roman und ein Radiohörspiel aus dem Drehbuch entwickelt, bevor es zum Film kam. Dies alles wurde erstellt um einen Regisseur für den Streifen mit an Bord zu bekommen. Der Regieposten blieb zwei Jahre lang leer – letzten Endes war es Ōbayashi selbst, der darauf platz nahm. Er hatte zuvor schon einige Werbespots gedreht, aus denen er seine sieben Hauptdarstellerinnen rekrutiert und zudem hatte er einige Erfahrung mit Kurz- und Experimentalfilme gesammelt, was sich auf „HAUSU“ spürbar auswirkte. Nobuhiko Ōbayashi hatte vor dieses Feeling, eines Alptraum eines Kindes in „Hausu“ voll umzusetzen. Alles wirkt etwas seltsam und übertrieben. Der Soundtrack beispielsweise schwankt von fröhlicher Popmusik zu energetischen Jazz und schließlich zum übergreifenden Piano-Theme des Films. Für die zahlreichen Effekte, wie ein fliegender Kopf oder einem Killerpiano (das mich immer an das aus Super Mario 64 erinnert) hat Ōbayashi nicht auf die Tohos Tricktechniker zurückgegriffen, die zum Beispiel die Filme der Godzilla-Reihe machten, sondern hat diese alle selbst gemeinsam mit seinem Kameramann erarbeitet. Auch dies trägt zu dem kindlichen Alptraumlook bei. Als “HAUSU” schließlich in den Kinos anlief, wurde er von den japanischen Kritikern gehasst. Generell war es eine seltsame Zeit für die japanische Filmindustrie. Die Kinos fuhren kaum mehr Gewinne ein, da das Fernsehen ihnen das Publikum raubte. Die von den Kritikern geliebten, Samurai-Epen und komplexe Dramen verschwanden langsam. Die Filme mussten günstig sein um ein Plus zu machen und so setzten sich langsam billige Erotikstreifen, sogenannte „Pink Films“ im japanischen Kino durch. In dieser Zeit wandelten sich auch meine geliebten Godzillafilme zu den Low-Budget-Streifen, die der Reihe dann ihren schlechten Ruf im Westen einbrockten. Doch trotz der miesen Kritiken war „HAUSU“ ein Kassenknaller. Im Nachgang geriet der Film jedoch, ähnlich wie „Angel’s Egg“ irgendwie in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren, entdeckten immer mehr Leute – wie ich – „HAUSU“ und der Film avanciert zum Kultfilm. Und ich hoffe, dass ihn (auch durch meine Empfehlung hier) noch mehr Leute entdecken. Schließlich ist es ein sehr fantasievoller Streifen, der einem dazu einlädt eine Gruselgeschichte durch die unschluldigen Augen eines Kindes zu erfahren.

daumen-hoch-doppelMein Fazit: Zwei Katzendaumen nach oben!

„HAUSU“ ist ein außergewöhnlicher Fantasy-Horror-Film. Ein Streifen, den man nicht immer voll ernst nehmen darf und soll. Ich kann verstehen, wenn der eine oder andere vielleicht von der zuckersüßen Bubblegum-Stimmung oder dem Kitsch abgeschreckt werden, aber gerade diese Übertreibung, dieses extreme Stilisierung macht den Streifen so einzigartig. „HAUSU“ ist ganz klar eine Erfahrung, den ich jeden Filmfan ans Herz legen kann, besonders denen, die gerne auch mal Lust auf etwas Verrücktes hat.