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Okt 17

„PREDATOR“ (1987) Review

Es ist wiedermal „Soft-Reboot-Zeit“ in Hollywood. Diesmal ist es der „Predator“, der für die geldgeilen Produzenten herhalten muss. Wisst ihr, ich könnte ins Kino laufen, mir „The Predator“ ansehen und euch danach erzählen, wie ich ihn fand. Vermutlich würde ich aber einen ähnlich enttäuschten Artikel verfassen wie bei „Jurassic World“, „Terminator: Genisys“ oder „Ghostbusters (2016)“ – darum heben wir uns den Predator-Film von 2018 einfach für später auf und werfen stattdessen einen längst überfällig gewordenen Blick auf das Original von 1987:

predator-1987-reviewEin Kommando muskelbepackter, harter Kerle steigt aus einem Helicopter aus, der sie Tief in die Dschungel von Mittelamerika trug. Der kleine, eingespielte Trupp unter der Leitung von Major Dutch Schaefer (Schwarzenegger), wird für eine Rettungsaktion angeheuert. Dafür verantwortlich ist ein ehemaliger Kollege von Dutch, der nun bei der CIA arbeitet, und „die besten der besten“ für den Einsatz benötigt. Dies soll jedoch bald zur Nebensache werden, da, sobald Dutch und seine Jungs durch den heißen Tropenwald stapfen sie, ins Visier eines unmenschlichen Jägers geraten.

Man kann nicht über Predator sprechen, ohne die holprige Produktion dieses Filmes zu erwähnen. Regisseur John McTiernan, der später als einer der größten Actionregisseure mit Filmen wie Stirb Langsam 1 und 3 bekannt werden sollte, hatte vor Predator nur Werbespots und einen kleinen Film gedreht und nun hatte er einen Film mit Schwarzenegger in der Hauptrolle, der bereits ein Actionschwergewicht war. Der Dreh fand fast ausschließlich im unerträglich schwülen mexikanischen Dschungel statt, was Schauspieler, Crew und Equipment an die Grenzen trieb.Da die Dreharbeiten so relativ abgeschottet von der Außenwelt stattfanden, holte sich McTiernan einen Drehbuchschreiberling mit an Bord, der falls nötig direkt vor Ort Skriptanpassungen vornehmen konnte – und damit dieser nicht nutzlos rumsitzt, wenn man ihn gerade nicht braucht, bekam der junge Mann auch noch eine Schauspielrolle. Dieser Skriptdoktor war Shane Black, der im Film den Witzbold Hawkins spielt. Black hatte kurz zuvor das Drehbuch für Leathal Weapon geschrieben und er sollte seine Karriere fortsetzen mit dem Drehbuch für Leathal Weapon 2 und später auch mit Filmen, bei denen er Buch und Regie übernimmt, wie der grandiose „Kiss Kiss Bang Bang“, „The Nice Guys“, „Iron Man 3“ und letztendlich auch „The Predator“, dem Soft-Reboot der Reihe. Legendär ist natürlich auch die Geschichte um das Originaldesigns des titelgebenden Predators. Ursprünglich sollte im Film ein eher insektoid wirkendes Wesen auftreten das von niemand geringeren als Jean-Claude Van Damme gespielt werden sollte. Van Damme hasste das Kostüm in das er gesteckt wurde und war auch enttäuscht, nicht mit seinen Kung-Fu-Kicks gegen Schwarzenegger kämpfen zu dürfen. Doch das Monster sah schräg aus und der 1,70 große Van Damme wirkte nicht wie eine tatsächliche Bedrohung für die riesige Muskelwand die Arnold Schwarzenegger heißt. McTiernan war verzweifelt, da er im Dschungel stand und realisierte, dass das Monster in seinem Monsterfilm nicht funktionieren wird. Doch Arnold Schwarzenegger hatte noch die Nummer von Filmeffektzauberer Stan Winston zur Hand, mit dem er in „Terminator“ zusammengearbeitet hatte. Also wurde Winston angerufen, der, so der Legende nach, das neue Design für den Predator in einem Flugzeug entwarf, während James Cameron, der Regisseur von Terminator 1 und 2, Aliens, Titanic und Avatar neben ihm saß und ein paar Tipps und Ratschläge gab. Winston und sein Team bastelten das neue Kostüm in 6 Wochen um den schlanken, 2,20 Meter großen Kevin Peter Hall und der Rest ist Geschichte.
Wow, guckt euch mal an wie viel Text hier schon steht, ohne dass ich auch nur angefangen habe über die stärken und schwächen des Streifens zu sprechen. Das wird hier anscheinend eine längere Review…
Predator gilt als Actionfilmmeilenstein, der John McTiernan zum gefragten Regisseur machte (bis dieser ins Gefängnis musste, was eine andere Geschichte ist) und Arnolds Platz auf den Actionolymp weiter zementierte. Für mich spielt die Action hier jedoch eine etwas untergeordnete Rolle, oder um es anders auszudrücken, es wird für den Zuschauern nur durch die Figuren und das Setup vorgegaukelt, dass sie einen Actionfilm ansehen, während der tatsächliche Film immer mehr zu einen Sci-Fi-Splatterfilm morpht. Die erste Hälfte von „Predator“ wirkt so, als würden wir uns eine Fortsetzung zu Schwarzeneggers „Phantom Kommando“ ansehen. Mit Testosteron gefüllten Macho-Figuren gespielt vom grandiosen Carl Weathers, Bill Duke und Jesse „I`ve got no time to bleed“ Ventura. Der 80s-Actionfilmflair wird auch stark von den genialen Zitaten des Streifens unterstrichen. Ohne anmaßend klingen zu wollen, muss ich sagen, dass „Predator“ einer der Filme ist, die ich eigentlich nur noch im Originalton ansehen will, da die Sprüche so geil sind. Allerdings nimmt der Film in der Mitte einen Wendung, die man zum Beispiel mit „From Dusk till Dawn“ vergleichen kann. Nach der ersten größeren Actionszene schwingt der Streifen zu einem Slasherfilm um. Aus Sicht des Predators sieht man, wie er seine Opfer stalkt. Danach knöpft sich der monströse Jäger einen nach den anderen auf blutige Weise vor, bis es zur (Spoileralarm) Konfrontation zwischen dem einsamen Arnie und dem übermächtigen Alien kommt. Der Film kann durch sein over-the-top Machogehabe unglaublich witzig sein – siehe den „Dillon, you son of a bitch“-Handschlag, der pures cineastisches Gold. Wenn Dutch und sein Trupp dann ordentlich auf die Pauke hauen ist dies klassisches, etwas übertriebenes Actionkino, fast wie in „Phantom Kommando“. Dies macht dann aber auch den Predator bedrohlicher, wenn er mit den menschlichen Kampfmaschinen anschließend problemlos aufräumt. „Predator“ vereint also viele Elemente aus Sci-Fi, Horror und Action in sich, die alle sehr gut ineinander greifen und im Gleichgewicht stehen.

 

Mein Fazit: 8,5 von 10 Schlammbädern

„Predator“ ist ein relativ simples Konzept, das meisterlich umgesetzt wurde. Es ist weder der beste Action-, noch Sci-Fi-, noch Horrorfilm, aber er ist ein verdammt guter Mix aus all diesen Einzelheiten und rund herum ein wahnsinnig unterhaltsamer Streifen mit Zitaten, die ihr totsicher in euren alltäglichen Sprachgebrauch einbauen werdet. Ein absoluter Pflichtfilm der zumindest in jeder Männerrunde garantiert gut ankommen wird.