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Apr 22

„MATANGO“ (1963) Review

Heute gibt es eine Review-Fungi mit extra Käse! Ich habe festgestellt, dass ich in letzter Zeit fast ausschließlich moderne Filme hier behandelte – da muss ich doch dringend mal wieder etwas aus meiner Retro-Kiste herauskramen! Matango ist ein japanischer Horrorthriller aus den swingin 60s der leider etwas unter dem Radar der meisten fliegt. Warum das so ist und wieso das so schade ist, werde ich nach meiner üblichen Handlungszusammenfassung erklären.

matango-1963-reviewAuf einer Yacht vergnügen sich ein paar junge, reiche Leute aus Tokyo. Allerdings wird die Truppe von einem plötzlich aufziehenden Sturm überrascht und abgetrieben.Verloren auf hoher See, stolpern die Yuppies auf eine unbekannte und anscheinend unbewohnte Insel. Auf dem trostlos wirkenden Eiland gibt es nur eine Spur von menschlichen Besuchern: Ein gestrandetes Schiff, dessen inneres vollkommen von einer merkwürdigen Schimmelschicht überzogen ist. Und während sich die Gestrandeten langsam in die Haare bekommen und dem Inselkoller verfallen wird klar, dass mit diesem vergammelten Kahn und dem darauf anzutreffenden Pilz etwas nicht stimmt.

„MATANGO“ basiert auf der Kurzgeschichte „The Voice in the Night“ von 1907 und wurde von keinen geringeren als Ishiro Honda verfilmt. Dies hat mich übrigens erst auf den Streifen gebracht, denn Honda ist kein geringerer als der Vater von Godzilla, der nicht nur für dessen Leinwanddebüt, sondern auch für zahlreiche folgende Godzilla-Filme auf dem Regiestuhl saß. Auch vor der Kamera tummeln sich eigentlich ausschließlich Gesichter aus TOHOs Schauspielerraster wie Hiroshi Koizumi oder Kumi Mizuno, die man auch aus zig Godzillafilmen kennt. Doch „Matango“ ist kein Streifen in dem plötzlich ein gigantisches Monster auftaucht das sich mit dem Militär duelliert. Dies ist einer der wenigen Filme in dieser Ära von Hondas Schaffen, der nichts mit klassischen Kaijus zu tun hat, stattdessen erwartet einem ein sehr früher Vertreter des Bodyhorrorgenres gemischt mit etwas Herr der Fliegen. Während die Zankereien unter den Figuren, wer das Sagen hat und was man essen soll immer weiter anschwellen drängt sich ihnen auch langsam auf, wieso nicht einfach den Pilz essen? Also auch wenn diese wohl einen negativen Effekt auf den Körper haben und weiß-Gott-was mit einem anstellen. Für meinen Geschmack konzentriert sich der Film im Mittelteil etwas zu stark auf die Rangeleien in der Gruppe, das sensationale, psychadelische Finale macht jedoch jegliche Längen die der Film hat wieder wett. Honda hat auch ein paar schöne Parallelen zur Drogenabhängigkeit mit seiner Pilzstory gezogen und war mit „Matango“ seiner Zeit ziemlich voraus. Ähnliche Body-Horror-Elemente sollten erst Anfang der 80er durch die Filme von Cronenberg und Carpenter richtig aufblühen und wo etwas wie Pilz-Monster oder Pilz-Zomies wurden erst viel später durch Videospiele wie „The Last of Us“ popularisiert. Doch der Versuch hier richtig gruseliges Horror-Make-Up anzuwenden hat Honda teuer bezahlen müssen. Da einige der Make-Up-Effekte wohl etwas zu sehr an die strahlenbedingten Deformierungen der Hibakusha, also den Überlebenden der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki, erinnerten wurde „Matango“ fast verboten. Danach bekam der Film in den USA auch keinen Platz in den Kinos, sondern wurde direkt als TV-Film verwurstet. Nun, im Internetzeitalter stoßen aber immer mehr Leute auf diesen Geheimtipp. Den meisten der neuen Fans von „Matango“ werden wohl, wie ich, Kaiju-Fans sein, die sich durch die Filmographie von Ishiro Honda arbeiten und dann auch seine Filme ohne Godzilla und Rodan aufspüren.

daumen-hochMein Fazit: Ein Fungi-Daumen nach oben

„Matango“ ist toller Old-School-Horror! Honda wusste einfach, wie man trotz geringen Budgets und kurzer Produktionszeit einen Fantasyfilm dreht, der nicht nur vom Effekt und Monster lebt, sondern auch interessante Figuren und einen relevanten Subtext hat. Und gerade weil „Matango“ recht unbekannt und das Konzept des Film so originell ist, könnte ich mir hier auch ein modernes, westliches Remake mit Alex Garland oder Neill Blomkamp im Regiestuhl vorstellen.