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Okt 04

Horrorreview “The Wolfman” (2010)

Wir leben im Zeitalter der Remakes meine Freunde, also war es nur eine Frage der Zeit bis auch mal der eine oder andere Horrorklassiker verwurstet wird. So erging es auch dem Wolfsmensch, der nach fast 70 Jahren nochmal neu aufgelegt wurde. Ihr glaubt ich könnte mir die Storyzusammenfassung sparen, weil ich ja erst vor kurzen eine Review zum Original von “The Wolfman” geschrieben habe?

Nicht ganz! Es kommt zwar auch wieder Benjamin, der Bruder von Larry Talbot (gespielt von Benicio del Toro) um, so dass sich dieser nach jahrelanger Abwesendheit aufmacht seinen Geburtsort, Talbot Hall aufzusuchen, aber die Ereignisse entwickeln sich gänzlich anders. Larry versucht nämlich den Mörder seines Bruders ausfindig zu machen, dies, so denkt er, ist er Benjamins Verlobter Gwen (Emily Blunt) schuldig. Bei dem distanzierten Empfang in Talbot Hall wird auch schnell klar, dass das Verhältnis zwischen Larry und seinem Vater Sir John Talbot (Anthony Hopkins) viel angespannter als im Original ist. Talbot senior hat in diesem Remake auch eine viel größere Rolle! Larry geht davon aus, dass sein Bruder, dessen Leiche entsetzlich verstümmelt wurde, eher von einem Menschen, vielleicht einem Verrückten, als von einem Tier umgebracht wurde und macht sich darum zu einem Zigeunerlager auf, da Ben anscheinend Kontakte zu dem fahrenden Volk pflegte, dass kurz vor dessen Tod wieder in der Nähe auftauchte. Trotz der Warnungen seines Vaters, lieber nicht an Vollmond das Haus zu verlassen, begibt sich Larry zum Zigeunerlager, das kurz nach seinem Eintreffen von einer blitzschnell angreifenden Kreatur heimgesucht wird. Der Angriff aufs Zigeunerlager ist rasant und blutig – eine der besten Szenen im Film, meiner Meinung nach. Larry versucht die Bestie aufzuhalten um einen kleinen Jungen zu schützen, der aus dem Lager geflohen ist, wird jedoch selbst von dem Monster attackiert! Es verbeißt sich in sein Schulter, kann aber durch einen Trupp aus Dorfbewohnern und Zigeunern verscheucht werden. Larry überlebt den Angriff, wird von den Zigeunern wieder zusammengeflickt und nach Talbot Hall gebracht, wo sich Gwen um ihn kümmert. Wie in “American Werewolf in London” wird die Beziehung zwischen dem Verwundeten und der Frau, die ihn pflegt immer romantischer. Es dauert fast einen Monat, in dem Larry von bizarren Fieberträumen geplagt wird, bis er sich erholt. Sein Arzt ist erstaunt über die rasche Wundheilung und schürt zusammen mit dem fanatischen Pfarrer die Gerüchte, dass Larry Talbot sich am kommenden Vollmond in einen Werwolf verwandeln würde. Sir John kann die aufgebrachte Meute zwar von seinem Grund verscheuchen und so verhindern, dass sie Larry in die Finger bekommen, aber trotzdem bekommt Lawrence besuch vom Scotland Yard. Der Ermittler Francis Aberline (Hugo Weaving) glaubt zwar nicht an Werwölfe, vermutet aber einen Zusammenhang zwischen Talbot und den Morden, schließlich befand dieser sich einmal in einem Sanatorium! Larry fällt auf, dass seine Sinne schärfer den je sind und bekommt immer mehr Angst vor sich selbst. Darum schickt er die ihm lieb gewordene Gwen nach London, damit sie sicher sein sollte, falls doch etwas an der Werwolfsache dran sein sollte. Des nachts ist es dann soweit. Wie (ihr) erwartet (habt) verwandelt sich der gute Mann in einen Werwolf und verrichtet sein blutiges Werk. Am nächsten morgen wacht Larry in zerfetztem Gewand unter einem Baum vor Talbot Hall auf und wird gleich darauf festgenommen und in das Sanatorium in London gebracht, in dem er schon in seiner Kindheit war. Die “Ärzte”, deren Behandlungsmethoden einem Dr. Mengele ähneln, halten Larry “nur” für verrückt, wissen aber nicht, was sie sich für eine Bestie ins Haus geholt haben!

Verantwortlich für dieses Remake war Joe Johnston, der auch bei “Liebling ich habe die Kinder geschrumpft”, “Jurassic Park 3″ und “Captian America – The First Avenger” auf dem Regiestuhl saß. Auch Make-Up-Effekte-Meister Rick Baker, der ja bereits 1981 mit “An American Werewolf in London” eine Glanzleistung abgeliefert hat, war an Bord. Baker ist in den vergangenen Jahren zu einem wirklichen Werwolfexperten geworden, schließlich hat er bei fast jedem größeren Werwolffilm der letzten 30 Jahren mitgewirkt! Allerding wird ihm inzwischen viel Arbeit vom Computer abgenommen. Die Verwandlungen (vor allem die im Sanatorium) sehen zwar geil aus, aber man merkt ihnen ihre Herkunft aus der Welt der Bits und Bytes, für meinen Geschmack zu sehr an. Abgesehen davon, wurde für einen modernen Film viel mit praktischen Effekten gearbeitet. Anfangs hatte ich befürchtet, dass einem nur eine CGI-Bestie serviert wird, aber man sah die meiste Zeit Belicio in einem aufwendigen und sehr glaubwürdigen Werwolf-Outfit! Das Design gefiel mir richtig gut – es hielt sich zwar an die Vorlage, wirkte jedoch deutlich realistischer und gefährlicher. Benicio, der in seinem Kinderzimmer übrigens ein Poster vom Originalfilm hängen hatte, schaffte es auch unter der dicken Maske gut zu spielen. Das restliche Cast war mit Hopkins und Weaving auch mehr als gut besetzt. Warum jedoch der Film so floppte ist mir ein Rätsel. Er ist ein eigenständiger Film, der auch für Kenner des Originals genügend neues bietet, er hat gute (aber manchmal etwas zu erzungen wirkende) Schockmomente, viel Gore und eine hochkarätige Besetzumg. Vielleicht war es einfach die Falsche Zeit für den Film, aber ich kann ihn nur empfehlen!

Mein Fazit: 7 von 10 Werwölfen im Irrenhaus

Es tut gut, einmal einen neuen Werwolffilm zu sehen, der sich anders als die Viehcher aus Twilight, Underworld und Co. auf seine Wurzeln beruft und trotzdem als Horrorfilm durchgeht. Zwar gefallen mir die CGI-Effekte hier und da nicht und gegen Ende verliert der Film etwas an Fahrt, aber die grandiosen Schauspieler, die geilen Werwolfangriffe und Rick Bakers Masken machen den Streifen trotzdem zu einem wahren Fest für Genrefans!

 

2 Pings

  1. „DIE MUMIE: DAS GRABMAL DES DRACHENKAISERS“ Review » Degl-Toons

    […] zu verbinden. Aber Universal und das Publikum weiß einfach nicht was gut ist und was sie wollen. Wolfman von 2010 war meiner Meinung nach ein starker Film und das beste Remake eines Universal Horrorfilms in […]

  2. „DIE MUMIE“ (1932) Review » Degl-Toons

    […] dass sie nun ständig daran scheitert diesen Erfolg im neuen Jahrtausend zu wiederholen. „The Wolfman“ von 2010 sollte ein gemeinsames Filmuniversum schaffen, aber abgesehen von mir hasst wohl jeder […]

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