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Dez 07

„MOTHRA“ (1961) Review

Es war mit langen Warten verbunden bis ich diesen Film nun endgültig in den Händen hielt. Der Film wurde von Japan losgeschickt, verschwand für einige Wochen irgendwo in den Überprüfungs- oder Sortierzentren der deutschen Post, bis dass ich mich durch den Kundenservice dieser quälte und mir gesagt wurde, dass die einzige Option darin besteht, dass der Sender die Ware zurückordert. Also wurde mit dem Flugzeug das Päckchen zurück nach Tokyo gebracht, dort nach einigen weiteren E-Mails von mir, nochmal neu verschickt. Es ging schließlich durch die Hände des Zolls und nun, gute 3 Monate nachdem ich damals auf „Bestellen“ geklickt habe halte ich nun ein paar japanische Monsterfilme in Händen, die hierzulande entweder zu horrenden Preisen oder in stark gekürzten Versionen mit schlechter Filmqualität zum Verkauf angeboten werden – im schlimmsten Fall beides. Solche Importe laufen zwar meistens recht glatt, aber manchmal macht man wohl auch so eine Erfahrung. Wie auch immer, einer dieser vier Filme, die ich importierte ist „MOTHRA“, oder „MOSURA“, wie er im original genannt wird. Und genau über diesen Film möchte ich heute reden. Da uns 2019 ein weiterer amerikanischer Godzillafilm vom Studio Legendary erwartet, in dem wir auch auf Rodan, Mothra und Ghidorah treffen werden, habe ich vor alle für diese Monster relevanten Filme auf meiner Seite vorzustellen. Reden wir also über die coolste Motte der Filmgeschichte! Wie üblich, zuerst ein kleiner Ausblick auf die Handlung:

mothra-reviewWie üblich für einen Monsterfilm aus den 60ern startet dieser Streifen mit dem obligatorischen Atombombentests. Dieses mal weckt der große Knall nicht direkt ein Ungeheuer. Ein japanisches Schiff kentert jedoch durch die Tests und eine Hand voll der Schiffsbrüchigen schafft es sich auf eine nahe Insel zu retten. Als diese von der Insel gerettet werden, stellt man mit erstaunen fest, dass sie keinerlei Schäden durch die Strahlung genommen haben. Um die anscheinend einmaligen Umstände auf dem kleinen Eiland zu erforschen, wird eine Expedition entsannt, die sich aus Japanern und Roliscianern zusammensetzt. Rolisicia ist die fiktionale Nation, die auf Russland und den USA basiert (jedoch hauptsächlich auf den USA) und im Film für die Atomtests verantwortlich ist. Auf der angeblich unbewohnten Insel stößt die Expedition nicht nur auf eine ungewöhnliche Flora, sondern auch auf einige Eingeborene, sowie einem paar hübscher Zwillingsdäumelinchen, den Shobijin, die darum bitten ihre Insel in Ruhe zu lassen. Ein raffgieriger Geschäftsmann, der ebenfalls ein Expeditionsteilnehmer ist, riecht hier das schnelle Geschäft, entführt die beiden kleinen Damen, und führt sie in Tokyo als Showact vor. Die „kleinsten Frauen der Welt“ und ihr sirenengleicher Gesang sind ein wahrer Publikumsmagnet, doch der erwähnte Gesang ist eigentlich eher ein Hilfeschrei an Ihre antike Gottheit Mothra, die in einem riesigen Ei auf der Insel ruht. Dem Ruf der Shobijin folgend schlüpft Mothra in Form einer gigantischen Raupe und bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg Richtung Tokyo.

Nach dem Erfolg von Godzilla im Jahre 1954 hat es das Filmstudio Toho zwar unmittelbar mit einer direkten Fortsetzung versucht, aber es dauerte etwas, bis Godzilla zu dieser alles überschattenden Ikone für das Genre wurde. In den Jahren, bevor dies geschah, versuchte sich Toho daran neue Monster in eigenständigen Filmen zu etablieren, wie Rodan oder Varan, denen ich mich vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt widmen werde. „Mothra“ sollte zwar viele Merkmale der anderen Monsterfilme tragen – die Handlung hat zum Beispiel einige Parallelen zum Klassiker King Kong- , aber die entscheidenden Faktoren, die diesen Film von den anderen unterscheiden war seine familienfreundliche Natur und ein Mensch als eindeutiger Antagonist der Handlung. Die Shobijin werden vom Bösewicht des Films entführt und Mothra bricht auf sie zu retten. Mothra wird als extreme Gefahr für die Menschen dargestellt, aber sie hat eine klare und eindeutig nachvollziehbare Motivation. Außerdem ist Mothra, zumindest sobald sie als Riesenmotte unterwegs ist auch ein verhältnismäßig putziges Kaiju.

mothra

Der plüschige Schmetterling avacierte in seiner Filmgeschichte immer mehr zu einem der beliebtesten Filmmonster und das hat auch damit zu tun, dass Mothra mit den Jahren immer mehr zu einem gutmütigen Monster wurde. Eine ähnliche Wandlung machte Godzilla zwar auch durch, aber bei Mothra waren hier die Schienen schon von Anfang an deutlich gelegt. Von Anfang an war sie als Schutzgöttin auf ihrer Insel verehrt. Mothra ist das Monster, dass Godzilla im Film „Ghidorah“ davon überzeugt erstmalig für die Menschen zu kämpfen – diesen Film werde ich aber auch später einmal einzeln betrachten, aber zurück zum Film „Mothra“. Ein weiterer Punkt, den Mothra auszeichnet sind die detaillierten Modellbauten, die zerstört werden. Da anders als bei den meisten Kaiju-Filmen nicht nur ein armer Kerl in ein einem Gummikostüm gezwängt wurde. Ähnlich den Drachenkostümen die man von chinesischen neujahrsparaden kennt, steckten hier mehrere Männer, 7 an der Zahl, im Raupenkostüm und schoben sich durch Modellstädte, die dadurch in einem viel größeren Maßstab gebaut werden konnten. Die Monsterszenen im Film sind also für Genrefreunde ein wahrer Leckerbissen, doch man muss sich etwas gedulden. Mothra lässt sich bis ungefähr zur Hälfte des Films nicht blicken, was dem einen oder anderen etwas zu lange dauern könnte. Aber wie gesagt, es gibt einiges worauf man sich freuen darf. Spätestens wenn die kleinen Feen ihren Mothra-Song anstimmen, den man im Anschluss die nächsten Tage nicht mehr aus dem Kopf bekommt, zeigt der Streifen seine klaren stärken.

Mein Fazit: 8 von 10 ulkigen Reportern

Ein etwas zäher Start, eine kindgerechte Inszenierung und ein plüschiger Schmetterling als Monster. Man könnte meinen, dies sei zum Scheitern verurteilt. Doch Godzilla-Regisseur Ishiro Honda schafft es daraus einen von Tohos großen Klassikern zu machen. Ich freue mich bereits dass Mothra 2019 in „Godzilla: King of the Monsters“ das erste mal in einem Hollywoodblockbuster zu sehen sein wird und hoffe, dass ihr der Streifen gerecht wird, denn die Mottengottheit ist eines meiner absoluten Lieblingsfilmmonster.