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Dez 03

“INTERSTELLAR” Review

Spätestens nach seinen Erfolgen mit der Dark Knight Trilogie und Inception ist aus Regisseur Christopher Nolan ein richtiger Star geworden, der sowohl die breite Masse als auch Kritiker begeistert. Mit seinem aktuellen Werk “Interstellar” greift Nolan sprichwörtlich nach den Sternen! Es wurde uns eine bildgewaltige Reise in eine andere Galaxie versprochen, die sich in vielen Belangen an wissenschaftliche Fakten orientiert und die Suche der Menschheit nach einer neuen Heimat zeigt. Kann der Dark Knight-Regisseur die hohen Erwartungen, die mit seinem Namen einhergehen erfüllen? Naja, dazu kommen wir später – reden wir erstmal (so spoilerfrei wie möglich) über den Plot:

Interstellar TitleMatthew McConaughey spielt den ehemaligen Astronauten Cooper, der mit seiner Tochter Murphy, seinem Sohn und seinem Schwiegervater auf einer Farm Mais anbaut. Mais ist nämlich das einzige Nahrungsmittel was uns Menschen in dieser dystropischen Zukunft noch bleibt. Alles andere wird vom Mehltau oder den ständigen Sandstürmen zu Nichte gemacht. Es ist ein schleichender Prozess, der jedoch unsere Erde unbewohnbar machen wird. Soweit so schlecht. Doch miese Ernten sind nicht das einzige was auf Cooper’s Farm für Aufregungen sorgt. Die kleine, jedoch ausgeprochen aufgeweckte Murphy ist der festen Überzeugung, dass in ihren Zimmer ein Geist spukt. Das Phänomen führt Cooper und Murphy zu Prof. Brandt und seiner geheimen NASA-Basis, von der aus eine interstellare Expedition gestartet werden soll um eine neue Heimat für die Menschheit zu finden. Es wirkt fast so, als hätten alle nur auf Cooper gewartet, denn kurz nach seinem Eintreffen muss er die Entscheidung treffen ob er auf diese jahrelange Mission, von der es vielleicht garkein zurück mehr gibt gehen soll oder bei seiner Familie bleibt. Da es sonst wohl keinen Film geben würde reist Cooper zusammen mit ein paar auswechselbaren Astronauten und dem köstlich witzigen Roboter TARS durch ein Wurmloch im All und lässt seine Kinder zurück. Besonders Murphy ist darüber sehr ungehalten. Während es Dr. Brandt (Anne Hathaway), der Tochter von Professor Brandt, die ebenfalls mit auf dem Raumschiff ist, primär darum geht die Spezies Mensch zu retten und sei es nur in Form von schockgefrosteten, befruchteten Eizellen, geht es Cooper darum seine Kinder von dem sterbenden Erde zu retten. Dabei gerät er aber gehörig in Zeitdruck, denn einige quantenphysikalische Besonderheiten rauben dem Entdeckerteam Jahrzehnte ihrer Zeit!

Das Band zwischen Cooper und Murphy ist das, was den Film trägt. Ohne McConaughey, der ständig an seine Kinder (insbesondere Murph) denkt, wäre dieser Weltraumrundtrip nur halb so spannend bzw. er wäre eine ziemlich lahm Geschichte. Doch die Tatsache, dass Cooper seine Kinder wenigstens noch erleben will, setzt einem schon ordentlich zu. Ja, ja, mit Einstein macht man keine Späße! Es gibt im Film genügend spannende Stellen, aber trotzdem schafft es “Interstellar” nicht über seine gewaltige Länge von zweieinhalb Stunden hinwegzutäuschen. Man braucht Sitzfleisch, den Christopher Nolan scheint einfach nicht auf den Punkt kommen zu wollen. Natürlich bietet der Film große Bilder und ist von einem rein chineastischen Standpunkt aus klasse gemacht. Doch abgesehen vom Filmhandwerklichen sehe ich einige Schwächen in diesem gefeierten, angeblichen Meisterwerk. So kratzt der Film doch häufig einfach nur an der Oberfläche seiner zentralen Themen, hat einige gravierende Logikfehler und, obwohl er natürlich mit der “Relativität der Zeit” wirklich harten Tobak auf eine unterhaltsame Weise ins Blockbusterkino bringt, wirft er, vorallem im Finale seine Wissenschaftlichkeit über Bord und wird zusehens abstruser. Die Auflösung des Streifen ist etwas unsinspiriert und schlichtweg kitschig.

Mein Fazit: 5,5 von schwarzen Löchern

Interstellar ist ein Film, den jeder Fan von Science-Fiction, Raumfahrt oder Christopher Nolan’s Werken gesehen haben sollte, denn man bekommt ein monumentalen Augenschmaus mit viel Drama vorgesetzt. Es ist ein sehenswerter Film, wie alles, was Nolan in die Hand nimmt. Handwerklich haben wir es mit einem wunderschönen und herzergreifenden Streifen zu tun, aber leider bleibt er hinter meinen Erwartungen zurück. Den großen Meilenstein, den so viele Feiern, sehe ich in dem Film leider nicht. Wenn ein kastenförmiger Roboter die unterhaltsamste Nebenrolle spielt, dann sollte man sich vielleicht Gedanken machen.