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Apr 02

„MIMIC“ (1997) Review

Mit „Auslöschung“, „The Ritual“ und „Black Panther“ habe ich ein paar aktuelle Filme abgearbeitet, aber nun will ich mich mit „Mimic“ von Guillermo del Toro wieder meinem Leitmotiv dieses Frühjahrs widmen, und zwar „Horrorfilme der 90er“… wobei „an den Kinokassen gescheiterte Horrorfilme der 90er“ wohl passender wäre. Aber darauf kommen wir später zurück, reden wir erst einmal um was es in „Mimic“ überhaupt geht, und dann reden wir über dessen holperige Produktion und dessen Stellenwert in der Filmografie des inzwischen gefeierten Guillermo del Toro.

mimic-1997Um eine von Kakerlaken übertragene Seuche in Manhatten zu bekämpfen entwickelt die Entomologin Dr. Susan Tyler eine Kreuzung verschiedener Insektenspezies, die die Kakerlaken töten und dann selbst binnen weniger Monate aussterben sollten. Dies funktioniert auch anfangs: Die Krankheit ist geschlagen, Susan ist erfolgreich und startet eine glückliche Beziehung mit dem Seuchenbeauftragten Dr. Peter Mann. 3 Jahre später ereignen sich jedoch einige Todesfälle und in Susans Hände fällt eine Insektenlarve, die nur ein Nachfahre ihrer Insektenkreuzung sein kann. Diese Insekten haben sich in den umfangreichen U-Bahn- und Kanalisationsnetz eingenistet und rapide entwickelt. Dabei haben sie sich auch angepasst um die Form eines Menschen nachzuahmen.

 

„Mimic“ war einer der ersten Filme del Toros und seine erste Hollywoodproduktion. Heute sagt er, dass es wohl einer seiner wichtigsten Filme war, denn letztendlich hat ihn dieser Film zu einen besseren Regisseur gemacht. Hier lernte er was für eine Art Regisseur er sein wollte, welche Prinzipien er bei der Wahl seiner Projekte er verfolgen sollte, wie er sich mit Produzenten auf Kompromisse einigen müsse und zudem feilte er spürbar an seiner Filmtechnik. Die Produktion von „Mimic“ war geprägt von ständigen Eingriffen der (oft wechselnden) Produzenten. Bevor “Mimic” zum Spielfilm wurde war er als 30-minütiger Kurzfilm gedacht, danach wurde das Drehbuch immer und immer wieder umgeschrieben, und del Toro musste hart kämpfen um selbst Banalitäten durchzusetzen, wie z.B. dass die männliche Hauptrolle Brillenträger sein sollte. Andere Vorsätze, wie zum Beispiel, dass der Film frei von üblichen Horrorklischees sein soll, die Killerinsekten keinerlei Verbindung zu Kakerlaken haben, dass die männliche Hauptrolle ein Afroamerikaner und Josh Brolins Figur homosexuell sein sollte wurden vom Studio über Bord geworfen. Und auch del Toros geplanten religösen und philosophischen Ansätze sind nur noch sehr vage im Endprodukt zu erkennen. Dinge, wie das ursprünglich von Guillermo geschriebene, bizarre und melancholische Ende des Films wurden durch ein mehr an den Film Aliens erinnerndes Finale ersetzt. Wir haben also wieder einen Streifen vor uns, dessen ursprünglich von den Regisseur geplante Version wesentlich interessanter ist als der fertige Film. Aber immerhin erschien 2011 der Director’s Cut auf BluRay, der zwar immer noch nicht der Film ist, den del Toro eigentlich drehen wollte, aber zumindest eine Fassung mit der er als Film zufrieden ist. Für meine Review werde ich darum auch hauptsächlich den Director’s Cut betrachten, da es die bessere Fassung von „Mimic“ ist. Trotz der vielen Beschränkungen durch die Produzenten spürt man Guillermos Handschrift in den Kameraaufnahmen. Es ist eindeutig sehr viel Mühe in das Design und den Look des Films geflossen. Tiefe Blautöne, unterbrochen von bernsteinfarbenen Lichtquellen dominieren die Farbpalette des Films. Die Atmosphäre der New Yorker Unterwelt ist erdrückend und obwohl die Produzenten einige Änderungen im Design der Mimic-Kreaturen forderten sind diese überaus gelungen – vor allem wenn sie in Form von Puppen oder animatronischen Robotern auf die Leinwand gebracht wurden. Allerdings gibt es auch einige Computereffekte, die (wie die meisten aus den 90ern) nur schlecht gealtert sind. Und wenn wir schon mal bei den negativen Aspekten des Films sind, muss ich auch sagen, dass die Kreaturen für meinen Geschmack zu früh enthüllt wurden und deren Existenz zu wenig Mysterium umgibt. Ich finde das Konzept des Menschen-Mimikrys der Rieseninsekten wahnsinnig cool, doch im Film gab es kaum Momente die dieses Potential voll ausschöpften – wohl auch, weil – wie erwähnt – die Identität der Kreaturen von Anfang an klar ist. Etwas, dass ich auch eher nervig als bereichernd fand war das autistische Kind Chuy, das nicht nur einen, nicht zwei, sondern gleich drei Ticks hatte, was eindeutig übertrieben ist. Mimic ist somit nur ein weiterer Horrorfilm. Fans des Genres wie ich werden zwar einerseits damit ihren Spaß haben, sich aber andererseits schmerzhaft daran erinnern, dass es besseres Material in diese Richtung gibt und das Del Toro auch deutlich bessere Filme drehen kann – wenn man ihn nur lässt.

Mein Fazit: 6 von 10 kleinen Drahtfigürchen

Auch im Director’s Cut ist „Mimic“ leider nur ein Streifen der „okay“ ist. Zwar ist er filmtechnisch gut gemacht, ansonsten aber leider etwas „nach Schema F“. Das Märchenhafte und Fantastische das Del Toros Filme eigentlich immer inne lebt und von der Masse abhebt fehlt hier leider in weiten Teilen. Eine ambitionierte Idee wurde vom Studio zur Massenkost glattgebügelt. Dies war wohl einer der Gründe wieso „Mimic“ an den Kinokassen scheiterte. Ähnlich wie „Das Relikt“, das im gleichen Zeitraum ins Kino kam, war es einer der Versuche eine B-Movie-Handlung mit A-Movie Standards zu drehen. 1997 sah „Mimic“, „Das Relikt“ und „Event Horizon“ floppen und dies mag wohl der Grund sein, wieso es immer weniger Filme wie diese gibt. Eine traurige Entwicklung – noch trauriger als die Tatsache, dass wir wohl nie den originellen Film zu Gesicht bekommen werden, der „Mimic“ hätte sein sollen.

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  1. “LAKE PLACID” (1999) Review » Degl-Toons

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