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Aug 31

Review “Total Recall” Original & Remake

Es ist wieder Remakezeit! Und was würde besser zu Arnold Schwarzeneggers Rückkehr zum Film passen, als ein Remake eines seiner größten Klassiker? Naja, eigentlich vieles, aber es gibt nunmal dieses Remake und es handelt sich dabei um “Total Recall”! Ich habe den Film gesehen und beantworte alle eure Fragen: Kann der aktuelle Streifen mit dem Original mithalten? Macht Colin Farell seinen Job gut? Und kommt die dreibrüstige Prostituierte vor? Aber bevor wir uns mit dem aktuellen Remake herumschlagen möchte ich noch eine kleine Review zum Schwarzenegger Total Recall schreiben: Wir erinnern uns an den Originalplot des Films aus den frühen 90s: Douglas Quaid träumt ständig davon zum Mars zu reisen und geht daher zur Firma Rekall, die ihm die Erinnerung an eine Marsreise einpflanzen soll, weil er sich diese im wirklichen Leben nicht leisten kann. Außerdem wählt er ein Erinnerungspaket, in dem er auch noch als Geheimagent unterwegs ist! Doch irgendwas läuft schief: Doug scheint wirklich ein Agent zu sein, aber sein Gedächtnis wurde manipuliert! Oder ist das alles nur Teil seiner implantierten Erinnerung und es gab eine Fehlfunktion? War Doug früher ein Agent? Oder Doppelagent? Auf welcher Seite stand er und auf welcher Seite steht er nun? Für die Rebellen auf dem Mars, die gegen die Ausbeutung durch die Erde kämpfen? Oder für Cohaagan, der der für die Ausbeutung verantwortlich ist?  Total Recall mit Arnie war damals ein wahrhaft origineller Film! Einerseits ist er eine Adaption der Kurzgeschichte ‘Erinnerungen en gros’ von Philip K. Dick, der auch für die Romanevorlagen für Blade Runner und Minority Report verantwortlich ist, andererseits fügt er viel zur Grundstory hinzu, beispielsweise die Action, den Humor und den Charme, der irgendwie die Brücke schlägt zwischen allem, was Arnie je gemacht hat: Von gnadenloser Action mit viel Gore bis hin zu seinen irrwitzigen Grimassen ist alles dabei was man von so Arnie sehen will! Viele Fans der Novella werden jetzt bestimmt auf die Barikaden gehen, wenn ich sage, dass mir der Film besser gefällt. Das Buch ist recht kurz und es geht quasi nur darum, wer man ist, wenn einem die Erinnerungen verändert werden – die Verfilmung spinnt die Geschichte allerdings weiter und macht sie zur Grundlage dür einen Over-the-Top Trash-Actionkracher, bei dem man halt auch etwas mitdenken muss. Doch es ist auch ein etwas zweischneidiges Schwert, so eine anspruchsvolle und philosophische Grundidee mit einem comichaften Trashfilm zu vermischen. Darum hab ich mich auch schon bevor es bekanntgegeben wurde schon auf ein Remake gefreut! Nicht, weil ich Paul Verhoevens Film nicht mag, sondern weil mich einfach eine ernsthaftere Interpretation des Stoffs interessiert hätte! Aber dazu kommen wir ja gleich. Zuerst kommt noch das Fazit zum Original: 6,5 von 10 Totalen Erinnerungen Dämlich und intelligent sind selten in einem Film so nah beieinander! Doch das stört kaum, diesen Arniefilm vom Robocop-Regisseur kann man bedenkenlos bei jeden Männerabend in den DVD-Player werfen! Leute die ihn noch nicht gesehen haben werden auf jedenfall von der (für Actionfilmmaßstäbe) recht komplexen Handlung positiv Überrascht sein! Okay, das war das Original, kommen wir jetzt zum Remake von Total Recall! Der aktuelle Film leitet zuerst die Welt ein in der er spielt. Man erfährt, dass es einen großen Krieg gegeben hat und dass nach diesem nur noch zwei bewohnbare Areale Existieren: Das industrielle Großbritannien (das wie bei ‘Minority Report’ aussieht) und das heruntergekommene Australien (welches an ‘Blade Runner’ erinnert) . Es gibt nur eine Verbindung zwischen den beiden Nationen: “Der Fall”, eine riesige Mischung aus Zug und Aufzug der durch das Erdinnere hindurch, am Erdkern vorbei hin und herpendelt. Hier fangen die Probleme an, denn das Remake versucht zwar ernster düsterer und realistischer (also ala Dark Knight) zu sein, wechselt aber das Erde-Mars Setting durch etwas noch unglaubwürdigeres aus! Aber gut, Collin Farell lebt in Australien, pendelt aber täglich per “Fall” nach London, denn hier arbeitet er in einer Fabrik in der er Polizeiroboter am Fließband zusammenschweißt, von denen er im laufe des Films genügend wieder auseinander nimmt. Die Frage ist natürlich warum so ein komplexer Job, wie das Hüten des Gesetztes von autonom agierenden Robotern übernommen werden kann, während eine stupiede Fließbandarbeit, die schon heutzutage schon größtenteils von Industrierobotern erledigt wird, von Menschen gemacht werden muss? Douglas ist angeödet von seinem immer gleichen Leben und beschließt nach einem kleinen Hin und Her zur Firma Rekall zu gehen um sich ne schöne Erinnerung einpflanzen zu lassen. Wollte er im Original zum Mars weil er ständig davon träumt, geht Collin Farell’s Douglas recht unbedarft zu Rekall und es ist eher ein zufall, dass er sich die Geheimagentenerinnerung einpflanzen lässt. Irgendwie kommt auch nicht das richtige Feeling bei Rekall rüber. Bei Arnold war Rekall wie ein Reisezentrum, man wählte aus wo man hinwill, bzw. was man erleben möchte und Rekall pflanzen einem die entsprechenden Erinnerungen ein, dann löschen sie die Erinnerungen an den Aufenthalt bei ihnen und platzieren einige “Beweise” für die vorgetäuschte Reise bei einem in der Wohnung, so dass man danach wirklich davon überzeugt ist z.B. auf dem Mars gewesen zu seien. Dies wird bei Collin Farell anscheinend nichtmehr so gemacht. Die Firma hat mehr das Auftreten eines Edelpuffs und der Verkauf von Erinnerungen wirkt mehr wie das Ausleihen von Filmen, da man danach noch weiß, dass einem diese oder jene Erinnerung von Rekall eingepflanzt wurde. Das zerstört eigentlich den Sinn hinter dem ganzen Geschäftsmodell… Naja, Douglas Quaid wird überprüft, ob er bereits irgendwelche “Geheimagentenerinnerungen” hat und dabei leuchten natürlich alle roten Lämpchen auf! Gerade als feststeht, dass Doug anscheinend schon solche Erinnerungen intus hat stürmt ein SWAT-Team das Gebäude! Quaid schafft es alle mit erstaunlicher Leichtigkeit zu überwältigen und flüchtet sich nach hause. Er hat zwar keine Ahnung warum genau, aber anscheinend sind Agenten hinter ihm her und er fängt an seine Vergangenheit zu hinterfragen. Zuhause im heimischen Appartment berichtet er seiner Frau Lory von den Vorkommnissen. Doch es zeigt sich, dass sie auch nicht die ist, die sie zu schein seint. Total verwirrt muss er gegen seine Ehefrau kämpfen, die ihm plötzlich auch umbringen will. Sie offenbart Doug, dass sie nur seine Frau gespielt hat um ihn zu überwachen und jetzt, wo er anfängt sich an sein altes Leben zu erinnern, wird sie ihn töten. Lory wird übrigens von Kate Beckinsale gespielt, die man ja bereits aus den Underworld-Filmen kennt, wie sie Ärsche tritt. Anscheinend steht ihr Mann darauf, wenn die olle Kate das Badass-Miststück mimt, denn wie bei der Underworld-Reihe sitzt dieser auch hier auf dem Regiestuhl. Ich frage mich was Kate gesagt hat als ihr Gatte Len Wiseman nach hause kam und ihr sagte: “Hey Schatz, du darfst die falsche, böse Ehefrau in meinem neuen Film spielen! Die Rolle passt einfach perfekt zu dir!” Aber zurück zum Film. Abgesehen von dem anderen Setting bietet der Film für Kenner des Originals keinerlei Neues. Stur wird einem jeder einzelne Storytwist wieder so vorgesetzt, wie man ihn schon kennt. Und das, obwohl Total Recall eigentlich genügend Möglichkeiten bieten würde hier und dort einen Twist anders ausgehen zu lassen um den Film gerade für Leute die den Arniestreifen kennen etwas neues zu bieten! Doch Len Wiseman ist da keinerlei Risiken eingegangen, schön brav hakt er alle “Pflichtszenen” nacheinander ab, ao dass alle Twist genau das sind, was sie nicht sein sollten: Vorhersehbar. Und auch ansonsten hat er alles was an dem Film irgendjemanden stören könnte glattgebügelt. Weniger Gewalt, und wenn dann ohne Gore oder nur gegen Roboter, kein Witz, kein Charme, keine Satire, keine Aliens, keine missgestalteten Mutanten… Alles ohne Ecken und Kante, oder irgendetwas nennenswertes, an dass man sich in ein, zwei Jahren noch erinnern würde. Mein Fazit: 4,5 von 10 neuen totalen Erinnerungen Len Wisemans Total Recall ist einfach zu brav und zu langweilig um etwas besonderes zu sein. Vorallem für Leute die den alten Film kennen können sich eigentlich nur am neue Look erfreuen, der sich großzügig bei Minority Report, Blade Runner und I Robot bedient. Hier gibts wirklich nichts neues, also können wir genauso gut auch beim Original bleiben. PS: Natürlich noch die Antwort zur wichtigsten Frage: Die dreibrüstige Prostituierte kommt vor, wirkt aber deplatziert.

4 Pings

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