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Dez 27

„IT CAME FROM THE DESERT“ (2018) Review

Die letzte Review, die ich dieses Jahr schreiben werde ist für einen kleinen, Low-Budget-Film, von dem vermutlich keiner von euch gehört hat. Ich bin selbst nur zufällig über den Streifen gestolpert und fand das Konzept sowohl wegen des Low-Budget-Ansatzes interessant. Der Film, von dem ich spreche ist „It came from the Desert“ von 2018. Befassen wir uns kurz mit der Story:

it-came-from-the-desertUnsere Helden des Films sind das Duo Lukas und Brian. Während Lukas der waghalsige Draufgänger und Motocross fahrende Frauenschwarm ist, ist sein Kumpel und Mechaniker Brian eher der schüchterne Typ. Auf dem Weg zu einer Party mitten in der Wüste lesen die zwei noch Lisa auf, den Jugendschwarm von Brian. Auf der besagten Sause fließt bereits das Bier und die Motorradfahrer zeigen beeindruckende Stunt. Brian setzt sich jedoch bald verzweifelt von der Party ab, da er nicht den Mut aufbringt Lisa seine Gefühle zu gestehen. Bei dem Versuch seinen Kumpel aufzuheitern entdeckt Lukas eine Höhle, die zu einem anscheinend verlassenen Militärtestgelände unweit der Party führt. Die beiden Freunde erkunden das Einrichtung, als sie auf eine Kalbs große Ameise stoßen – und wir alle wissen ja, dass Ameisen seltenst solo unterwegs sind.

Dieser Streifen, der mit dem extrem schmalen Budget von 1 Millionen Dollar gedreht wurde, entstammt der Feder des finnischen Regisseurs Marko Mäkilaaksos und ist eine Verfilmung des gleichnamigen MS-DOS- / Amiga-Videospiels von 1989. Anders als die aufwendig produzierten Blockbusterverfilmungen von Videospielen wie „Assassin’s Creed“, hat man es also nicht mit einen Film zu tun, der ein Millionenpublikum ins Kino locken muss um sich selbst zu finanzieren und da auch das Quellenmaterial eher als obskur zu bezeichnen ist, gibt dem Streifen eine Menge Freiheiten. Man könnte einen Liebesbrief an das Videospiel erstellen und es (sofern es das Budget erlaubt) kompromisslos adaptieren, man könnte ein Gorefest veranstalten und die Zuschauer mit kreativen Kill-Szenen unterhalten oder man einfach etwas Spaß mit den etwas in die Jahre gekommen Konventionen von Retrovideospielen und Retromonsterfilmen haben. „It came from the Desert“ versucht wohl am ehesten letzteres. Doch leider versagt er an den meisten Punkten. Die Handlung ist durchwegs uninteressant und entleiht sich an den unpassesten Stellen Videospielklischees. Diese scheinen jedoch noch nicht mal aus dem Videospiel zu stammen, dass adaptiert wird. Ich bin zwar leider noch nicht in den Genuss gekommen das altbackene Action-Adventure selbst zu spielen, aber wenn ich meiner Recherche glauben kann hat die Verfilmung abgesehen vom nostalgischen Synthesizersoundtrack und der Anwesenheit von Riesenameisen, kaum etwas mit dem Spiel gemein. Dafür sehen die Ameisen (zumindest für so einen Low-Budget-Streifen) einigermaßen gut aus. Vermutlich wurde ein Großteil der Millionen in die CGI-Effekte gepumpt. Ins Set-Design oder Casting kann es ja wohl kaum geflossen sein. Das Ameisennest und die eingesponnen Menschen sehen aus wie Halloweendeko und Dinge wie ein Maschinengewehrgeschütz wurden lieber mit unterdurchschnittlichen Computereffekten in den Film gezaubert als durch physische Requisiten. Die Schauspieler machen ihre Aufgabe zweckmäßig – ich erwarte zwar in einem derartigen Streifen kein Oscarmaterial, aber die Hauptfiguren haben eher den Charme von Youtubern, die einen auf Möchtegernschauspieler machen. Das unterhaltsamste am Film sind da meist die Dialoge, die dann eben so doof sind, dass es eben doch etwas witzig ist. Dies kann aber nicht über die langen Ameisenlosen Strecken des Films hinwegtäuschen. Auch den großen Krabblern kann man eine Hand voll spaßiger Momente gutschreiben. Doch auch hier ist „It came from the Desert“ inkonsequent. Es gibt eine einzige, verlorene Szene in dem ein denkbar kurzer Austausch zwischen zwei Ameisen untertitelt wurde. An der Stelle dachte ich, dass der Streifen sich vielleicht in Richtung „Gremlins“ oder eher „Gremlins 2“ entwickelt. Da die Ameisen auch auf Alkohol angewiesen sind und darum Bier trinken, wären die Optionen für lustige Setups, wie schunkelnde Ameisen oder Streitgespräche zwischen den Killerinsekten, zahllos gewesen. Aber wie gesagt, es war nur diese eine Szene in der die Ameisen miteinander redeten – was nur ein Beispiel für vergeudete Chancen in diesem Streifen ist.

 

Mein Fazit: 4 von 10 finnischen Vodkapumpen

Hier wird weder der Fan des Videospiels, noch der geneigte Monsterfilmfreund richtig abgeholt. Nur wenige unterhaltsame Dialogzeilen, ein hin und wieder aufkommender, schöner Synthesizer-Track oder die viel zu wenigen Ameisenangriffe retten „It came from the Desert“ nur bedingt davor komplette Grütze zu sein – doch gute Tierhorrorfilme oder Horrorkomödien sehen anders aus. Für Leute die einen Streifen mit Riesenameisen sehen wollen, bleibt eben „Formicula“ (im Original „Them!“) von 1954 die beste Wahl!