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Jan 16

“MARY SHELLEY” (2017) Review

Ich muss einsehen, dass ich nicht ausschließlich Horror- und Sci-Fi-filme für meine Seite ansehen und bewerten darf. Manchmal sollte ich meinen Horizont eben etwas ausweiten. Aber entfernen wir uns nicht zu weit von der Komfort-Zone. Wenn ich nicht über Science-Fiction- oder Gruselfilme per se schreibe, könnte ich ein Bio-Pic über eine der einflussreichsten Autoren hinter den Genres mal betrachten! Heute habe ich mir nämlich „MARY SHELLEY“ angesehen, ein Film über die Frau, die Frankenstein schrieb! Gespielt wird die Titelrolle außerdem von Elle Fanning, die schon in Filmen wie „The Neon Demon“ grandios war. Haken wir also kurz den Story-Teil meiner Review ab und im Anschluss erfahrt ihr, ob der Film der legendären Mary Shelley gerecht wird:

mary-shelley-2017Mary Godwin wird 1797 geboren. Ihre Mutter, eine Autorin und Frauenrechtlerin starb leider nur wenige Tage darauf. In ihrer Kindheit genoss Mary dank ihres Vaters, der ebenfalls ein intelektueller Schriftsteller und Sozialphilosoph war, eine Ausbildung wie nur wenige junge Damen in dieser Zeit. Inspiriert von ihren Eltern und deren Ideen und Talenten strebt auch Mary das Schriftstellerhandwerk an und verbringt viel Zeit damit zu Lesen und zu schreiben – oftmals auch am Grab ihrer Mutter. Mit 16 Jahren lernt sie den aufstrebenden Poeten Percy Shelley kennen und beide stürzen sich in eine Romanze, die vor allem für das prüde London sehr stürmisch ist. Wir erleben den weiteren Lebensweg mit Höhen und vielen Tiefen, die Mary letztendlich dazu bringen ihren ersten Roman „Frankenstein“ zu schreiben und als Schriftstellerin anerkannt zu werden.

Wenn ich an Mary Shelley denke und das Leben, dass sie im frühen 19. Jahrhundert führte, dann war die Frau eine goth-, punk-, badass-. Querdenkerin. Eine Revolutionäre, die von unzähligen Schicksalsschlägen heimgesucht wurde jedoch unbeirrbar ihren Weg ging. Überlegt mal, die Halbwaisin verlor ihre Jungfräulichkeit auf dem Grab ihrer eigenen Mutter, brannte mit 16 mit einem verheirateten Mann durch, den sie sich angeblich mit ihrer Stiefschwester „teilte“ und wanderte 6 Wochen mal quer durch Europa. Sie verlor 2 ihrer Kinder und viele ihr nahe stehenden verstarben im jungen Alter oder begingen Suizid. Sie war hochgebildet, vertrat öffentlich ihre, für damalige Verhältnisse radikale Ansichten über Gleichberechtigung und schrieb neben vielen anderen anerkannten Stücken noch als Teenager einen Roman, der das Sience-Fiction-Genre aus der Taufe hob und gleichzeitig eine der bekanntesten Popkulturikonen schuf. Als Witwe hob sie schließlich das Herz ihres verblichenen Ehegattens Percy eingewickelt in seine Gedichte in einer Schublade auf. Und man muss nochmal überdenken wie weit vor allem ihr Werk Frankenstein ihrer Zeit vorraus war – andere klassische Horrorgeschichten, wie z.B. Dracula wurden erst gute 80 Jahre später veröffentlicht.
Wie ihr merkt habe ich diesen Film etwas als Vorwand genutzt um von einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen zu schwärmen. Leider leider, spiegelt der Film dieses absolut einzigartige Leben nicht direkt wieder. Das Biopic von Regisseurin Haifaa al-Mansour, hakt zwar die wichtigsten Punkte von Shelleys Jugendjahren ab, liefert aber eine sehr weichgespülte Fassung. Es kommt mir fast so vor als wollte man sich dem typischen Publikum für romantische Dramen ala „Ein ganzes halbes Jahr“ oder „The Fault in Our Stars“ anbiedern. Der guten Mary wurden die Zähne gezogen um sie in die eher stereotypische Schablone der Protagonistinnen derartiger Filme zu pressen. Die Geschichte selbst plätschert etwas sanft dahin und hinterlässt darum keinen dauerhaft bleibenden Eindruck.

 

 

daumen-hoch-und-runterMein Fazit: Ein Daumen hoch und einer runter

Dieses durchschnittliche Biopic kann leider nicht mit dem bewegten und aufregenden Leben der echten Mary Godwin Shelley mithalten. Ganz durchgefallen ist der Film bei mir aber auch nicht, da er rein handwerklich nicht schlecht gemacht ist und ein tolles Cast hat. Für einen Abend zu zweit ist „Mary Shelley“ nicht völlig ungeeignet, aber danach sollte man vielleicht nachschlagen wie die Jahrhundertautorin tatsächlich gelebt hat.