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Feb 17

“HELLBOY” (2019) Review

Ich mag Hellboy. Die beiden Filme von Guillermo del Toro sind recht cool, aber was mich wirklich zum Fan macht ist die Comicreihe von Mike Mignola. Der Noir-Zeichenstil, die gesunde Mischung aus Pulp-Action, Monster of the Week und mystischen Epos, sowie die ruppige, aber sympathische Titelfigur – Hellboy ist ein Mix, der einfach funktioniert. Die Comicreihe ist etwas wahrlich besonderes, da sie von 1993 bis 2016 lief und ein definitives Ende fand. Wie eben erwähnt mochte ich zwar die beiden vorherigen Filme mit Ron Pearlman als roten Dämonen, aber ich war der Idee einer Neuauflage nicht abgelehnt, da ich auf eine Umsetzung der späteren Hellboy-Storys hoffte. Und tatsächlich wurde angekündigt, dass es einen neuen Film geben sollte, der beginnend mit „The Wild Hunt“ die eher an epische Sagen erinnernden Teil des Hellboy-Zyklus adaptieren wollte. Meine vorsichtige Vorfreude habe ich bereits in einer Ausgabe des DEGL-TOONS-PODCASTS verkündet. Was jedoch dann 2019 in den Kinos lief war eine Enttäuschung auf voller Linie. Ich habe nun endlich diesen Film nachgeholt und nach der Handlungszusammenfassung erkläre ich euch auch woran es happerte:

hellboy-2019Hellboy sieht zwar mit seinen abgefeilten Hörnern, der knallroten Haut und der gigantischen, steinernen Faust an seiner rechten Hand recht furchterregend aus, aber er ist eigentlich ein netter Kerl. Von seinem menschlichen Ziehvater Trevor Bruttenholm wurde er zu einem paranormalen Ermittler und Monsterjäger ausgebildet – darunter leidete aber die Vater-Sohn-Beziehung der beiden nachhaltig. Trotz den Streitereien überredet Trevor seinem dämonischen Adoptivsohn nach England zu fliegen um sich dort der Wilden Jagd anzuschließen, die sich mit ein paar wilden Riesen rumschlagen müssen. Währenddessen sammelt der Schweinedämon Gruagach die versteckten Körperteile der Hexenkönigen Nimue um die mächtige Herrscherin wieder zu erwecken.

hellboy-comics

“Die Wilde Jagd” musste hauptsächlich als Vorlage für die Adaption von 2019 herhalten.

Auf dem Regiestuhl für „Hellboy – Call of Darkness“ (wie er im deutschsprachigen Raum genannt wurde) war Neill Marshall, der eigentlich echt was drauf hat. Sein Debutfilm „Dog Soldiers“ gilt als einer der besten Werwolffilme, „The Decent“ hat sich zum richtigen Kultklassiker entwickelt und bei Game of Thrones hat er mit „Blackwater“ und „The Watchers on the Wall“ zwei der denkwürdigsten Schlachten der Fantasyserie insziniert. Bei Hellboy konnte er sein Talent allerdings nicht wirklich zur Schau stellen. Es gibt einige Storys, dass es Zwist zwischen dem Regisseur und den Produzenten gab, die sich immer wieder in den Film einmischten. Das glaube ich gleich, denn Hellboy mangelt es an einer eigenen Identität und einer klaren Vision. Man merkt dass wohl verzweifelt versucht wurde Trends aktueller Comicverfilmungen nachzuäffen. Hellboy bekam ein R-Rating, dass sich hauptsächlich durch übertriebenes Gefluche der Hauptfiguren als auch durch unangebrachte Gore-Szenen zeigt. Versteht mich nicht falsch, ich mag Fluchen und spritzendes Blut in meinen Filmen. Hier war der Gore jedoch einfach nur mittel zum Zweck um so edgy zu wirken, wie der Überraschungserfolg „Deadpool“. Auch wenn Hauptdarsteller David Harbour vielleicht einen guten Hellboy hätte abliefern können, die ganzen fehlgeleiteten Gags demontieren jegliches Potential für seine Darstellung. Der Soundtrack wollte dann den Spirit von „Guardians of the Galaxy“ einfangen, da im Film fast jede Szene mit unpassenden Pop- und Rocksongs unterlegt wurde. „Welcome to my Nightmare“ von Alice Cooper, „Kickstart my Heart“ von Motley Crue und eine spanische Coverversion von „Rock you like a Hurricane“ – das wären alles richtig geile Nummern, aber nicht wenn sie nicht zum entsprechenden Moment im Film passen. Dies reißt dann einfach nur den Zuschauer aus dem Film.
Verzweifelt hat man auch die Backstory für jeden Charakter in den Film gequetscht – dies jedoch so hastig und ungeschickt, dass man das Gefühl nicht los wird, dass hier stumpf eine Szenenliste abgearbeitet wurde. Und als ob die Handlung dadurch nicht schon vollgestopft genug wäre, musste man zudem noch einen Vater-Sohn-Konflikt in die Story mischen. Obwohl der Konflikt das Rückgrat der Handlung bilden soll, wirkt dessen Auflösung unglaubwürdig und füllt den Film mit einem zusätzlichen unnötigen Element, dass übrigens kein Bestandteil der Comicvorlage war. Der letzte Nagel im Sarg der Hellboy-Adaption von 2019 sind dann noch die Computereffekte, die durchgehend unausgegoren wirken. Die zumeist vollkommen digitalen Actionszenen verlieren dadurch ihre Wirkung und erinnern mich negativ an die leblosen Actionszenen aus „Justice League“. Das es anders geht, zeigt eine Szene in der Hellboy der Hexe Baba Jaga gegenübersteht: Eine Szene mit einem anständigen Build-Up, ein paar verstörenden Momenten und tollen, ekeligen Effekten – dies ist jedoch die Ausnahme, denn im Rest des Films fliegt Hellboy wie ein Gummiball durchs Bild, während irgend ein zufälliger Popsong aus den 80s läuft und aus dem Mund einer Figur ein schleimiger Geist schießt, dessen Gesicht aussieht als hätte man es mit einer Handyapp raufgeklatscht.

Mein Fazit: Zwei Daumen nach unten.

daumen-runter-doppelIch als alter Hellboy-Fan bin mächtig enttäuscht. Diesen Film mangelt es einfach an passender Action, Zeit zum verschnaufen, stimmiger Charakterentwicklung und schlicht und einfach an einer Seele. Es ist wirklich Schade um Mike Mignolas legendärer Comicfigur, denn das Potential für eine monumentale Spielfilmreihe oder Serie wäre da im Hellboy-Universum. Man müsste nur mit Herz und Hirn an die Sache ran gehen und einem Filmemacher mit klarer Vision seine Sache machen lassen. Vielleicht haben wir Glück und jemand talentiertes produziert eine animierte Hellboy-Serie für einen Streamingdienst oder etwas in der Art. Ich hoffe einfach nur, dass dieser Film nicht das letzte war, dass wir von Hellboy gehört haben.