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Aug 03

“LADY SNOWBLOOD” (1973) Review

Ich sehe in meinem kleinen Blog hier immer irgendwie einen Bildungsauftrag. Vielleicht kommt dies ab und an als Klugscheissergehabe rüber, aber eigentlich will ich nur, wenn mich irgend eine Trivia oder Entdeckung begeistert, diese Begeisterung weitergeben. Was dies mit alten Samuraifilmen im allgemeinen und mit Lady Snowblood im speziellen zu tun hat? Das erfahrt ihr nach meiner Handlungszusammenfassung, eines sei jedoch gesagt: Quentin Tarantino werdet ihr zukünftig mit anderen Augen sehen.

lady-snowbloodDer Film spielt Ende des 19. Jahrhunderts in einem Japan, dass zu dieser Zeit den Umbruch einen Spagat zwischen seinen alten Traditionen und den westlichen Einflüssen hinlegte und erzählt eine blutige Rachestory. Yuki ist eine junge, hübsche Frau, die jedoch nur eine Mission hat: Rache an den Peinigern ihrer Mutter zu nehmen. Allein darum gebar ihre Mutter sie im Gefängnis. Im Laufe des Films arbeitet sie nach und nach die Liste der brutalen Gauner ab, während in Rückblenden die Geschichte ihrer Kindheit und ihrer Mutter erzählt werden.

 

Wisst ihr, Quentin Tarantino ist ein bemerkenswerter Filmemacher. Er ist einer der wenigen Regisseure, die eigentli. Ein Film von Tarantino wird allein wegen seines Namens ein riesiges Publikum anziehen. Die Leute lieben seine Dialoge und seinen einzigartigen Style… moment? Einzigartig? Ja, Tarantino is grandios, aber seine so exotisch wirkenden Schnitt- und Erzählechniken, die Soundtracks und sogar einige Storyelemente entleiht er sich zumeist aus Grindhouseproduktionen oder Filmen aus Hongkong, Italien oder eben Japan. Und bei kaum einen Film ist dies so auffällig wie in “Lady Snowblood”, der die Basis für die beiden “Kill Bill”-Filme legte. Wie gesagt, handelt es sich hier nicht um ein Plagiat, wie ich es in meiner letzten Review zum Film “Yojimbo” beschrieb. Tarantino hat sich aber, und damit geht er sehr offen um, sehr stark von “Lady Snowblood” inspirieren lassen. So sehr, dass ich behaupte, dass jeder der Tarantinlfilme mag, sich auch hier gleich zuhause fühlen wird. Die Action ist auf sehr stilisierte Art brutal, der titelgebende Racheengel ist cool, aber auch etwas unnahbar und die in Kapitel unterteilte Erzählweise mit ihren Eigenheiten wirkt in einem Spielfilm immer noch unverbraucht. Natürlich ist der Streifen nichts für zarte Gemüter – yukis Schwert lässt blutige Gliedmaßen durch die Luft fliegen, Frauen werden vergewaltigt und phyische und psychische Gewalt in jede Richtung wird gezeigt – dies ist natürlich das Butter auf dem Brot der meisten Rachethriller aus den 70s, aber ich möchte meine Leser hier nicht unvorbereitet hineinstolpern lassen. Auch, dass die titelgebende Lady Snowblood aka Yuki nur als reines Rachewerkzeug geboren wurde stellt natürlich einige ethische fragen in den Raum – die zwar adressiert werden, aber nicht tiefer behandelt. Die Inszenierung unterdessen ist schön und sehr stilisiert, vorallem nachdem Yuki auf den Autor Ryūrei trifft werden Panels des Originalmangas, den der Film adaptiert gezeigt, oder am Ende einer Szene fällt ein Vorhang wie im Theater. Lady Snowblood wurde von Regisseur Toshiya Fujita gedreht, dessen Stil eigentlich eher modernere Jugenddramen mit etwas nackter Haut waren. Seine Adaption des Mangas von Autor Kazuo Koike und Zeichner Kazuo Kamimura schaffte es jedoch auch außerhalb der japanischen Inseln Wellen zu schlagen. Zurecht, wie ich finde.

 

Mein Fazit: 8 vom 10 im Schirm versteckten Schwertern

Dieser Film ist etwas, für alle, die Rachestorys, imposant inszenierte Filme und generell japanische Samuraifilme mögen. Auch zu empfehlen ist der Streifen natürlich jedem Tarantino-Fan, da der hier einige seiner Tricks und Kniffe lernte. Lady Snowblood sieht auch heute noch sehr modern aus und die Action, wie auch die melancholische Stimmung machen den Film überaus sehenswert.