«

»

Aug 31

„ONIBABA – DIE TÖTERINNEN“ (1964) Review

Irgendwie komme ich von japanischen Filmen nicht wirklich los. Da stehe ich vorm DVD-Regal und suche mir ohne groß nachzudenken einen Streifen raus und als ich die halbe Review fertig geschrieben habe, fällt mir erst auf, dass ich in letzter Zeit eigentlich über kaum etwas anderes geschrieben habe. Naja, sei es drum, heute geht es um den den atmosphärischen 60s-Streifen „ONIBABA“! Beginnen wir mit der Handlung:

onibabaMitte des vierzehnten Jahrhunderts befindet sich Japan in einem fatalen Bürgerkrieg. In einem Meer aus Schilf verstecken sich eine Frau mittleren Alters und ihre junge Schwiegertochter. Sobald sich einzelne Soldaten im Dickicht verirren, schlagen die Damen zu. Hinterhältig erstechen sie ihre Opfer, plündern die Leichen und verkaufen dann Rüstung und Waffen. Eines Tages kehrt ein alter Bekannter zurück ins Schilfmeer und bringt schlechte Nachrichten mit: Der Sohn der älteren Frau, und damit der Mann der jüngeren ist im Krieg gefallen.

„ONIBABA“ ist ein sehr stimmungsvoller Film. In melancholisch bläst der Wind durch den hohen Schilf, während Tod, Einsamkeit und Verzweiflung über den minimalen Cast des Films gestreut werden. Obwohl man keine Schlachtszene oder ähnliches sieht, ist der Krieg den ganzen Film über spürbar. Er bedroht die Hand voll Charaktere, die man im Laufe von „ONIBABA“ kennenlernt stetig. Dabei befindenden sich die beiden Titelgebenden Frauen (Onibaba heißt zu deutsch soviel wie “Dämonenfrauen”) stehen hier im Zentrum. Anfangs sind sie ein eingespieltes Team, aber dadurch, dass der Sohn/Ehemann, der die beiden Damen miteinander verband nun tot ist, spürt man wie sich langsam diese Bindung löst. Dies wiederum nährt einen Konflikt zwischen Überleben und Liebesleben der Frauen.  Der Soundtrack, der zwischen Minimalismus und einem jazzigen Stakkato schwankt untermalt dies ausgezeichnet und die Kameraarbeit ist fantastisch. Die Szenen des Schwarz-weiß-Films sind großartig eingefangen. Obwohl wir es auch hier mit einem eher minimalistischen Setting inmitten des Schilfs zu tun haben sieht alles großartig aus. Allerdings nimmt sich der Film viel Zeit um eine relativ kurze Geschichte zu erzählen. Vielleicht hat sich der Regiesseur und Drehbuchautor Kaneto Shindo zu sehr in diese melancholische Atmosphäre verliebt und wollte sie weiter ausbauen, aber eine etwas straffere Erzählweise hätte mir persönlich besser gefallen. „ONIBABA“ wird häufig als Horrorfilm bezeichnet, aber ein Großteil des Films ist eher ein sich langsam aufbauendes Drama. Erst in seinen letzten Minuten keimt die Gruselsaat und der Streifen verwandelt sich zu einer Art Horrormärchen. Und ich wähle das Wort „Märchen“ nicht grundlos. Der Film erinnert mit seiner makaber inszenierten Moral am Ende an einige der Geschichten der Gebrüder Grimm.

Mein Fazit: 6,5 von 10 tiefen Löchern

Das einzige was ich diesen Film negativ anrechnen kann, ist dass er kürzer sein und vielleicht seine Horrorelemente früher etablieren könnte. Ansonsten ist es ein betörend schönes, wehmütiges Drama. Wer hier jedoch, aufgrund der gruseligen Maske auf dem Filmposter eine Art Slasher-, oder Geisterfilm erwartet könnte enttäuscht werden.