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Jun 19

“JURASSIC WORLD” Review

Nach 14 Jahren saurierloser Tristheit im Kino meldet sich der Jurassic Park zurück! Der inzwischen vierte Teil, der sich nun „Jurassic World“ nennt, zeigt uns das erste mal einen funktionierenden Park, der seit Jahren den zahlenden Touristen die lebenden Dinosaurierattraktionen zeigt, wie es sich John Hammond erträumte. Das alles verspricht eine menge Nostalgie und versucht den Zauber des ersten Filmes wieder einzufangen. Aber kann der neue Film des relativ unbekannten Regisseurs Colin Trevorrow den hohen Erwartungen standhalten? Wird er ähnlich wie Mad Max: Fury Road einem toten Franchise neues Leben einhauchen? Boxofficerekorde fährt der Streifen bereits ein, aber ist das wirklich gerechtfertigt? Klären wir erst mal um was es in dem Film genau geht:

jurassic world reviewDer kleine Gary und sein etwas älterer Bruder Zach besuchen Jurassic World, einen Freizeitpark der superlative, dessen Attraktionen lebende Dinosaurier sind. Nach den katastrophalen Ereignissen, die vor 22 Jahren noch vor der Eröffnung des eigentlichen Jurassic Parks für dessen Aus sorgte, erfreut sich der von der Masrani Group erstellte, neue Park größter Beliebtheit. Claire Dearing, die Tante von Zach und Gary leitet den Park und ist für die Sicherheit der hunderten Besucher verantwortlich. Der Park boomt zwar, doch es wird immer für das „Next-Big-Thing“ gesorgt – wobei Big wörtlich zu nehmen ist. Um neue Besucher anzulocken haben sich die Genetiker von Jurassic World daran gemacht den ersten Hybriden-Dinosaurier zu klonen. Eine Mischung aus T-Rex und zig anderen Arten von ausgestorbenen, aber auch modernen Tieren. Heraus kam der Indominus Rex, der größer, schlauer und auch viel gefährlicher als sein Cousin Tyrannosaurus ist. Masrani, der CEO des Unternehmens, dass dem Park gehört, ist persönlich mit seinen Heli angeschwirrt um sich das neue Gen-Monster anzusehen. Er weißt Claire an, dass Owen der „Raptorenflüsterer“ sich das Gehege des Indominus Rex ansehen soll um eventuelle Schwachstellen auszumerzen. Owen ist ein Ex-Navy, der gut mit Tieren kann hat die letzten Jahre damit verbracht die tödlichen Velociraptoren zu trainieren und sich als deren „Alphatier“ zu etablieren. Doch bevor Owen’s fachmännischer Rat hinzugezogen werden kann, geht der hybride I-Rex stiften. Das Monster geht um und sorgt für ordentlich Tod und Chaos, während die Jungs Zach und Gary alleine den Park abseits der Wege erkunden.

Es ist ziemlich sicher zu sagen, dass sich Chris Pratt nun in der ersten Garde der Blockbusterschauspieler tummelt. Letztes Jahr sein Erfolg mit Guardians of the Galaxy und nun Jurassic World. Er ist wirklich nicht zu stoppen. Und du kannst ihn wahrscheinlich alles spielen lassen und es wäre unterhaltsam und cool. Doch auch unser aller neuer Lieblingsschnuckel Chris Pratt kann Jurassic World nicht retten. Ja ihr habt richtig gelesen, euer Dinonerd Christian mag den neuen Jurassic Park-Film nicht. Es gibt viele Sachen, die mir während meiner Sichtung im Kino negativ aufgefallen sind. Allen voran erst mal die Handlung um den hanebüchenen Hybrid-Monster-Dino. Sind wir hier bei Sharktopus? Grob gesagt kommt der Film einen vor wie ein Trash-Monsterfilm mit riesen Budget, aber schlampiger Umsetzung. Was auch an den Figuren liegt, die so Klischee sind wie sie nur sein können. Die meiste Zeit verbringt man mit Bryce Dallas Howard aka Claire, die eine Buisnessfrau durch und durch ist. Sie wimmelt ihre Neffen bei der Assistentin ab, die Tiere und Besucher sind für sie nur Zahlen und Prozentwerte und sie läuft den ganzen Film in High Heels rum. Ob Straße, Wald oder Wiese und egal wie groß, schnell und gefährlich der Dinosaurier hinter ihr ist, die hohen Hacken bleiben dran. Es gibt gegen Ende eine Szene in der sie verfolgt wird und die Kamera hält in Zeitlupe auf ihre Füße, damit man ja nicht vergisst, dass sie gerade in Pfennigabsätzen einem Raubtier entwischt, dass man bereits sah, wie es Autos einholte. Vincent D’Onofiro spielt einen IN-GEN Sicherheitschef, dem eigentlich nur noch der gezwirbelte Schnurrbart zum Bilderbuchbösewicht fehlt. Und alles um die Hauptcharaktere herum ist auch nicht viel besser. Der Film geht mit all seinen Nebenhandlungen komplett inkonsequent um und lässt Charakterentwicklungen fallen oder überspringt sie einfach. Es wird eine kleine Nebengeschichte über die Eltern von Zach und Gary begonnen, die ab einen Punkt einfach nicht mehr erwähnt wird, genauso wie die eine oder andere Fähigkeit des Indominus Rex, der teils unglaubwürdig intelligent ist, andererseits seine fantastischen Fähigkeiten nach der Hälfte des Films zu vergessen scheint. Was mir auch Kopfzerbrechen bereitet ist eine bestimmte Stelle im Film in der eine Nebenfigur ohne große Rolle einen sehr grausamen Tod in einer ewig andauernden Szene stirbt. Wenn es einem Fiesling so ergehen würde, der es verdient hätte, wie z.B. Dennis Nedry, der dicke Programmierer im ersten Film, wäre es eine andere Sache, aber das war einfach unnötig und teilweise etwas verstörend. An sich hat der Film keine Hemmungen unschuldiges Parkpersonal und Besucher wie Fliegen umzubringen. Ich glaube keiner der bisherigen Filme hat einen so hohen Bodycount, aber das müsste ja nicht zwingend etwas schlechtes sein. Nur sind diese ganzen Tode eben deplatziert, wie im Fall der erwähnten Nebenfigur. Mir scheint, als hätte es Colin Trevorrow mit erstens einem schwachen Drehbuch zu tun gehabt und er hatte zweitens nicht das Können daraus trotzdem einen guten Film zu machen. Es bleibt eben der hochglanzpolierte Edelmonsterfilm mit seinen Pappfiguren übrig. Die von Trevorrow versprochenen praktischen Effekte habe ich übrigens auch nicht ausmachen können. Es gab einen sterbenden Dinosaurier, der animatronischen Ursprungs war, aber der Rest hüpfte fröhlich aus der Computerretorte, was hauptsächlich dann schlecht aussieht, wenn sich die Dinos voll beleuchtet im Tageslicht tummeln. Später im Film wird dies besser, muss es auch, denn zu Ende will es der Film noch einmal wissen und bringt ein over-the-top Finale, das zugegebener Maßen schon irgendwie cool und auf jeden Fall spektakulär war, aber eben auch so hirnverbrannt und übertrieben, dass es vielleicht in einen Transformersfilm passen würde, aber nicht zu den Dinos aus dem Jurassic Park-Franchise. Ich muss den Film lassen, dass er innovativer und vom Spannungsbogen besser ist als Jurassic Park III (mit dem ich auch mal abrechnen werde), aber ihm fehlt die verspielte Liebe zu den Dinosauriern. Wir haben zwar den kleineren, der beiden nervigen Jungs (Ty Simpkins aus Insidious und Iron Man 3), der ab und zu seine fast authistischen Zügen freien lauf lässt und einen Dinonerd im Kontrollraum des Parks, aber beide scheinen eher Jurassic Park-Nostalgie-Trivia vom Stapel zu lassen, als das Paläowissen und -generde von Grant, Sattler und Harding aus den vorangegangenen Filmen. Ist Jurassic World unterhaltsam? Ja, ich würde sagen schon, aber er ist keinesfalls ein guter Film, geschweige denn ein guter Jurassic Park-Film.

4,5 von 10 unlustigen Jimmy Fallon Cameos

Klischeefiguren, nicht funktionierende Handlungselemente, vorhersehbare Twists und viel totes Sicherheitspersonal. Jurassic World ist in seinen besten Momenten spannend, spektakulär und knallbunt, aber meistens einfach nur dumme Popcornunterhaltung, die weder den Dino- noch den Monsterfilmfan in mir angesprochen hat. Pratt ist wieder mal cool und die Action im Film ist schön anzusehen, aber die ganzen Charaktere waren mir egal und deren Dialoge genau so schwach wie der Rest des Drehbuchs. Wenn der Film als gefeierter Kassenmagnet nun das Jurassic Park-Franchise und das gesamte Blockbusterkino in seine Bahn lenkt, dann gute Nacht. Es ist schon irgendwie ironisch, dass im Film kritisiert wird, dass die Genetiker ohne groß nachzudenken etwas produzieren nur um den Massen etwas mir einem höheren “WOW-Faktor” vor die Nase zu setzen, obwohl der Film genau das selbe macht. Was mich betrifft hätte der Park geschlossen bleiben können.

3 Pings

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