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Mrz 09

“LOGAN – THE WOLVERINE” Review

Nach seiner 17-jährigen Karriere als grimmiger Mutant, hängt Hugh Jackman seine Adamantiumkrallen an den Nagel und verabschiedet sich von seiner Paraderolle. „LOGAN“ ist das dritte Spin-Off, der X-Men Reihe, das sich um den Mutanten Wolverine dreht. Die Spin-Offs fingen grottig mit „X-Men Origins:Wolverine“ an. Der zweite Versuch, „Wolverine – Weg des Kriegers“ war schon deutlich besser, aber auch keine Glanzstunde des Kinos. Nun kommt also der Schwanengesang. Ich hab mir den Streifen angesehen und kann euch erzählen was ich von „LOGAN“ halte. Wie immer kommt zuerst mein weitgehend spoilerfreier Ausblick auf die Handlung:

logan-reviewHugh Jackmans finales Abenteuer als Wolverine spielt einige Jahre in der Zukunft. Logan ist ein gebrochener Mann. Seine Heilkräfte schwinden immer mehr und er wird ununterbrochen von Schmerzen geplagt, die er versucht in Alkohol zu ertränken. Das hört sich zwar etwas nach der allseits beliebten Comic „Old Man Logan“ an, aber darüber hinaus gibt es nur wenig Gemeinsamkeiten mit dessen Handlung. Weiter im Text: Logan lebt inkognito, arbeitet aber als Chauffeur um etwas Geld zu verdienen. Hinter der mexikanischen Grenze versteckt er seinen alten Freund und Mentor Charles X. Xavier. Professor X ist bereits Mitte Neunzig und ein verwirrter Greis, dessen mentale Fähigkeiten inzwischen mehr Gefahr als Gabe sind. Logan hat vor mit Charles endgültig zu verschwinden, wofür ihnen aber noch die nötigen Groschen fehlen. Eines Tages wird Logan von einer verzweifelten Latina aufgesucht, die seine Hilfe erbittet. Mit dabei hat die Dame ein kleines Mädchen namens Laura, dass Logan quer durchs Land kutschieren soll. Angeblich wird das Mädchen von einem skrupellosen Gen-Konzern verfolgt. Logan scheint zuerst etwas abgeneigt, doch was er nicht weiß ist, dass ihm Laura ungemein ähnlich ist.

Wie bereits in „Wolverine – Weg des Kriegers“ führt hier James Mangold Regie, dessen bekanntester Film wohl „Walk the Line“ ist. Doch anders als bei seinem letzten Tanz mit dem Wolverine hat Mangold dieses mal wohl mehr Kontrolle über die Produktion gehabt, was sich positiv auf den Film auswirkt. Er wollte einen erwachsenen, seriösen Film machen, also schrieb er selbst mit am Drehbuch und schaffte es auch die Leute von 20 Century Fox davon zu überzeugen das amerikanische „R-Rating“ anzustreben (bei uns – je nach Thematik entweder ab 16 oder ab 18 Freigabe). Ja, das erste mal in seiner fast zwei Dekaden andauernden Leinwandpräsenz spritzt Blut und fliegen Gliedmaßen umher, wenn sich Wolverine mit seinen Krallen zur Wehr setzt. Diese Umstände haben wir eindeutig dem Erfolg von „Deadpool“ zu verdanken, den den Studiobossen aufzeigte, dass man massig Geld verdienen kann, wenn man den Fans gibt was sie wollen und den Filmemachern mehr künstlerische Freiheit gibt. Und das funktioniert auch hier sehr gut. Mangold liefert uns einen sehr emotionalen und tragischen Film ab, der Hugh Jackman genügend Gelegenheiten gibt zu zeigen was für ein großartiger Schauspieler er ist. Doch auch die Co-Stars müssen sich nicht verstecken. Patrick Stewart als seniler Professor X ist sowohl witzig als auch rührend und der Jungschauspielerin Dafne Keen, die Laura spielt, prophezeie ich eine große Karriere. Logan enthält viel Herzblut von Regisseur und Schauspielern, doch das macht den Film leider noch nicht perfekt. Ich muss mich gegen den allgemeinen Strom überschwänglich positiver Kritiken quer stellen. Erstens hat Logan das generelle Problem aller X-Men-Filme, dass die Kontinuität der Filmreihe quasi nicht Existent ist. Vielleicht erscheint es einigen ungerecht, wenn ich „Logan“ dafür kritisiere, dass er nicht die Kontinuitätsprobleme des Franchises löst, doch der Film spielt ja selbst ständig auf die anderen Filme an. Der Film erinnert an Wolverines Abenteuer in Japan, aber dass am Ende von „Wolverine – Weg des Kriegers“ der gute Logan seine Adamantiumkrallen verliert und sie hier plötzlich wieder hat wird ignoriert. Ich kann Gespräche über Sterblichkeit und die Endgültigkeit des Todes zwischen Logan und Charles auch nur begrenzt ernst nehmen, wenn Charles in einen der vorherigen Filme spektakulär starb, und in den nächsten ohne irgendwelche Erklärung wieder am Leben war. Sowas nervt mich einfach. Weitere Probleme entfalten sich dann leider im letzten Drittel des Films. Ich möchte nicht zu viel verraten, darum sage ich nur, dass ich die zusätzlichen Bösewichte und Gegner Wolverines, die später im Film auftauchen irgendwie überzogen uninspiriert und unnötig finde. Der Film schlägt an einen Punkt einen Weg ein, der zwar nicht per se schlecht ist, aber mich einfach enttäuscht. Da fängt Logan so stark an, fühlt sich sogar etwas wie ein Indiefilm an und hebt sich von den restlichen X-Men-Filmen ab, doch dann fällt er gegen Ende wieder in ein paar alte Verhaltensmuster. Das sind alles Kritikpunkte, die ich persönlich am Film habe, die aber die meisten von euch wohl nicht stören werden. Trotz all dem hat mir Hugh Jackmans letzter Auftritt als Wolverine aber gefallen. Jackman hat seine Sache als Mutant gut gemacht und „Logan“ bereitet ihm einen würdigen Abschied.

 

Mein Fazit: 6 von 10 X-Men Comicheften

Ein erwachsener Superheldenfilm, der ähnlich tragisch wie Mangolds „Walk the Line“ ist, jedoch um einiges blutiger. Für Fans der X-Men-Filme und Hugh Jackmans Verkörperung von Wolverine ein absolutes Muss, auch wenn der letzte Akt etwas holperig ist. Danken wir Hugh für die letzten 17 Jahre – egal wie gut oder schlecht die X-Men-Filme waren, Hugh Jackman nie das Problem. Er hat immer einen klasse Wolverine gespielt!