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Apr 12

“MIDSOMMAR” (2019) Review

Ich war wahrlich beeindruckt von Ari Asters Horrorstreifesns „Hereditary“ von 2018 und darum habe ich mich auch wahnsinnig auf sein Folgeprojekt „Midsommar“ gefreut. Aster ist schließlich ein aufgehender Stern am Horrorhimmel, der auf langsam aufbauenden in die Knochen fahrenden Schrecken setzt. Nach der Handlungszusammenfassung kann ich euch dann sagen, ob meine zugegebenen hohen Erwartungen auch von „Midsommar“ erfüllt wurden:

midsommar-2019Eine Gruppe amerikanischer Studenten machen sich zusammen mit ihrem schwedischen Kumpel auf die Midsommerfestivitäten dessen Heimatortes zu besuchen. Darunter ist auch Dani und Christian, deren Beziehung bereits etwas marode ist. Trotzdem tritt auch Dani, die dadurch der Außenseiter in der Männergruppe ist, die reise ins schwedische Hinterland an. Dort werden die jungen Amerikaner von einer freundlichen, ursprünglich lebenden Gemeinde erwartet. Irgendwo zwischen Hippie-Komune und heidnischen Kult feiern die Einheimischen in die sonnigen Nächten des nordischen Midsommers – aber wie ihr sicher ahnt wirken einige ihrer Bräuche verstörend auf die Besucher… und bergen vielleicht auch einige Gefahren für sie.

Wie zu erwarten war, hat auch hier Aster sein Auge für das Groteske zum Einsatz gebracht. Midsommar ist wunderschön gefilmt und versetzt mit alptraumhaften Drogensequenzen und bizarren Bildern die sich in die Augäpfel des Zuschauers brennen. Langsam, langsam baut der Film auf aber anders als bei „Hereditary“ fehlt der Wendepunkt ab dem die Kacke plötzlich richtig am dampfen ist. Stattdessen tuckert Midsommar seine 141 Minuten weiter so hin und ich fühlte mich vom Gezeigten leider wenig überrascht. Dann dämmerte mir auch wieso: Midsommar hat sehr starke Parallelen zum Christopher Lee-Klassiker „The Wicker Man“ von 1973! Ton, Thema, Umsetzung und Plot schreiten förmlich nach Wicker Man! Und ebenso wie dieser Klassiker versteht es Midsommar seinen Horror für den „westlich-zivilisierten“ Zuschauer aus den fremdartig-anmutetend Gebräuchen der Heiden zu ziehen. Doch soetwas wie ausschweifende Fruchtbarkeitsriten sind heutzutage meiner Meinung nach bei weitem nicht mehr so schockierend wie in den 70gern und dass die Heiden auf die eine oder andere Art den amerikansichen Hauptfiguren ans Leder gehen ist ja auch offensichtlich – also sowohl in sexueller als auch mörderischer Hinsicht. Wer weiß was man so bei einer Sonnwendfeier macht, wird also auch vom Finale nicht überrascht sein. Abseits der Heiden-Prämisse haben mir die Hauptfiguren auch wenig geboten. Dani und Christians Beziehungsdrama hätte etwas hergeben können, Danis Trauer um den Verlust ihrer Familie oder auch einfach der Zwist zwischen den Studenten hätten mehr Relevanz haben können. All diese Sachen scheinen aber eher oberflächliche Konflikte zu sein, oder eben klar seit den ersten 5 Minuten des Films. Dani als Hauptfigur hätte den Film durch eine etwas größere Transformation deutlich interessanter machen können, doch leider wird hier auch irgendwie wenig geliefert. Ich muss also ehrlich zugeben, dass ich von „Midsommar“ schon ein bisschen enttäuscht war. Man mag mich ja als Banausen bezeichnen, da ich auch „The Wicker Man“ nicht so hoch lobe wie es seine beinharten Fans machen. Darum würde ich vor allem den Leuten die „The Wicker Man“ lieben und gezeichnet vom lächerlichen Remake von 2006 sind, diesen Film als „Quasi-Remake“ oder „Spirituelle Fortsetzung“ ans Herz legen. Midsommar kann auf jeden Fall durch seine Umsetzung, durch seine blütenbesetzte, sonnige Alptraumstimmung punkten, die man in nicht vielen Filmen sieht, doch abgesehen davon ich bin anscheinend nicht das Zielpublikum für diesen Streifen.

daumen-hoch-und-runterMein Fazit: Einen Daumen nach oben und einen Daumen nach unten

Ich weiß nicht woran es liegt. Vielleicht daran, dass in meinen Breiten alte Bräuche wie der „Maitanz“, das „Johannisfeuer“ und ähnliche Sachen noch nicht ganz ausgestorben sind, oder dass ich als bekennender Atheist von „heidnischen“ Ritualen nicht so in meinen Grundfesten erschüttert werde wie vielleicht ein strenggläubiger Katholik. Es kann auch etwas völlig anderes sein, aber abgesehen von der exzellenten Optik des Films und dass man wenig dergleichen im modernen Filmen sieht, hat Midsommar für mich leider bei weitem nicht soviel zu bieten wie sein Vorgänger Hereditary. Ich werde aber trotzdem Ari Asters weiteres Schaffen im Auge behalten, denn auch wenn mir dieser Streifen nicht zu 100% zugesagt hat, kann ich das Talent dahinter immer noch sehen.