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Sep 04

“ORCA – DER KILLERWAL” (1977) Review

Die letzten Monate war es zugegebener Maßen verdammt still auf meiner Homepage. Dies hatte hauptsächlich damit zu tun, dass ich gemeinsam mit meiner Freundin ein Haus baute in das wir inzwischen eingezogen sind. Es sind zwar noch nicht alle Arbeiten am Haus erledigt – ältere, weisere Leute behaupten ja, dass die Arbeit an einem Haus nie vorbei ist – aber ich glaube nun finde ich langsam wieder Zeit die eine oder andere Filmreview zu schreiben. Und Leute, ich habe während sich Viren und andere Katastrophen die Klinke in die Hand gaben, einige sehr coole Streifen gefunden, die ich mit euch teilen möchte!

Beginnen wir mit meiner neuesten Entdeckung aus der DVD-Grabbelkiste: Orca von 1977. Ein Film, der wohl kaum verheimlichen kann, dass er ein Trittbrettfahrer von Stephen Spielbergs Blockbuster „Der Weiße Hai“ ist. Aber haben wir es hier tatsächlich nur mit einem billigen Abklatsch zu tun, oder hat der Killerwal-Film auch eigene Schauwerte? Manche erinnern sich vielleicht noch wie mein Reviewformat aussieht: Zuerst gibt es eine kurze Handlungzusammenfassung und dann geht es an das Eingemachte!

orca-1977Vor der kanadischen Küste tuckert Kapitän Nolan und seine Crew auf einem Fischerboot umher. Um seine Schulden abzuzahlen will Nolan große Meerestiere fangen und an ein örtliches Aquarium verscherbeln. Nach anfänglichen Plänen einen weißen Hai zu fangen, entscheidet sich Nolan schließlich dafür den tatsächlich gefährlichsten und mächtigsten Meeresräuber habhaft zu werden: Dem Orcawal. Sein Fangversuch an einem stattlichen Männchen misslingen jedoch – seine Harpune streift den Bullen nur und tötet stattdessen seine trächtige Partnerin. Während Nolan sich noch darüber ärgert den falschen „Fisch“ erwischt zu haben sinnt der verwitwete, hochintelligente Orca nach Vergeltung und wird tun was in seiner Macht steht, damit ihm sich Nolan auf offener See zum Kampf stellt.

Wie ihr schon merkt verfolgt „Orca“ einen anderen Ansatz als die meisten Tierhorrorfilme. Hier versucht der animalische Killer nicht einfach zu fressen, sein Revier zu verteidigen oder seinen Nachwuchs zu beschützen, nein, es ist eiskalte Rache die den Wal motiviert. Als Zuschauer fällt es einem nicht schwer Sympathie für den Meeressäuger zu fühlen, nachdem man mit ansieht wie schockierend dessen Familie stirbt und wie rücksichtslos Kapitän Nolan ist. Dieser wird gespielt von Richard Harris, den die meisten wohl als Dumbledore aus den ersten beiden Harry Potter Filmen kennen werden. Neben Charlotte Rampling, die im Film die Walforscherin und Orca-Enthusiastin Rachel Bedford spielt, 80er Jahre Sex-Symbol Bo Derek und dem „Einer flog über das Kuckucksnest“-Star Will Sampson ist die wichtigste Rolle im Film der Titelgebende Orca. Und dieser wird von gar nicht so üblen Effekten zum Leben erweckt. So manche Überblendung des springenden Wals und ein paar der Miniaturen überzeugen nicht zu 100%, aber der Einsatz von Aufnahmen echter Orcas und die lebensgroße Animatronik können nicht nur locker mit Spielbergs Hai mithalten, sondern übertrumpfen diesen bei weitem. Angeblich wurde der Transport der Walattrappen sogar von Tierschützern behindert, da diese dachten es handle sich um lebendige Tiere. Untermalt wird der Meeressäuger-Rachethriller von einem schönen Score, den man ab der ersten Note schon als Ennio Morricone-Komposition erkennt. Aber trotz all dem wurde Orca von den Kritikern verrissen. Auch heute noch gammelt der Film bei Rottentomatoes auf erbärmlichen 9%. Zu unrecht wie ich finde. „Orca“ ist ein kompetenter Rachestreifen, der vielleicht nicht ganz an das Genie von „Der weiße Hai“ herankommt, aber auch nicht nur versucht diesen zu kopieren. Man bekommt natürlich ein paar Moby-Dick-Klischees vorgesetzt, so ziemlich alles über die Fähigkeiten der Wale ist übertrieben und die menschlichen Figuren verblassen etwas neben dem „Mörderwal“, aber ich glaube dieser Anti-Free-Willy hat viel zu lange ein Schattendasein geführt. Vor allem Fans von Tierhorrorstreifen kann ich “Orca” ans Herz legen, da der Film in der Flut von Filmen, die im Fahrwasser von JAWS erschienen wahrlich positiv hervorsticht.

daumen-hochMein Fazit: Einen nautischen Daumen hoch.

JUSTICE FOR ORCA! Regisseur Michael Anderson, der bereits in den 50gern mit „The Dam Busters“ und seinen Verfilmungen von „1984“ und „In 80 Tagen um die Welt“ von sich reden machte sollte später noch den Sci-Fi-Klassiker „Logan’s Run“ drehen und der letzte Film vor seinem Ruhestand und Tod war die Pinoccio-Adaption von 1999, deren Uncanny-Valley-Titelfigur bis heute meine Alpträume heimsucht. Der Mann hat ein halbes Jahrhundert lang Filme gedreht und direkt in der Mitte seines Schaffens ist dieser Film über einen Killerwal, der (meiner Meinung nach) zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. Ich meine, offensichtlicher Müll im Hochseekillerbereich wie die Sharknado-Filme oder „47 Meters Down“ werden im Internet besser bewertet, während „Ocra“ in Vergessenheit gerät.