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Apr 15

“READY PLAYER ONE” (2018) Review

Vor einigen Jahren habe ich mir das E-Book von Ernest Cline’s Bestseller „Ready Player One“ reingezogen. Ein Buch, dass sowohl geliebt, wie auch gehasst wird. Ich fand es war ein netter Abenteuerroman, eingepackt mit einer Menge ernstgemeinter Nostalgie. Das Buch hatte merkliche erzählerische Schwächen, wie z.B. die Präsentation der Hauptfigur und den öfters zu übertriebenen Schwall an Popkulturreferenzen. Doch eben diese Popkulturreferenzen und Anspielungen an Videospiele, Musik und Filme aus den 80ern machten den Roman aus. Das Buch ist quasi „80s Popkultur – Der Roman“. Und obwohl der Ruf des Buches deutlich gespalten ist, war hier eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit. Dass sich jedoch Steven Spielberg höchstpersönlich darum kümmern würde, hat mich dann doch überrascht. Aber wieso nicht- schließlich sind seine Filme ein großer Teil dessen, was die Popkultur der Achtziger bestimmte. Bevor ich mich aber darin stürze zu erklären wo die Stärken und Schwächen des Films liegen, erzähl ich euch erstmal ganz grob um was es in „Ready Player One“ überhaupt geht:

ready-player-oneIn einer nicht all zu fernen Zukunft ist die Welt zu einem ungemütlichen Platz geworden. In gestapelten Trailer-Park-Slums lebt der junge Wade Watts sein bescheidenes Leben. Allerdings findet er – und so ziemlich jeder andere Mensch – Ausflucht aus der tristen Realität in der „OASIS“. Dabei handelt es sich um eine Art Virtual-Reality-Spiel, dass das Internet ablöste. Eingelogt in die OASIS geht man in Form eines virtuellen Avatars in die Schule, shopen, trifft sich mit Freunden, oder macht epische Quests. Die OASIS verlässt man eigentlich nur noch zum schlafen und essen. Der Schöpfer dieses digitalen Wunderlands war James Halliday, der vor einigen Jahren verstarb. Doch der verschrobene und exzentrische Programmierer, der selbst im hohen Alter noch von den Filmen und Videospielen seiner Kindheit begeistert war, baute inmitten seiner Spielgalaxie einige Prüfungen und Rätsel ein. Diese Prüfungen bilden eine Art Schnitzeljagd und derjenige, der diese als erster Vollendet und somit das sogenannte “Easter Egg” findet, wird Hallidays Alleinerbe und erlangt völlige Kontrolle über die OASIS. Wade, der in der OASIS unter dem Namen Parzival bekannt ist, gehört zu denen, die ihr Leben der Jagd nach dem Easter Egg gewidmet haben. Dazu gehören auch Parzivals Freunde Aech und Art3mis, jedoch auch der fiese Großkonzern IOI, der mit einer Armee von Mitarbeitern und unlauteren Methoden versucht über das Easter Egg die Herrschaft über die Oasis zu erlangen.

Wenn man das Buch gelesen hat, geht man natürlich mit einer anderen Erwartungshaltung ins Kino wie jemand ohne Vorwissen. Ich habe erwartet, dass Spielberg die groben Schnitzer der Handlung glattbügelt und die Story etwas schwungvoller erzählt. Dies ist ihm auch gelungen. Spielberg hat viel von der Geschichte komplett umgekrempelt. Die Synopsis, die ich für diese Review verfasst habe trifft zwar immernoch auf Film und Buch zu, aber die einzelnen Abläufe unterscheiden sich grundlegend, was gute und schlechte Seiten hat. Einerseits sind die Quests, die zum Easteregg führen deutlich spektakulärer – vor allem die zweite Aufgabe ist im Film ein absolutes Highlight. Dafür wurden die Aufgaben aber wesentlich einfacher gestaltet. Dass in einer Welt, die davon besessen davon ist Hallidays Easter Egg zu finden, in fünf Jahren niemand auf diese Lösungen gekommen ist, finde ich komplett unglaubwürdig. Bei dem Schwierigkeitsgrad wäre die muntre Eierjagd vorbei gewesen bevor Hallidays Leichnam völlig erkaltet wäre. Ein weiterer Knackpunkt ist, dass gerade die Dinge, die ich am Buch erfrischend fand, in der Filmadaption zu typischen Hollywoodklischees umgearbeitet wurden. Wade ist nicht der übergewichtige Teenager, sondern der typische, attraktive Hollywood-Jungschauspieler. Art3mis, deren Avatar im Buch dadurch hervorstach keinen idealisierten Supermodelbody zu haben, sondern eben wie ein normales Mädchen, mit einer normalen Figur auszusehen hat im Film einen Avatar mit einem pinken Supermodelkörper. Im Buch treffen sich die Figuren im echten Leben erst zum Schluss, und es ist eine großes Sache, im Film wirkt dies alles eher antiklimaktisch. Ich finde auch, dass die Handlung irgendwie zu flott verläuft. Es ist eine Hommage an die Achtziger, da hätte man das verstreichen einiger Wochen durch eine Montage zu flippiger Rockmusik implizieren können. Meiner Meinung nach wurde an ein paar falschen Punkten die Schere angesetzt und der Film hätte von einigen Elementen aus dem Buch profitieren können. Okay, das waren genug Vergleiche zum Roman, reden wir noch etwas über die Verfilmung von “Ready Player One” selbst. Der Streifen ist natürlich mit unzähligen Anspielungen an alle möglichen Kultfime gespickt, allerdings waren diese nicht nervig. Wenn eine Figur aus einem Film oder Spiel im Bild ist, wird dies – insofern es keine Storyrelevanz hat – kommentarlos und schnell abgehandelt. Entweder man erkennt es, oder nicht. Wenn man nicht aufmerksam zusieht entgeht einem eine Vielzahl der Anspielungen. War das Raumschiff nicht eine Fireflyklasse? Ist da auf dem Schild „Jack Slater“ gestanden? War das eben Duke Nukem auf dem Schlachtfeld? Trägt der Typ da das Gesicht des bekannten japanischen Schauspielers Toshiro Mifune? Wer nicht aufpasst, verpasst die Hälfte. Und darin liegt auch etwas der Reiz des Films – man ist beim Ansehen selbst ein kleiner Easteregg Hunter (oder Gunter, wie man in der Welt von „Ready Player One“ sagen würde). Dies ist natürlich hauptsächlich in den schon fast zu überladenen, jedoch unbestreitbar spektakulären Actionszenen des Films eine Herausforderung. Wenn dutzende oder sogar hunderte Spielfiguren in massiven Rennen oder Schlachten aneinandergeraten sieht das, dank Spielbergs geschicktes Händchen natürlich ziemlich cool aus, aber der richtige Kick hat mir bei „Ready Player One“ trotzdem gefehlt … und ein zwei Songs von RUSH im Soundtrack.

Mein Fazit: 6 von 10 heiligen Handgranaten

„Ready Player One“ ist ein spektakulärer Film, den man allein um alle Popkulturreferenzen aufzuschnappen 2 oder 3 mal ansehen kann. Die Action und die Effekte sind cool und der Film ist trotz seiner Laufzeit von 2,5 Stunden sehr kurzweilig. Allerdings fehlt dem Film das gewisse Etwas abseits seiner bunten und mit Eastereggs übersäten Computerwelt. Die Ecken und Kanten der Romanvorlage wurden etwas zu gründlich weggebügelt um einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen. Unterhaltsames Popkornkino ist „Ready Player One“ dennoch.