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Dez 11

„HEREDITARY“ (2018) Review

Oh mann oh mann, ich komme in letzter Zeit leider wirklich kaum dazu neue Filmreviews zu schreiben. Tut mir wirklich leid, aber wenn ich in meiner aktuell sowieso etwas rarer gesäten Freizeit einen Moment für mich habe greife ich nun öfters zum Bleistift oder dem Zeichenbrett um zu malen – meinen Output könnt ihr zum Beispiel auf Twitter, DeviantArt und natürlich Instagramm folgen.
ABER! Dies hat nicht zu bedeuten, dass ich nicht weiter Filme ansehe und meine Meinung mitteilen möchte. Darum habe ich heute mal wieder etwas besonderes ausgekramt. Erst diese Woche zog ich mir Ari Asters Debut-Spielfilm „Hereditary“ von 2018 zu Gemüte und verspüre das tiefe Verlangen euch davon zu erzählen. Also um was geht es in „Hereditary“?

hereditary-2018-reviewDie für ihre detaillierten Miniaturmodelle bekannte Galeristin Annie hatte es nie sonderlich leicht mit ihrer Familie. Weder zu ihren rebellischen Sohn Peter, noch zu ihrer eigenbrötlerischen Tochter Charlie hat sie einen guten Draht. Und eben ist auch noch ihre Mutter verstorben, die selbst in tiefer Demenz als Familienpatriarch noch den Ton angab. Trotzdem, oder gerade deshalb wirft der Tod ihrer Mutter Annie komplett aus der Bahn und sie sucht in heimlich Rückhalt in einer Selbsthilfegruppe. Doch ihre Versuche, ihre Familie zusammenzuhalten und die Trauer zu bewältigen leiten schreckliche Ereignisse ein und das Vermächtnis der Familie wirft zudem einen tiefschwarzen Schatten auf Annie.

Regisseur und Autor Ari Aster ist zur Zeit die neue Hoffnung im Horrorfilmgeschäft. “Hereditary” und sein Folgewerk “Midsommar” wurden auf Filmfestivals gefeiert und von Kritikern mit Lob überschüttet. Sein “Hereditary” ist ein krasser Gegenentwurf zum modernen Popcorn-Horrorkino ala “ES” oder „Insidious“. Gemächlich lässt sich Aster Zeit seine Figuren zu etablieren. Dabei profitiert der Film vom erstklassigen Cast – allen voran Toni Collette in der Hauptrolle und Milly Shapiro als Tochter Charlie. Und so wir auch schön gemächlich die bedrückende Atmosphäre aufgebaut. Dennoch kommt das Ende des ersten Akts tief schockierend und makaber wie aus dem nichts und leitet den grausigen Part des Films ein. Was genau geschieht und wie sich die Zusammenhänge verhalten offenbart sich dem Zuschauer erst sehr spät, aber der weg dahin ist eine zermürbende Spirale, die die Familie im Zentrum des Films von einem unbehaglichen Beisammensein tief in Chaos und Wahnsinn führt. Ich möchte hier möglich wenig verraten, da ich auch mit minimalen Vorwissen in den Film ging. Der Streifen ist sehr kryptisch, man merkt aber, dass er sich an ein paar klassischen Vorlagen wie „The Shining“ und „Wenn die Gondeln Trauer Tragen“ bedient. „Hereditary“ startet als bedrückendes Familiendrama, das sowohl die Hauptfiguren als auch den Zuschauer immer weiter zermürbt, bis die übernatürlichen Elemente einsetzen und so langsam den wahren Horror in den Film einbringen.

Mein Fazit: 8 von 10 Taubenköpfe

Ich muss als nächstes auf jeden Fall noch „Midsommar“ von Ari Aster nachholen, da sein Stil etwas wirklich besonderes ist – besonders heutzutage. Gemeinsam mit Robert Eggers, dem wir den fantastischen „The VVitch“ verdanken, ist Aster wohl einer der wichtigsten neuen Horrorregisseure. „Hereditary“ ist zwar keine leichte Kost und kein Film für den kurzen Grusel zwischendurch, aber als ausladendes Horrordrama ist der Film echt klasse.