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Jan 09

„PHASE IV“ (1974) Review

Nachdem mich „It came from the Desert“ insgesamt enttäuschte, dachte ich mir es wäre doch mal interessant einige andere Ameisenfilme unter die Lupe zu nehmen. Gut, dass davon einige in meiner einigermaßen gut sortierten Filmsammlung zu finden sind! Der erste Ameisenklassiker, den ich euch präsentieren möchte ist „Phase IV“ von 1974, einem ambitionierten Streifen Zelluloid. Doch bevor ich weiter ins Detail gehe, gebe ich euch einen kurzen Abriss der Handlung:

phase-iv-reviewMitten in der Wüste Arizonas spielt sich seltsames ab: Geometrische Formen gezeichnet, im Wüstenboden und den Feldern und unnatürliche Türme die wie aus dem Nichts aufgetaucht sind. Grund dafür ist eine Ameisenkolonie, die durch eine mystische kosmische Kraft einen überlegenen Schwarmintellekt entwickelte. Die beiden, sehr gegensätzlichen Wissenschaftler James und Ernest beginnen die Ereignisse zu untersuchen. In einer computerunterstützen Forschungsstation beginnen sie Ihre Arbeit die früher als ihnen lieb ist zum Todeskampf mit den Ameisen ausartet.

Regisseur Saul Bass wurde hauptsächlich durch seine Zusammenarbeiten mit Alfred Hitchcock bekannt, für den er mehrere kunstvolle Vorspanne kreierte. Aber auch dutzende Firmenlogos und kultige Filmposter wie das von „The Shining“ oder „Vertigo“ gehen auf den talentierten Illustrator und Filmemacher zurück. „PHASE IV“ war sein einziger Spielfilm, den er je drehte – und rein künstlerisch tobte er sich hier aus. Der Film zeigt beeindruckende Macroaufnahmen der Insekten, die selbst moderne Dokumentationen oft alt aussehen lassen. Dafür sorgte der Tierfilmer Ken Middleham, der zuvor bereits an einem oscarprämierten Dokumentarfilm arbeitete. Der Film zeigt auch viele, schon surreal wirkende Bilder von den Angriffen und Bauten der Ameisen. Diese Filmaufnahmen haben vielleicht einen größeren popkulturellen Einfluss gehabt, als sich die meisten Bewusst sind. Es wird nämlich spekuliert, dass die im Film von den Ameisen erzeugten Kornkreise, Leute inspirierten dies nachzumachen und als Zeichen von Außerirdischen auszugeben. Aber zurück zu den intelligenten Ameisen aus „PHASE IV“: Der Film hat zwar eine gewaltige Bildsprache und eine sehr interessante Prämisse, doch das Erzähltempo ist eher behäbig. Trotz seiner knappen 80 Minuten Laufzeit scheint „PHASE IV“ ein größerer, längerer Film zu sein, der etwas mehr mit seinen kleinen Cast anfangen müsste um an dieser Front zu überzeugen. Wenn ich „PHASE IV“ kurz und knapp beschreiben müsste, würde ich sagen, dass es der „2001 – Odyssee in den Weltraum“ der Ameisenhorrorfilme ist. Eine Geschichte über den Versuch mit einem überlegenen, nichtmenschlichen Intellekt in Kontakt zu treten und das Aufsteigen in eine andere Bewusstseinsebene. Ein Film, der eher durch seine gekonnten Effekte und künstlerisch anspruchsvolle Kameraarbeit überzeugt als durch menschliches Schauspiel. Und, auch passend zu dem Vergleich, sollte „PHASE IV“ eigentlich in einem 4 minütigen Finale enden, dass ebenso rätselhaft und psychedelisch ist wie das von 2001. Allerdings schien dies beim Testpublikum nicht gut anzukommen und wurde fast völlig aus dem fertigen Film geschnitten. 2012 tauchte eine Fassung mit dem ursprünglichen Ende jedoch wieder auf und wer etwas im Internet stöbert wird schnell darüber stolpern.

 

Mein Fazit: 7 von 10 gerösteten Gottesanbeterinnen

Wie schon erwähnt ist „PHASE IV“ ein wunderschön gefilmter und ambitionierter Streifen mit einer sehr coolen Idee. Doch mir persönlich ist er etwas zu langsam und die Hauptfiguren fesseln mich nicht genügend um diesen Film eine höhere Wertung zu geben. Allerdings ist er trotz dessen extrem sehenswert und vor allem Leute die gerne Sachen in der Richtung von „2001 – Odyssee in den Weltraum“ wegen Ihrer Bildsprache ansehen, sollten hier gut aufgehoben sein. Für alle anderen habe ich noch zwei Ameisenfilmchen in meinem Ärmel, über die ich mich demnächst stürze.