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Sep 22

“JUSTICE LEAGUE” (2017) Review

Superheldenfilme dominieren jetzt schon seit geraumer Zeit die Kinosäle und ich bin inzwischen nur noch am Warten bis diese Blase platzt. Wenn wir uns die letzten 10 Jahre ansehen ist klar, dass der Gewinner dieses Superheldenhypes Disney/Marvel sind, während Warner Bros./DC sich mit dem zweiten Platz begnügen mussten. Natürlich fuhr DC auch ordentlich Geld ein, jedoch eben nur Peanuts im Vergleich zu Marvel – und sowohl Kritiker als auch Fans zeigten sich meist enttäuscht. „Justice League“ war wohl das letzte Aufbäumen des geminsamen DC-Universums. Quasi der Gegenentwurf zu Marvels „Avengers“ – obwohl die Liga der Gerechten in den Comics schon wesentlich länger als die Rächer existieren stank dies alles nach trittbrettfahrerei. Aber es ist klar, dass es hier darum ging ein großes Crossoverevent mit blockbustercharakter zu schaffen um einmal die Nase vor Marvel zu haben. Im Nachhinein ist natürlich klar, dass dies nicht 100%ig klappte, aber werfen wir doch jetzt, da Justice League auf den Streamingdiensten aufschlug, einen Blick auf die Superheldengruppe um Batman und Superman:

cavill-mustacheNach dem Ableben von Superman, am Ende von „Batman v Superman“, ist die Welt verzweifelt. Bruce Wayne versucht unterdessen ein Team aus Superhelden zusammenzustellen um sich für die nächste Bedrohung zu rüsten. Nicht zu früh muss man sagen, da der außerirdische Bösewicht Steppenwolf gemeinsam mit einer Armee aus Parademonen bereits in den Startlöchern steht. Er möchte sich die sogenannten Mutterboxen unter den Nagel reißen, mit denen er unseren blauen Planeten in eine urtümliche Hölle verwandeln will. Batman und Wonder Woman, stehen also gehörig unter Druck Aquaman, Flash und Cyborg zu überreden bei ihren kleinen Club mitzumachen. Aber ohne die Unterstützung Supermans stehen ihre Chancen immer noch nicht gut.

Also wir wissen ja, dass Justice League nicht überall überzeugen konnte. Bei mir fiel der Film ähnlich durch wie sein Vorgänger „Batman v Superman“, dies jedoch mitunter auch aus andereren Gründen. Was als großer Grund, wieso der Film nicht funktioniert aufgeführt werden kann ist, dass hier die Vision von verschiedenen Regisseuren aufeinanderprallte und teuere Nachdrehs die Entstehung von Justice League verkomplizierten. Ich werde hier nicht auf Zack Snyder rumreiten. Während der laufenden Dreharbeiten des Films nahm sich die Tochter des Regisseurs das Leben, wieso er sich aus  verständlichen Gründen von der Produktion zurückzog. Das Ruder übernahm dann Joss Whedon, der bei Marvel schon „Avengers“ und „Avengers: Age of Ultron“ inszenierte. Whedon schrieb einige neue Szenen und packte einiges des für ihn bekannten Humors in die Dialoge. Währenddessen arbeitete Henry Cavill, der Superman mimte, bereits an seinem nächsten Film „Mission Impossilble: Fallout“. Für den Streifen hat sich Cavill einen eindrucksvollen Schnurrbart stehen lassen. Als nun umfangreiche Nachdrehs für „Justice League“ anfielen, durfte sich Cavill, der vertraglich dazu verpflichtet war für „Mission Impossible“ seinen Schnauzer zu behalten, nicht rasieren. Was folgte ist dies, wofür der Film „Justice League“ berühmt/berüchtigt wurde: Cavills stattliche Rotzbremse wurde mit aufwändiger Computertechnik wegretuschiert. Die digitale Oberlippe des Supermandarstellers sah nicht nur seltsam aus, sondern sorgte auch für einiges an Spott. Und hier setzte ich auch mit meiner Kritik an: Dieser Film hat 300 Millionen Dollar gekostet, die digitalen Effekte wirken jedoch durch die Bank unausgegoren. Ob es nun die zahllosen Greenscreenaufnahmen sind, deren Illusion komplett flach fällt, oder die Actionszenen die einen unangenehm an Videospielzwischensequenzen der letzten Konsolengeneration erinnern. Am härtesten fällt dies beim Bösewicht Steppenwolf auf. Diesen als eindimensional zu bezeichnen wäre schon fast ein Lob, aber seine unglaubwürdige, computergenerierte Fresse untergrub seine Chancen ein einprägsamer Antagonist zu sein von Anfang an. Des weiteren führte der Regisseurwechsel dazu, dass man hier keinen einheitlichen Film vorfindet, sondern dass der düster-ernste-Snyder-Style mit Whedons flappsiger Comedy kollidiert. Weder das Teambuilding im Film, noch die Titelfiguren funktionieren dadurch richtig. Aquaman und Wonder Woman konnten zwar durch ihre antike Power etwas mit Coolness glänzen, der Flash konnte als comicrelief-charakter nicht voll überzeugen, der Humor zündete bei ihm jedoch besser – Batman funktionierte hier wiederum weniger. Er und verbrachte eigentlich den ganzen Film damit jeden seine geheime Identität auf die Nase zu binden. Cyborg war irgendwie da und spielte den trotzigen Teenie und was mit Superman los war kann ich euch immer noch nicht genau sagen… so wie der komplette Film wirkte das Team letzten Endes nicht zusammenpassend und „Justice League“ sah weniger aus wie das legendäre Heldenteam, sondern eher wie der alljährige Auftritt des Faschingsvereins.

Mein Fazit: 3,5 von 10 ödipalen Schachteln

Mit seinem mäßig umgesetzten 0815-Plot, seinen schwachen Bösewicht und dem deplatzierten Humor fällt einem bei “Justice League” unangenehm auf wie verzweifelt versucht wurde die Marvel-Formel zu kopieren. Dies machte den sowieso schon durch seine Vorgängerfilme auf wackeligen Fundament gebauten Blockbuster noch instabiler, so dass er unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrach. Da die Handlung nicht wirklich unterhält, die Charaktere einen nicht wirklich abholen und der Bösewicht wie ein liebloser Pappaufsteller wirkt fallen einen beim Ansehen um so mehr der mannigfaltigen Probleme des Films auf. Einzig die Szene in der Jason Momoa in Zeitlupe Schnapstrinkend in die Wellen marschiert hat mir wirklich gefallen – ansonsten war „Justice League“, wie erwartet, ziemlicher Müll.